Nach der Wahl ist das Motto dieser Woche. Obwohl es alle haben kommen sehen wollte es doch keiner glauben, dass in einem deutschen Bundesland wirklich fast 44% (der Wähler*innen, nicht der Einwohner*innen) die AfD wählen würden. Auch auf dem Dorf:
In der Regel hat man hier ein eigenes Haus mit genügend Essen drin, ein Auto vor der Tür und eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Rational ist das alles nicht mehr zu greifen. Die Leute hier müssen endlich verstehen, dass Gefühle objektive Fakten nicht ersetzen können und das man überhaupt für seine Gefühle selbst verantwortlich ist. Das man ab und zu auch mal gucken muss, ob es dort überhaupt schön ist, wo die herkommen… und wie begründet die überhaupt sind.
(via digital diary)
Ganz ähnlich beschreibt es Thomas Gigold, der unsere Diskussion von hier in Kein entkommen weiterspinnt:
Denn zwischen all den strahlenden Häusern, auf den frisch geteerten Straßen mit nagelneuen Autos und zwischen den Plakaten die Dorffeste verkündeten, da hingen noch die ganzen Plakate. Die, die versprechen: „Alles ist möglich“. Die, die betonen jeder solle heizen dürfen, wie er will. Die, die verkünden man müsse Migranten ab Minute Eins abschieben. Die, die erklären, wolle die besten Schulen der Welt haben und ein Land ohne Illegale sowie einer steuerfreien Rente sein. Die, die sagen Ulrich Siegmund werde „das Land retten“ (vor wem?) und „stark machen“ (gegen wen?). Und immer wieder dazwischen verkünden in Dörfern handgeschriebene Banner von Initiativen, dass man hier keine Windräder, Industriegebiete oder Wasserstoffkraftwerke wolle.
Die Frage nach dem „Warum?“ versuchen ebenfalls viele zu ergründen, die Belltower News haben mich da am besten abgeholt: Das sind die Gründe für den Wahlerfolg der AfD, auch wenn mich das Artikelbild kotzen macht.
Der Wahlkampfslogan »Alles ist möglich« und die Rahmung des Wahlprogramms als »Vision 2026« zielten auf mehr als die bloße Mobilisierung von Anhängerinnen und Wählerinnen. An die Stelle von »Alternativlosigkeit« und oftmals technokratischer Sachpolitik trat ein populistisches Heilsversprechen: Grundsätzlich sei alles möglich – vorausgesetzt, die homogen definierte »Volksgemeinschaft« und ihre vermeintlichen Interessen würden wieder an erster Stelle gesetzt. Man müsse bei Geflüchteten, Förderprogrammen für Minderheiten und queere Menschen, bei Zivilgesellschaft, Klimaschutz und Co. kürzen. Dann wäre für »uns Deutsche« wieder genug da. Das angerufene Gemeinschaftsgefühl ist dabei stets exklusiv und mit der Ausgrenzung vermeintlich »Anderer«, und Fremder sowie der Abwertung politischer Gegner verbunden. In dieser Logik gehören alle, die nicht zum imaginierten »Wir« zählen, zu den »Volksfeinden«.
Bild: Public Domain Image Archive / Internet Archive / University of Toronto Libraries
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