Gelesen am Wochenende

  • Der UN-Sonderberichterstatter für Folter beschäftigt sich zur Zeit mit dem Fall „Julian Assange“. In einem Interview mit Republik (Schweiz) «Vor unseren Augen kreiert sich ein mörderisches System» spricht er über den Stand seiner Nachforschungen und das mit eindeutigen Worten pro Assange: die Vergewaltigungsvorwürfe seien konstruiert, die Beweise manipuliert, Assange war und ist psychologischer Folter ausgesetzt und soll nun an die USA ausgeliefert werden, wo ihm 175 Jahre Haft drohen.
  • Ach was waren das für tolle Zeiten mit dem guten alten Internet-Explorer?! Christian „der Schepp“ Schäfer zeigt uns in einem herzerweichenden Rückblick, was die Trident Engine jemals für uns getan hat: Today, the Trident Era Ends.
  • Als nächste Meisterin der chinesischen Wassertropfenfolter formally known as Sicherheitspolitik, tritt derzeit Bundesjustizministerin Lambrecht (SPD) auf, die in ihrem Entwurf für ein „Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität“, die fallweise Herausgabe von Passwörtern verpflichtend einführen will. Das natürlich nur bei Schwerstverbrechen, aber dafür müssten Passwörter ja erstmal so gespeichert werden, dass sie herausgegeben werden können. netzpolitik.org hat den IT-Sicherheitsexperten Thorsten Schröder dazu interview: Hacker interessieren sich nicht für Stopp-Schilder.
  • (Trigger-Warnung) Wer sich den Sonntag schnell noch so richtig versauen will, wendet sich dieser Dokumentation von Polizeigewalt in Frankreich zu. Wer daraus noch Wissen für das Gespräch beim Abendessen ableiten will, kann eine kurze Geschichte des Tränengases lesen.

Eil! Eil! Eil!

Nachts, null Uhr einhalb, Großbritannien tritt völlig überraschend aus der EU aus

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nachdem wir jahrelang über nichts anderes gesprochen haben, als den Brexit, ist er nun doch, scheinbar völlig überraschend und über nacht tatsächlich passiert. Na, wenn das keine Eilmeldung ist. Ladies and gentlemen, Elvis has just left the building!

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Schmähartikel und Video für Arne

Ha! Das hättest Du nicht gedacht! Von wegen ich schaffe es nicht, einen Monat durchzubloggen. Hier ist der Beweis! I‘m back on track. Es läuft wieder. Auf meine alte Tage finde ich doch noch die Zeit und die Muße, meinem alten Blog wieder Leben einzuhauchen. Das musst du erstmal hinkriegen, alte Hütte! Der neue Füller ist jetzt auch eineinhalb Jahre alt und scheint keine Blogartikel zu schreiben. Du siehst zwar aus wie der Almöhi, ich aber rappe wie derselbe. Nämlich gar nicht, ich blogge halt lieber. Weil mein Blog ist ein feines Blog, dein Blog jedoch, dein Blog ist ein Stall…

Beitragsbild von Jez Timms auf Unsplash.

10 Jahre iPad

Ein Rückblick, hurra, eine schöne Gelegenheit mal ein paar alte Uniques von mir zu verlinken.

Das ist nun auch schon wieder 10 Jahre her, dass uns Steve Jobs am 27.01.2010 das iPad präsentierte—das „one last thing“ seines Lebens—und damit quasi die medientechnischen 10er-Jahre ordentlich einleitete. Er erwischte mich damit in einer Phase meines (beruflichen) Lebens, in der ich auf Apple gar nicht sooo gut zu sprechen war. Meiner durch die erste iPhone-Generation genährte Hoffnung, freie Webtechnologie wie der Webbrowser könnte die App-Plattform der Zukunft werden, war durch die Einführung des App-Stores eineinhalb Jahre zuvor schwer enttäuscht worden. Gleichzeitig glaubten mir in meinem Umfeld viel zu viele Menschen, Steve Jobs mache mit dem iPad für die Medienbranche nun das, was er mit dem iPod für die Musikindustrie getan hatte und je nach Auslegung war das der Anfang vom Ende oder die Rettung in höchster Not, nicht weniger als die Rettung des gedruckten Wortes. Egal, alle wollten unbedingt iPad-Apps machen, den Trend nicht wieder verschlafen. Eine Phase, die der Entwicklung des Webs durchaus hätte schaden können. Und was für lustige Blüten der Hype hervorbrachte… erinnert sich noch jemand an das WeTab (liegt noch hier im Schrank, ich schwöre, kann gerne für einen guten Zweck versteigert werden)?

