Nötigung

Vor dem Edeka in der schleswig-holsteinischen Vorstadt ist ein Wahlstand der FDP aufgebaut. Ein unfreundlicher Endvierziger im Großformat verteilt Handzettel. Jedes Mal wenn er jemanden der nicht schnell genug ausweichen kann einen Zettel in die Hand drückt, murmelt er was von „Wählen gehen“ und „FDP in den Bundestag“, mehr Argumentationshilfe hat ihm sein Wahlhelfertraining nicht mitgegeben. Alle machen ein großen Bogen um ihn.

Eine ältere Frau will keinen Handzettel, lehnt wirsch ab. Der FDP-Riese wirft ihr sein auf A5 gedrucktes Lindner-Portrait in den Einkaufswagen. „Das ist aber jetzt Nötigung!“, kreischt die Oma hysterisch. „Ihre Verbrecherpartei wähle ich sowieso nicht, eher schon die AfD.“ Da flippt der grimmige FDP-ler aus: „Dann werfen sie ihre Stimme ruhig weg, werden sie schon sehen was sie davon haben!“ Und so weiter. Noch weit im Edeka höre ich ihn pöbeln und fluchen, von Antidemokraten und immer wieder von Leuten die ihre Stimme wegwerfen.

Als ich aus dem Edeka komme steht der FDP-Mann unter seinem FDP-Sonnenschirm und trinkt ein wahrscheinlich liberales Bier. Erstmal runter kommen.

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