Morgenlese VII

Nun hat sich die SPD endgültig für CETA ausgesprochen, nach langer Diskussion im Vorfeld und auf dem Parteikonvent.

Kann man machen, sind auch nur 10 Seiten.

Der Chef des Industrie- und Handelskammertages Eric Schweitzer jedenfalls hat die Entscheidung der SPD begrüßt. Beifall aus der falschen Ecke?

Apropos Ecke: in einer Ecke steht auch CSU-Generalsekretär Scheuer, nämlich in Rechten.

»Das Schlimmste ist ein Fußball spielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil den wirst du nie wieder abschieben«, sagte Scheuer

Die SZ ist sich sicher: nach diesem Aussetzer muss er zurücktreten.

In Sachen Europa ganz nebenbei bemerkt, steht uns auch fürchterliches bevor: die Öttinger-Bombe europäisches Leistungsschutzrecht ist ein Witz, der leider nicht zum Lachen geeignet ist. Was Julia Reda sagt.

Zu Trump gibt es auch nichts neues, aber das ist ja nach wie vor schlimm. Der New Yorker warnt noch einmal ausdrücklich vor Trump und schreckt dabei auch vor Hitler-Vergleichen nicht zurück. Besonders gut analysiert der Artikel allerdings die Hilflosigkeit der Medien:

Trump’s lies arrive with such rapidity that before one can be refuted a new one comes to take its place. It wasn’t his voice on that tape of pitiful self-promotion. O.K., it was—but he never mocked the handicapped reporter, he was merely imitating an obsequious one. The media eventually moves on, shrugging helplessly, to the next lie. Then the next lie, and the next. If the lies are bizarre enough and frequent enough, they provoke little more than a nervous giggle and a cry of “Well, guess he’s changed the rules!”

Bild: Foodwatch, CC BY-SA

Lego – El ritmo de verdad

Rafael Rodriguez aka. Lego kommt aus… Chicago und er gehört dort bis heute zu den wirklich vielbeschäftigten Residents, u.a. im Boom Boom Room (seit 1992 !), oder der Martini Ranch.

El Ritmo de verdad ist einfach ein Riesenhit gewesen, der von Chicago über die Zwischenstation Ibiza auch in den kleinen Oldenburger Starclub verirrte. Jedenfalls ist das meine Erinnerung daran: rechts auflegend mit Links noch schnell eine Caipi mixen und über die kaputten Subwoofer ärgern. Oder so. Einen noch auf den ausgehenden Sommer…

Mittagslese VI

Wirklich total hipsteriges Wahlergebnis, liebes Berlin. Nicht! Aber ist ja auch kein Wunder, bei dem Wahlkampf. Die Wählerwanderung in Berlin scheint mir die Berliner Morgenpost am besten abgebildet zu haben, ebenso gefällt wieder die Berlinwahlkarte. Die nicht ganz unwichtige Thema Wählerwanderung zur AFD analysieren die Kollegen von zeit.de. Vor allem viele Grafiken hatte der Tagesspiegel anzubieten. Die trockenen Rohdaten gibt es bei wahlrecht.de. Bis zur drohenden Bundestagswahl sollten aber vielleicht nochmal ein paar interessantere Grafiken entwickelt werden, kommt ja schneller, als man denkt.

Und das bei dem Datenreichtum.

Bild: Marco Verch, Some rights reserved

Wochenendlese V

We launched our company with a parody product. Ich fand die Apple Plug Parodie witzig, aber eigentlich ist es noch witziger, wozu sie entstand und was daraus wurde.

Die Ketzerin beschreibt die Geschichte einer ehemaligen Homöopathin, die aus der Szene ausgestiegen ist. Via

Nach 20 Jahren ist Zimmer frei nun zu Ende, und außer dass es mir ein Spur zu viel um Joko und Klaas geht, ist Bye-Bye, „Zimmer frei“ der richtige Artikel dazu.

Für’s Auge (plus ein paar Fakten fürs Quartett unnützes Wissen): 7 Monumental Wonders of the Former Soviet Union.

Bild: CC BY-SA

K. Hand – Everybody

Detroit, Michigan, hier wurde K. Hand aka Kelli Hand 1965 geboren. Sie wuchs hier auf, wurde in den 80ern DJane und gründete 1990 ihr eigenes Label Acacia Records. Der Detroitsound liegt ihr im Blut und er tropft aus jeder Note dieses, nennen wir es einmal so, Brettes:

»Everybody« wurde zuerst 1993 als Acaia Rec. 011 mit »You Give Me« (Dub & Instrumental Mixe) von Claude Young auf der Rückseite veröffentlicht, ich habe leider nur die ein Jahr später erschienene Europalizenzpressung auf EC.

