Morgenlese XII

Die heutige Morgenlese kommt auch wirklich am Morgen und ist die erste, die sowas wie ein Motto hat, viel Wortspielerei jedenfalls. Finde ich fast schon so gut, dass ich das beibehalten könnte, aber man weiss ja leider wie das ist, wenn man sich festlegt, das hindert auch oft. Na mal sehen. Und dann muss man ja praktisch auch immer eine mäßig sinnvolle Einleitung schreiben… hüstel.

Bedenkenswert

Vor kurzem hatte ich mal das Glück zwischen Berlin und Hamburg das neue Bahn-WLAN wifionice (klingt wie eine Walt-Disney-Show) auszutesten. Eigentlich funktionierte es gerade nicht, denn statt gratis zu sein, bot mir das blöde captive portal und die gleiche Seite im Browser nur an, einen Tagespass für 4,95€ zu erwerben. Ein Blick in den Sourcecode und ein deaktiviertes display:none später, konnte ich allerdings trotzdem gratis surfen. Nicht ganz sauber gebaut habe ich mir da noch gedacht.

Offensichtlich ist die schlecht gecodete Startseite wohl noch das kleinste Problem, denn leider ist das neue Bahn-WLAN ausgesprochen geschwätzig: Was das neue Bahn-Wifi über seine Nutzer ausplaudert. Und dabei ein offenes Tor für cross site scripting Angriffe. Ach ja…

Update: anders als ich es erwartet hatte, müssen zur Behebung der Sicherheitslücke nicht alle ICEs wieder in die Werkstatt zurück, sondern das Problem soll bereits behoben werden.

Bemerkenswert

J. Renée Beach und Matt King von Facebook haben heraus gefunden, dass per CSS clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px); versteckter, aber zugänglicher Text von Screenreadern ohne Leerzeichen vorgelesen wird: Beware smushed off-screen accessible text, also ohne Punkt und Komma sozusagen. Das ist natürlich unschön, kann aber mit hinzufügen von white-space: nowrap relativ schnell behoben werden.

Sehenswert

Und zum Schluss etwas weniger technisches, aber sehr visuelles: in der gotischen Pfarrkirche Saint-Eustache in Paris, hat der Künstler Miguel Chevalier eine generative and interactive virtual reality installation vorgeführt, die neben der ganze Buzzwords in diesen Eintrag nahezu unglaubliche Lichteffekte an die Decken der Kathedrale zauberte: Heavenly Vaults: Virtual Reality Ceiling Installation in a Gothic Cathedral.

Bild: Parker Byrd

Golden Girls – Kinetic (Orbital Mix)

Der heutige XKCD hat bei mir einen kleinen Stich im Herzen verursacht. Vinylist habe ich mich mal genannt und Unzug um Umzug die schwere Last gegen Umzugshelfer verteidigt. Und was ist heute: die Platten gammeln im Keller und alles kommt nur noch als MP3 vom Rechner, wenn ich überhaupt noch mal zum Mischpult oder gar zur App greife. Es ist ein Kreuz.

Dabei begleiten mich meine Scheiben schon so lange durchs Leben. Auch wenn ich mich bereits von der Hälfte der Sammlung getrennt habe—nie werde ich die Tränen in den Augen des glücklichen Nachbesitzers vergessen, als er sie abholen durfte—liegt da doch ein ziemlicher Schatz und nachgerade Teil von mir ungenutz herum.

XKCD sagt: »The 78rpm-era was closer to civil war than to today«, das mag schon sein. Die 45- und 33rpm-Ära ist allerdings noch in vollem Gange. In meinem Keller jedenfalls. Ogee’s back in the basement sozusagen. Ha! Wartet es nur ab. In diesem Sinne, let the good old times roll…

Lifjord, Staffel 1

Neben dänischen und schwedischen TV-Produktionen, mag ich natürlich auch norwegisches TV. Zumeist ein wenig rauer als die Erstgenannten, nicht nur vom Wetter her (Varg Veeum anyone), lohnt es sich immer einen norwegischen Krimi anzutesten. Lifjord – der Freispruch zum Beispiel.

Der norwegische Originaltitel ist übrigens nur »Frikjent«, also der Freispruch, in Norwegen spielt der Ort der Handlung eher eine untergeordnete Rolle. Obwohl die norwegischen Produzenten natürlich auch wissen, dass sich Bilder der heimischen Natur dem internationalen Erfolg zumindest nicht schaden. Die zunächst krimiesk angeteaserte Story, stellt sich doch ziemlich schnell als die Fortsetzung des Denver Clans mit skandinavischen Mitteln heraus. Der freigesprochene, also ehemalige Mordverdächtige Axel, inzwischen geschäftliche sehr erfolgreich in Malaysia, kehrt in seine Heimatstadt in Norwegen zurück, mutmaßlich um die dortige Solarzellenproduktion zu retten, wohl aber ehr um mit der Vergangenheit klar zu kommen. Denn, obwohl freigesprochen, scheint er selbst gar nicht zu wissen, ob er einst den Mord begangen hat, der ihm von den Dorfbewohnern auch heute noch zur Last gelegt wird.

Da geht einiges. Man versucht praktisch von Minute vier an (nach einem ausgiebigen Flug über den Fjord), zu erraten, ob nun Axel den Mord seinerzeit begangen hat oder eben jemand anders. Und mit jedem Brocken, der einem hingeworfen wird, wähnt man jemand anderes als Mörder. Und dabei ist das ganze eben eher wie eine Familiengeschichte aufgebaut, will sagen, es gibt jetzt niemanden, der konkret irgendetwas ermittelt oder so. Eine Stärke des skandinavischen Krimis finde ich ja, dass neben der Ermittlung auch immer das Leben der Ermittelnden gezeigt wird. Das ist hier im Grunde umgekehrt, denn die Ermittlung findet praktisch nur noch im Kopf des Zuschauers statt. Zusammengefasst: lohnt sich, vor allem für Skandinavienfans, dort aber richtig.

Bild: Jeff Sheldon