Ich habe mich dann damals schnell auf die webentwicklerischen Herausforderungen konzentriert und mir vor allem die Frage gestellt, wie man die verschiedenen Formate in Zukunft aus einer Quelle bedienen könnte, auch und gerade weil unsere „mobile Webseite“ ein fürchterlicher PITA war. Damals hatte ich dazu aber hauptsächlich auf fluiden und adaptiven Layouts herum, was nicht unbedingt zielführend war. Die Lösung dafür präsentierte dann noch im Mai 2010 Ethan Marcotte, mit diesem A List Apart Artikel: responsives Webdesign. Und so endete mein Jahr des iPads auch irgendwie versöhnlich.

Das iPad war und ist erfolgreich. Anders als der Mac oder das iPhone hat es allerdings nicht die Welt verändert. Obwohl es meiner Meinung nach das Potential dazu gehabt hätte. In meinem Stack ist das iPad jedenfalls nicht mehr wegzudenken, was darin resultiert, dass ich es eigentlich immer dabei habe und vor allem in den Reisezeiten und eben zu Hause als Ersatz für den Rechner (bspw. zum Bloggen) und die Zeitung (ich lesen übrigens immer noch fleissig eure RSS-Feeds) und das Fernsehen (Netflix, Amazon Prime) nutze. Manchmal mixe ich sogar damit.

Und gerade entwickle ich auch wieder an einer App mit, deren primäres Ziel nach wie vor die Rettung des gedruckten Wortes… äh das iPad (und andere Tablets) ist.

Danke, Steve.

Besuch in Auschwitz und Birkenau

Ich habe Auschwitz und Birkenau vor rund 25 Jahren als Leiter einer Jugendgruppe besucht. Vor 15 Jahren habe ich diesen Artikel darüber geschrieben, den ich hier heute zum Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz wiederhole.

Über dem Tor schwingt sich das schmiedeeiserne „Arbeit macht frei“, direkt am Eingang die grausame Manifestation faschistischen Zynismus, für uns heute liegt er auf der Hand, was aber haben die Gepeinigten damals gedacht, wenn man sie durch dieses Tor führte. Frei, das mag wie ein Versprechen geklungen haben, hinter dem Tor wartete jedoch das absolute Grauen. Besucht man das KZ Auschwitz, muss man diesen Gang gehen, und das ist nicht leicht. Viel hat man sicherlich gelesen, Filme gesehen, vielleicht in der Schule gelernt, aber just kurz vor dem Eingangstor stellt man sich eben doch die Frage „bin ich auf das ‚was gleich kommt vorbereitet?“. Man ist es nicht. Denn es kommt nichts.

Auschwitz stellt man sich als das Vernichtungslager vor, so wie wir es aus den Filmen kennen. Aber Auschwitz I selbst sieht man in Filmen eher selten. Das Hauptlager Auschwitz ist nicht so groß, wie man es sich vorstellt. Und gleicht auch eher einem Gefängnis. Keine Baracken, sondern Steinbauten, ein- und zweistöckig. Keine gigantischen Exerzierplätze, man hat sich das irgendwie anders vorgestellt.

Kofferberg
Koffer von Opfern in Auschwitz I (Foto von Jean Carlo Emer)

Die Führung hat den Charakter eines Museeumsbesuches, man sieht Gefängniszellen, leere Folterkammern, eine schwarze Wand an der wohl Erschießungen stattfanden. Natürlich ist das schockierend, aber nicht so wie ausgemalt, irgendwie ist alles so weit weg, man konsumiert die Fakten, wundert sich vielleicht beim Anblick des Wohnhauses des Kommandanten. der tatsähclich mitsamt seiner Familie mitten im Lager wohnte. Zum Ende hin dann wird es einem doch mulmig: die Berge von Koffern, Schuhen, ein Berg von Brillen, deuten an, wieviele Menschen das Lager einst betraten, aber nicht lebendig verlassen konnten.

