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600.000 Gefangene

Irgendwer hat vergessen, in Second Life das Licht auszumachen

Screenshot aus Second Life
Virtuelle Realität, so sieht sie aus. Ja, oder auch nicht.

Laut The Atlantic gibt es noch rund 600.000 Leute, die heute bei Second Life aktiv sind. Von wegen die Welt ist auf Facebook, nicht die ganze Welt, denn irgendwo gibt es ein kleines virtuelles Dorf… ok, wir kennen den Rest. Ich nehme an, die finden den Ausgang nicht. So wie die Leute, die VI nutzen, weil sie nicht wissen, wie man den Editor verlässt. Das ist mal wirklich eine UI-Hölle, wenn man es geschafft hat, über eine halbe Million Menschen dort einzusperren, Verweildauer: eine Ewigkeit. Respekt.

Man muss sich natürlich ernsthaft fragen: was machen die da? Möglicherweise ist dort ja die Zeit stehen geblieben, Trump, Klimawandel, Koalitionsverhandlungen, alles kein Thema in Second Life. Nur 600.000 Leute die sich gegenseitig dabei stalken, wie sie in einer Endlosschleife gegen einen virtuellen Laternenpfahl laufen.

Natürlich Sex! Und Drogen.

Sex! Natürlich, es kann nur um Sex gehen. Eine gigantische virtuelle Sexcommunity, the internet is for porn. Und Geld ausgeben, denn das ist das andere allseits beliebte Hobby in virtuellen Welten. Shut up and take my money… naja und da antwortet natürlich schon lange keiner mehr, also werfen alle mit Geld. Erinnert sich noch jemand an die Linden Dollar? Für einen Euro bekommt man derzeit 345 Linden $, nicht gerade eine vielversprechende Geldanlage. Eigentlich. Andererseits sind virtuelle Währungen ja gerade groß in Mode, wenn man den Linden $ also branchen könnte, ich sehe große Gewinne… Und wahrscheinlich gibt es irgendwo in SL den virtuellen Nachbau des Görlitzer Parks, wo man dann sich für ein paar Linden $ seinen Schuss setzen kann.

Don’t believe the hype

Wenn man sich allerdings zurück erinnert: Gott! Was war das seinerzeit für ein fürchterlicher Hype. Und was war das dazu doch für ein fürchterlicher Scheiß. Also ganz ehrlich, wenn ich an irgendetwas in den letzten 20 Jahren gelernt habe, dass man gefälligst nicht an den Hype glauben solle, dann doch an Second Life. So viele wollten dort die Zukunft gesehen haben. Die Zukunft der virtuellen Welt. Was waren alle überzeugt. Liegt heute alles in Ruinen. Der Hype ist weitergezogen, zu Facebook, virtual und augmented reality, AI, machine learning, Chatbots, Blockchain, Bitcoin und so weiter und so weiter und so weiter. Und was einem blüht, wenn man einem solchen Hype auf den Leim geht? Richtig: lebenslang Second Life. Na dann viel Spaß.

Nico am 8. Dezember 2017