Drei Männer auf einem Segelschiff sehen durch je einen Sextanten.

Leserunde

Thema: Gelinkt

Etwas naiv hatte ich gehofft, von Martenstein nichts mehr hören zu müssen, nachdem er Die Zeit endlich verlassen musste. In Wahrheit zeichnete sich sein Weg über die Springerpresse nach rechts außen ja schon ab. Inzwischen ist er schon so weit, dass er sich versucht in die ganz harte Szene zu dogwistlen, was Kultur & Kontroverse hervorragend analysiert. Der Mann ist nicht mehr zu retten, das sei allen gesagt, die meine Einschätzung damals nicht geteilt haben.


Niemand hat um KI gebeten — Der Titel gefällt mir, weil er ein, wie ich glaube, bei vielen zwar verstecktes, doch vorherrschendes Gefühl in Sprache gießt. Am Ende wird es mir mit „dem Kapital“ zu simpel, aber bis dahin stehen viele wahre Dinge in dem Text, die öfter gesagt werden müssten. (Der Text ist hinter einer, wie ich finde, sehr fairen Registrierschranke.)


Überhaupt scheinen markige Titel geeignet, mich zum Lesen von Texten zu animieren, deren Inhalt geeignet ist, mich zu verärgern. Nächste Beispiel: „‚Saufen und Rumhitlern‘: Neonazis rekrutieren für Parteien“. Was noch 2025 als neues Phänomen rechtsextremistischer Jugendkultur registriert wurde, ist nun ganz überraschend das Rekrutierungsfeld für rechtsextreme Parteien.


Wohl eher ein Insider, aber falls ihr am Wochenende richtig Langeweile habt, lest einfach die Liste von (berühmten) Fallbeispiele in der Rechtswissenschaft. Berühmt sind sie meist nicht, weil sie zum Allgemeinwissen gehören und so spannend waren, sondern eher, weil sie zum täglichen Handwerkszeug der juristischen Ausbildung gehören und jede*r entsprechend Studierte weiß, was die Trierer Weinversteigerung oder der Reichseisenbahnfeldlokomotivenfall bedeuten.


Und nun aufs Ohr: Groove empfiehlt die Mixe des Monats August.

Das beeindruckt schon deshalb, weil es trotz aller Rhythmen und Bassfrequenzen, die aufeinanderprallen, klingt wie eine lupenreine Ableton-Visitenkarte, ein hermetisch abgeriegeltes Gewächshaus ungezügelt ineinander wuchernder Vegetation bei tiefschwarzer Nacht. […] Der Exzess spielt sich hier nicht zwingend auf der Tanzfläche, sondern zuallererst im Kopf ab, abgeschnitten von der Außenwelt, immer tiefer im Morast.


Beitragsbild: Public Domain Image Archive / Internet Archive / University of Toronto Libraries.

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