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Der Rantventskalender
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Der Schulzzug

Richtungswechsel auf engstem Raum

Herrjeh, was war das eine Party Anfang des Jahres, die der immer kleiner werdende sozialdemokratische Teil meiner Timeline da abfeierte. Der Schulzzug, Martin Schulz, der Erneuerer, gefeiert, passend zum Lutherjahr als jener, der erst der SPD und dann dem ganzen Land, die Thesen an die Haustür nageln werde, demnächst, ganz bestimmt.

Martin Schulz
Wie erkläre ich es nur den Genossen? Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

Ich lachte laut.

In der Rückschau ist Martin Schulz einfach nur der nächste spezialdemokratische Rohrkrepierer gewesen. Seine famous fifteen minutes hatte er ausschließlich weil er es kurz so aussehen ließ, als würde er die Agenda-Politik in Frage stellen, aber dann kam wohl der Anruf des Seeheimer Kreises, er zog seinen Schwanz wieder ein und die Umfrageergebnisse gingen zurück in den Keller.

„Die Aufgabe die wir haben, ist die Opposition“, hatte Schulz am Wahlabend gesagt, aber wen interessiert noch das Geschwätz von vor vier Wochen? Ja mich, aber egal! „Ergebnisoffene Gespräche“ hat Schulz seinem Parteitag abgerungen, mehr ein Versprechen als ein Auftrag, die große Koalition wird also kommen. In Ermangelung von Alternativen, Olaf „es gab beim G-20-Gipfel keine Polizeigewalt“ Scholz will nun auch keiner mehr (von wegen Scholzzug), ist die SPD offenbar gezwungen weiter auf Martin Schulz zu setzen. Mit andern Worten, vorwärts mit Gebrüll, wir laufen gegen die nächste Wand.

Auf dem Weg in die große Koalition können noch fleißig Hälse gewendet werden, das geht mithin innerhalb von 24 Stunden. Solange hat es gebraucht, bis die Vereinigten Staaten von Europa wieder vom Tisch waren. Die Bürgerversicherung, einer alten Forderung, die im Wahlkampf nicht einmal Thema war, wird es sicherlich auch nicht bis an der Verhandlungstisch schaffen. Martin Schulz ist der große Zurückzieher, er will es allen recht machen, das ist genau das richtige Futter für Mutti Merkel. Guten Appetit!

Gleichzeitig bleibt die Erneuerung der SPD mal wieder im Ansatz stecken, während großkoalitionären Zeiten dürfen einfach viel zu viele Dinge nicht gesagt oder angesprochen werden, das muss dann bis zur nächsten Bundestagswahl warten. Vielleicht ist dann noch etwas übrig von der SPD, was erneuert werden kann, aber sicher ist das keinesfalls.

Und was machen die Jubelsozis, die Anfang des Jahres so auf den Schulzzug gesetzt haben und jetzt mit ihm in die falsche Richtung unterwegs sind? Aussteigen? Nicht doch, da kommt doch schon die nächste Figur um die Ecke die man bejubeln kann: der „Lars Action Hero“ Lars Klingbeil.

Ich lache immer noch.

Nico am 12. Dezember 2017