Inside

Ja, ich weiß, ganz Social Media und ihre Mutter haben bereits auf das wundervolle Comedy Special „Inside“ von Bo Burnham auf Netflix hingewiesen. Aber wie immer: trotzdem.

Zunächst mal geht es mir immer sowas von gegen den Strich, das immer alle so tun, als kennen sie Künstler wie Burnham aus dem täglichen Leben. „Hey, mein Buddie Bo hat ein Comedy Special gemacht, schaut euch das mal an“, so der Tenor. Oder es nervt mich einfach, dass ich ihn eben nicht kenne. Noch nie von gehört. Herrgott bin ich alt. Dann landet sowas immer ganz unten in meiner Liste. Also, Robert „Bo“ Burnham (* 21. August 1990 in Beverly, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Komiker, Filmemacher und Musiker. Und „Inside“ ist einfach so real, ich weiß bis eben nicht, ob ich lachen soll, oder weinen.

Was uns Burnham in seinem Special vorführt, sind wir im Lockdown, eingesperrt in unsere Wohnungen, ausgestattet mit viel Langeweile und das Internet kommt aus der Wand. Es sei dabei angemerkt, dass wir uns auch nicht zu viel mit Bo identifizieren dürfen, denn so war das letzte Jahr nur für die wenigsten von uns. Sonst wäre es wohl noch um Zoom-Konferenzen und Außengastronomie gegangen. Aber zum Glück, geht es nicht um Zoom-Konferenzen und Außengastronomie. Aber auf jeden von uns passt irgendetwas von Bo. Und wir haben die gleiche Entwicklung durchgemacht. Also ich nicht, mein Arbeitszimmer ist noch genauso übersäht mit Technikgedöns, Kabeln, Mikrofonen, Mischpulten und dem ganzen Kram mit dem ich während des Einschlusses herumgespielt habe, ohne auch nur ein Quentchen der Kreativität zu entwickeln, die es gebraucht hätte, irgendwas zu produzieren. Irgendfuckingetwas.

Gut, ich bin kein Comedian. Oder Podcaster. Und scheinbar auch nicht mehr DJ.

Wie komme ich jetzt darauf, über die mir in diesen Zeiten abhanden gekommene Kreativität zu referieren, wo ich doch eigentlich etwas über „Inside“ von Bo Burnham schreiben wollte? Achja, was ich darin gesehen habe: Bo überwindet diesen Punkt des gehemmt seins durch die Ereignisse und entlädt ein wahrhaft kreatives Feuerwerk. Und… und das hat mich am allerallermeisten beeindruckt: er stellt dieses Überwinden dar. In und zwischen den Zeilen. Es ist einfach ein fantastische Schauspiel.

Und eine weitere Sache hat mit beeindruckt: das Wort „Pandemie“ fällt zu keinem Zeitpunkt. In 20 Jahren wird kein Mensch mehr verstehen, was dieses Special soll, warum der Protagonist in seiner Wohnung eingesperrt ist. Hoffentlich.