Null G

Eben schickt sich der scheidende Gesundheits-Spahn an, schnell noch das Ende „der epidemischen Lage“ zu versprechen, da explodieren sowohl die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz als auch die Todeszahlen. Und wieder reiben sich Lieschen Müller und Otto Normal die Augen, sollte doch vorbei sein, die Pandemie? Gut sie sind jetzt beide nicht geimpft, haben aber darüber nachgedacht, weil eins ja jetzt überall Zertifikate vorlegen muss, was auch schon wieder ein allerschwerster Eingriff in ihre Freiheit bedeutet. Ja, warum klappt das alles nur nicht?

Schauen wir kurz in unser Nachbarland Dänemark

Die Däninnen und Dänen haben es vorgemacht: Pandemie zu Ende, Freedom Day, schon seit September gibt es dort keine Einschränkungen mehr, außer dass eins in Öffis Maske tragen muss. „Wie geht das?“, haben wir in Deutschland gerätselt und dänische Wissenschaftler:innen haben geantwortet: Die Dän:innen haben mehr Selbstverantwortung und es herrsche ein Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bürger:innen. Was ich aber glaube ist, die Regierung hat die Realität einfach anerkannt: Die Menschen gingen auch in Dänemark die Maßnahmen nicht mit, sondern umgingen sie regelmäßig, wo es ging. Und als es Impfquote und Inzidenzen hergaben, hat die Regierung schnell die Diskrepanz zwischen Regeln und Realität beseitigt.

Die Realität in Deutschland

Ich war gestern in unserer Kantine zum Essen. An meinem Bürotisch darf ich ohne Maske arbeiten, weil der Kollege nebenan wäre mindestens 1,50 m von mir weg, auf dem Weg zur Kantine muss ich allerdings Maske tragen, weil man dort den Abstand nicht garantieren könnte. In der Kantine stehen die eigentlich für vier Personen gedachten Tische zu Paaren zu zwei Tischen zusammengeschoben. Mit jeweils 1,50 m Abstand in jede Richtung zu allen anderen Tischen. An so einem Platz dürfen sich zwei Leute beim Essen ohne Maske gegenüber sitzen. So muss das laut Regelung sein, denn der Arbeitgeber darf weder nach Impfung der Arbeitnehmer fragen, noch die Selbsttests überprüfen, die er kostenlos an uns verteilt, damit wir im Büro so eine Art freiwilliges 3G haben. Das wäre auch sicherlich alles in Ordnung, wenn auch nur ein Mensch noch daran glauben würde, dass 1,50 m Abstand bei einem sich über die Luft übertragenden Virus einen Sinn ergäbe. Außer es ginge ausschließlich darum, sich nicht gegenseitig anzuspucken. Das Gleiche gilt für dir Kasse im Supermarkt, wo eine Plexiglasscheibe dafür sorgt, dass sich Corona nicht ausbreiten kann. Es sollen schon Viren an Lachanfällen darüber gestorben sein. Ja, wir haben Regeln in Deutschland. Wir halten sie sogar manchmal ein. Aber: sie sind komplett nutzlos.

Wo Regeln nicht eingehalten werden

QR-Code
Hiermit kommst du in jedes Restaurant?

Ich kann gerne wieder mit einem Beispiel aus Dänemark anfangen. Mit einem Riesenbrimborium hat Dänemark 2015 Grenzkontrollen wieder eingeführt. An den Übergängen, beispielsweise an der A7 bei Flensburg, oder in Kruså oder in Padborg, stehen seitdem junge Soldat:innen, die allein racial profiling durch die Autoscheibe machen und praktisch jeden durchwinken. Zur Pandemie nun, hat Dänemark knallharte Einreiseregeln entworfen, niemand durfte ins Land. Also außer Dän:innen. Und Pendler:innen. Und Bewohner:innen von Schleswig-Holstein. Und später dann Leute, die ein Ferienhaus oder einen Campingplatz gebucht hatten. Dann nur Geimpfte, Genesene und Getestete. Und das alles wurde auf die gleiche Weise kontrolliert: nämlich, von einer kurzen Phase im Frühjahr 2020, gar nicht. Weil man das auch nicht profilen kann. Es werden weder Impfpässe kontrolliert, noch QR-Codes gescannt, außer bei denen, die man sowieso aus dem Verkehr gefischt hätte, weil sie wie eine syrische Auswandererfamilie oder Drogendealer aussehen.

Ein ähnliches Bild in der deutschen Gastronomie. Während nun Deutschlands Freiheit nicht mehr am Hindukusch verteidigt wird, musste der Kampf darum an die Eingänge von Pizzerien und Eckkneipen verlegt werden. Es mag rühmliche Ausnahmen geben, aber im Wesentlichen wird nicht kontrolliert, ob ein Check-in mit der Coronawarn-App oder gar Luca 🤮 stattgefunden hat (Zitat: „da hälste einfach dein Handy über den Code und tust eben so als ob“). Und schon gar nicht wird der QR-Code des Impf- oder Genesenenpasses oder des Testnachweises gescannt. Der wird lediglich angeschaut und da kann eins dann alles hinhalten, vom Screenshot bis zum Foto einer mit schwarzem Filzstift bemalten Serviette.

Tödliche Schildbürger:innenstreiche

Wir sollten einsehen: Das ganze Tohuwabohu von Maßnahmen und Regeln ist gleichermaßen nur eine Show, das Papier nicht wert, auf dem sie veröffentlicht wurden und/oder werden sowieso nicht eingehalten. Das einzige, was gegen Covid-19 derzeit hilft, ist die Impfung. Aber den Stand der Impfkampagne scheinen wir ja nicht mal zu kennen, nur eins ist klar: nicht genug Menschen sind geimpft. Denn die Intensivstationen füllen sich mit Ungeimpften. Denen will ich eigentlich sagen: „Selbst Schuld!“. Leider geht das nicht, weil die Impfverweiger:innen auf dem Weg zur Beatmungsmaschine ja noch schnell eine Schulklasse Kinder, einige Immunsupprimierte und ein paar Alte, deren Impfwirkung schon nachgelassen hat, anstecken. Das ist die Freiheit, von der wir hier sprechen!

Dummerweise hat unsere Ex-Regierung (von der wir ja einen Teil auch wiedergewählt haben) gleich von Anfang an eine Impfpflicht kategorisch ausgeschlossen, im Grunde ohne Not und vor allem ohne Begründung, denn zu dem Zeitpunkt gab es noch gar keinen Impfstoff.

Todesursache Freiheit

Und so werden wir noch einige Wellen mit Covid-19 erleben und es werden noch viele sterben müssen. Denn das hätte eine hohe Impfquote verhindern können: siehe wieder Dänemark. Dort hatten wir gestern die nahezu gleiche Sieben-Tage-Inzidenz wie in Deutschland (107 vs. 102), aber keinen Todesfall, während am gleichen Tag in Deutschland eine Busladung von 86 Menschen ihr Leben lassen mussten.

Fuck you Tyskland!