Paterson

Jim Jarmush über die Poesie, die Liebe und die Langsamkeit.

Paterson ist nicht nur eine Stadt in New Jersey aus der scheinbar viele bekannte Leute stammen, sondern auch der Name des Protagonisten, einem Busfahrer, der Gedichte schreibt. Der Film zeigt sieben Tage aus dem Leben jenes Busfahrers, der jeden morgen wie automatisch um zehn nach sechs erwacht, seine Cheriohs frühstückt und dann zur Arbeit läuft. Und so weiter.

Zwischendrin schreibt Paterson (gespielt von Adam Driver aka. Kylo Ren) also seine Gedichte. Eines Tages allerdings… nein, ich will jetzt nicht spoilern. Und ganz ehrlich gesagt, das hört sich dann auch schon nach mehr Action an, als es ist. Denn Paterson ist ein sehr langsamer und ruhiger Film. Ein wunderbar langsamer und ruhiger Film, ohne dabei selbst konservativ zu sein oder etwa langweilig.

Was Paterson zeigt, sind die kleinen Unwegbarkeiten des Lebens, die Rückschläge die jeden Tag passieren, nach denen man sich aber keinesfalls aufhalten lässt, sondern weiter geht auf seinem Weg, unterstützt vom Ehepartner, von Freunden und manchmal auch von Fremden. Im Gegenzug hilft man all diesen Leuten wieder über deren kleine Rückschläge. Und dann ist ja auch schon wieder ein Tag vorbei. Dieses Gefühl, das man schnell bekommt, wenn man einem regelmäßigen Job nach geht: man steht auf, geht zur Arbeit, es passieren ein, vielleicht zwei Dinge, man kehrt zurück von der Arbeit, noch kurz in die Kneipe und dann ins Bett und alles wieder von vorne, diese Gleichförmigkeit formt auch Jarmushs Film.

Ein Film für einen Sonntagabend.

Tom Petty *1950 †2017

Ich halte im Grunde wenig vom Südstaatensound, ungefähr soviel wie von Bob Dylan. In diesem Sinne ist heute schwer zu sagen, was mich an Tom Petty eigentlich ansprach, aber trotz seiner Beziehung zu Dylan (man denke nur an die fürchterlichen Travelling Wilburys), war er der amerikanische Musiker in der Rockfolkcountryecke, den ich noch am ehesten mochte.

Definitiv geliebt habe ich Don‘t come around here no more, und das hervorragende Video dazu. Der am Anfang als Raupe auftretende Dave Stewart bildet hier die Brücke nach England und dem mir viel näher liegenden New Wave und zu meiner MTV-Adoleszenz.
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Schlechte Aussichten

Schlechte Aussichten

Natürlich, man kann auch noch dieses Wahlergebnis schön reden. Eine Hundertschaft Nazis im Bundestag, eine sich abzeichnende Koalition der Willfährigen, erdrutschartige Verluste bei der SPD, alles nicht so schlimm. Mutti macht weiter, die Reichen sind endlich wieder in der Regierung vertreten, endlich haben die Bayern mal einen Dämpfer bekommen, hurra die Grünen, und alle zusammen gegen Rechts. Wer… bitte… glaubt… denn… daran?!

Stattdessen sehen wir das alte Parteiensystem vor unseren Augen zerbröckeln und die Zuschauer sind gerade raus, Popcorn holen. CSU-Brechreiz Stoiber hat angeblich darüber abstimmen lassen, ob die Fraktion mit der CDU überhaupt weitergeführt werden soll. »Politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tod«, nennt das der Trierische Volksfreund und hat so verdammt Recht. Lemmingen gleich wird eine Partei nach den anderen über die Klippe springen, die das Ergebnis der AfD aufgebaut hat. Und da ist die Bundestagsfraktion—allem Horror zum Trotze—noch nicht mal das Schlimmste, sondern eher deren unglaubliches Abschneiden im Osten. Sachsen scheint inzwischen seine eigene Filterblase zu sein, der Osten eine riesige Echokammer, weitgehend abgeschottet von politischer Bildung und die zukünftige Begründung für jeden noch so erschreckende Rechtsruck der Republik.

Die Kanzlerin hat noch gar nicht verstanden, was eigentlich passiert ist. »Ich will aber mit der SPD regieren«, hat die noch kurz aufgestampft, auf Nachfrage wurde dann ein »ich will aber regieren« daraus, egal in welchen Farben. Im Interview sagte sie, sie habe mit einem schweren Wahlkampf mit Angriffen von links und rechts gerechnet. Von links und rechts. In Berlin wissen sie immer noch nicht, wo der Feind steht. Wenn das erste Mal der Hitlergruß im Bundestag gezeigt wird, wird es zu spät sein.