Was mich an dem Song am meisten fasziniert ist die völlig abgedrehte Hookline, was zunächst mal kein Wunder ist, denn ausser derselben gibt’s ja eigentlich auch nur noch das Everybody-Sample. Obwohl die Produktion so fett ist (die EC-Pressung ist leider derart überproduziert, dass man sie praktisch nicht auflegen kann), ist das ja irgendwie superminimal und einige Kilometer deep. Im Grunde verhindert ja nur das Sample, dass man komplett in Trance fällt.

Falls jemandem der Sound irgendwie bekannt vorkommt, die Hookline wurde zwei Jahre später einem australischen DJ gesampled, worauf wir sicherlich später noch zurückkommen werden.

Auf Soundcloud gibt es einiges von K. Hand zu hören.

Morgenlese IV

Mißtraust eigentlich auch schon deinem Smartphone? Was macht so ein Telefon denn eigentlich zum Überwachungsinstrument in der Hosentasche? Installierte Apps? Hacker? Die NSA? Oder gleich das Betriebssystem? Xiaomi Can Silently Install Any App On Your Android Phone Using A Backdoor.

Benutzt eigentlich ausser mir noch jemand Airmail? Ist ja mein ganz großer Tipp für Leute, die auf Inbox Zero schwören, oder etwas mit dem Begriff Wiedervorlage anfangen können. Oder beides, so wie ich. Da kann man sogar Einstellen, wie die Mailnotificatio s aussehen.

Das braucht man bestimmt irgendwann, beim heutigen Trend: Fullscreen Background Video with mix-blend-mode Overlay Text.

debugger.html ist ein Javascript-Debugger geschrieben als web application mit React und Redux. Er soll den Debugger in Firefox ersetzen, funktioniert aber auch standalone und verbindet sich auch mit Chrome und Node (was aber noch ein experimentelles Feature ist). Der Code ist frei zugänglich.

Ein Podcast-Tipp: ich höre schon ziemlich lange jeden Morgen den Anerzählt Podcast. Wisst ihr noch, wie es war, wenn sich abends die Familie am Lagerfeuer versammelte und Vater las aus dem Lexikon vor? Nein, ich auch nicht, aber so ungefähr funktioniert der Anerzähler. Getriggert durch die jeweilige Nummer der Folge, erzählt Dirk Primbs einige Fakten zu einem passenden Thema. Unbedingt mal reinhören. Bis bald.

Peter Falk

Peter Falk ist einer dieser Schauspieler, die praktisch untrennbar mit einer Rolle verbunden sind. Peter Falk ist praktisch Inspektor Columbo. Was ein wenig unfair ist, denn Falk hat sich stets bemüht, auch andere Rollen neben dem schrulligen Kommissar zu spielen, hat mit Sydney Pollack, John Cassavetes und Wim Wenders zusammen gearbeitet. Und trotzdem, als ich ihn in Himmel über Berlin sah, sagte ich: da spielt ja Inspektor Columbo mit.

Columbo, der Polizist ohne Vornamen, ist eines der Phänomene des Prä-Internet-Fernsehens: einfach gestrickte Story, eindimensionale Figur ohne große Entwicklung, aber trotzdem Kult mit hohem Suchtfaktor. Falk gab den Columbo zwischen 1971 und 1978, sowie nochmal zwischen 1989 und 2002 zusammen 69 Mal. Dabei trug er immer den gleichen Trenchcoat, fuhr immer das gleiche gammlige Peugeot 403 Cabrio und enttarnte den Mörder immer im letzten Moment, nachdem er den Raum schon verlassen hatte und nur nochmal kurz auf eine letzte Frage zurückgekehrt war. Um es ehrlich zu sagen: ich kann mir in der Nachschau nicht ganz erklären, was man seinerzeit an Columbo fand.

Heute wäre Columbo 89 Jahre alt geworden.

Foto: Yury Ostromentsky, CC BY 2.0

Salt City Orchestra – The Book

Eine Geschichte von Unbedingt-Haben-Wollen. Als ich seinerzeit in der Plattenbranche anfing, als Stellvertreter des Kalifen sozusagen, hatte der Kalif beschlossen diese Scheibe nur sich und seinen Freunden zugänglich zu machen. Harte Zeiten waren das. Als ich dann selber Kalif war die Abteilung übernahm, fand ich einige Exemplare der Paper 001 im stillen Kämmerlein… ach schöne Zeiten waren das.

Salt City Orchestra begleiten mich seitdem durchs Leben und gehör(t)en in beinahe jedes House-Set, auch wenn ich dem Kalifen damit irgendwie etwas die Erkennungsmelodie geklaut habe. was mir an dem Track so gefällt ist die totale Deepness, gefolgt von einer Phase des Ausbremsens, wo man auf der Tanzfläche beinahe verrückt werden kann, bis es dann fast anthemmäßig ins „I write the book“-Sample geht. Sehr abwechslungsreich, kann man nicht lange laufen lassen, aber heizt tanzfaules Publikum auf jeden Fall an.

Wurde leider 2007 repressed.