Und dann die SPD. Wer wirklich glaubt, die SPD könne sich erneuern, der hat die letzten 142 Jahre nicht aufgepasst. Das sah man schon am Wahlabend, als Schulz und Nahles Posten für sich beanspruchten, statt ehrlicherweise zurückzutreten. Sie können es einfach nicht, fällt mir da ein Schröder-Zitat ein, aber sind immer noch der Ansicht es besser nicht zu können, als die anderen. Die SPD ist das fleischgewordene Peter-Prinzip, das demnächst in Martin-Prinzip umbenannt werden muss. Was wir von der SPD erwarten können? Ein Wettrennen mit der CSU darum, wer mehr Wähler am rechten Rand zurück fischen kann. Erneuerung, Linksruck? Wohl kaum, denn vor nichts hat die SPD mehr Angst, als vor den Linken. Das gehört zum spezialdemokratischen Erbgut und hat schon mal die Nazis nicht verhindert. Von einer rot-rot-grünen Zusammenarbeit sind wir so weit entfernt wie zu Zeiten als es die DDR und die SED noch gab. Da ändert auch nicht dran, dass die Berater der SPD eine Kur in der Opposition verschrieben haben. Da ist dann ja ausser ihren Erzfeinden von den Linken niemand.

Dort, bei den Linken, müsste mal jemand Sarah Wagenknecht einfangen, die sich schon vor der Wahl gen Osten ausgerichtet hat, mit seltsam rechten Aussagen über Merkels Flüchtlingspolitik. Das hätte Gregor Gysi aber besser in den Griff bekommen. In Scharen sind der Linken die ostdeutschen Wähler abgewandert, ausgerechnet zur AfD. Dort scheint man eben immer noch zu glauben, eine Partei sei wie die andere, ein ernsthaftes Imageproblem.

Und die Grünen? Die Grünen wollen in die Regierung. Als hätte die große Koalition nicht bewiesen, was mit Parteien passiert, die sich in Merkels Umarmung begeben. Sehr trotzig und sehr dumm. Und dann zusammen mit der FDP. Noch dümmer. Unendlich dumm.

Too long; didn’t get it: hier nochmal die Zukunft in drei kurzen Statements:

  • die AfD hat das eingeschliffene Parteiensystem geknackt, herausgekommen ist Weimar light
  • es gibt eine Koalition auf tönernen Füßen und dann bald Neuwahlen, oder gleich Neuwahlen, also Weimar
  • links von Merkel herrscht nur Streit, Uneinigkeit, Wadenbeißertum… Weimar.

Too long; didn’t read: Weimar!

Foto von Joy Stamp auf Unsplash.

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

Karl Liebknecht hatte diesen Spruch auf seinem Schreibtisch stehn.
Und er hängt als Poster heut‘ bei Oskar Lafontaine.
Und auch in Schleswig-Holstein versteht man gut den Sinn
Dort flüsterst’s Heide Simonis beim Tango vor sich hin.

Wer hat mich verraten? Sozialdemokraten!
Wer hat mich verraten? Wer hat mich verkauft?
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Die ham‘ uns verraten und die ham‘ uns auch verkauft.

Marc Uwe Kling: »Wer hat uns verraten?«

Nötigung

Vor dem Edeka in der schleswig-holsteinischen Vorstadt ist ein Wahlstand der FDP aufgebaut. Ein unfreundlicher Endvierziger im Großformat verteilt Handzettel. Jedes Mal wenn er jemanden der nicht schnell genug ausweichen kann einen Zettel in die Hand drückt, murmelt er was von „Wählen gehen“ und „FDP in den Bundestag“, mehr Argumentationshilfe hat ihm sein Wahlhelfertraining nicht mitgegeben. Alle machen ein großen Bogen um ihn.

Eine ältere Frau will keinen Handzettel, lehnt wirsch ab. Der FDP-Riese wirft ihr sein auf A5 gedrucktes Lindner-Portrait in den Einkaufswagen. „Das ist aber jetzt Nötigung!“, kreischt die Oma hysterisch. „Ihre Verbrecherpartei wähle ich sowieso nicht, eher schon die AfD.“ Da flippt der grimmige FDP-ler aus: „Dann werfen sie ihre Stimme ruhig weg, werden sie schon sehen was sie davon haben!“ Und so weiter. Noch weit im Edeka höre ich ihn pöbeln und fluchen, von Antidemokraten und immer wieder von Leuten die ihre Stimme wegwerfen.

Als ich aus dem Edeka komme steht der FDP-Mann unter seinem FDP-Sonnenschirm und trinkt ein wahrscheinlich liberales Bier. Erstmal runter kommen.

Geht mir jetzt schon auf den Keks

Diese Figur ist statisch und verfügt weder über einen Leucht-Effekt noch über einen ausklappbaren Kopf, Fühler oder Arme. In diesem Jahr steht der Androide als Superheld inmitten von einer ganzen Menge Oreo-Keksen und sticht somit aus der Masse hervor. Außerdem ist der Android in diesem Jahr aufgrund der flachen Kekse deutlich dünner als die bisherigen und ist somit keine „Tonne“ wie in der Vergangenheit. GoogleWatchBlog

Da soll nochmal jemand den Kult um Apple kritisieren.