Beendete man an dieser Stelle seinen Besuch in Auschwitz, wäre es nichts mehr als ein Besuch im Museeum des Grauens. Im Grunde viel zu erträglich, und dabei meine ich nicht eine Gier nach Sensation oder ähnliches. Beinahe fragt man sich, wie abgebrüht man ist, einen solchen Besuch ohne tieferes Entsetzen zu überstehen.

Einfahrtstor und Wachturm, Konzentrationslager Auschwitz II, Birkenau
Das Tor von Birkenau (Foto von Severinus Dewantara)

Dann setze ich mich wieder in den Bus und es geht nach Birkenau. Birkenau war ein Teillager von Auschwitz, in einigen Kilometern Abstand vom Hauptlager und Stadt. Birkenau liegt in der Einsamkeit. Der Bus hält in der Nähe des Turms, den ich aus etlichen Darstellungen zu Thema Auschwitz kannte, der Turm über dem Eingangstor durch das die berühmte Eisenbahntrasse führt. Dieser Turm ist auch unsere erste Station, ich steige hinauf und gelange in einen rundum verglasten Raum, und von hier aus kann ich beinahe das ganze Lager überblicken. Das ist der Augenblick in dem es laut Klick macht, es läuft mir kalt den Rücken herunter. Denn was ich vom Hauptturm des Vernichtungslagers Birkenau sehe offenbart mir auf einen Schlag die ganze Dimension des Holocausts. Von dieser Stelle gesehen kann ich, wie gesagt, beinahe das ganze Lager sehen. Beinahe, weil es grösser ist, als ich an diesem diesigen Tag schauen kann. Es scheint sich unendlich weit zum Horizont zu strecken, Birkenau so weit das Auge reicht. Ich sehe die Baracken, viele stehen nicht mehr, aber die Ruinen und die Anlage der Wege zeigen, dass dort einst hunderte, vielleicht tausende dieser gigantischen Holzbauten waren. Ich weiß aus den Filmen, wieviele Menschen jeweils in einer Baracke zusammengepfercht wurden, die Rechnung endet bei einer unfassbaren Zahl. Und dabei wurden die meisten gleich ermordet. Vom Turm gesehen liegt vor uns die Bahnrampe, dort, wo die Opfer ankamen und die „Selektionen“ stattfanden, die Auswahl, ob man zur Arbeit oder direkt ins Gas musste. Diese Bahnrampe reicht auch beinahe bis zum Horizont. Und obwohl es nun keine Führung mehr gibt, oder gerade deswegen, kann ich die Szenen erahnen, die sich hier abgespielt haben müssen.

Weit in der Ferne sieht man die Krematorien, oder das, von von Ihnen noch übrig ist. Davor die Gebäude, die wohl die Gaskammern beherbergten. Ich weiss das nicht genau, wie gesagt, es gibt hier keine Führung, niemand, der mich bei der Hand nimmt, ich bin meinem Wissen und meiner Phantasie ausgeliefert. Wie jeder Besucher hier. Ich laufe über dieses riesige Areal und ohne Hinweistafeln, Vortrag und Anleitung, ist das Grauen realer als je zuvor. An einem Tümpel, einst wohl eine Grube in die Asche entsorgt wurde, untersuche ich den sandigen Rand des Gewässers. Der Boden besteht aus ein Mischung von hellem Sand und klitzekleinen Knochensplittern.

Beitragsbild von Leonor Oom.

Gelesen am Wochenende

Picard

Patrick Stewart

Ich bin ein bisschen vor mir selbst erschrocken.

Ich habe mich auf die erste Folge Picard wirklich gefreut. Die Freude war so groß, dass ich sie gar nicht richtig teilen konnte, zu groß die Gefahr in Gespräche verwickelt zu werden, die auf irgendeine hinterhältige Weise mir die Vorfreude hätten vergällen können. Was an sich schon eine etwas paranoide Vorstellung ist. Aber immer, wenn irgendwo das Gespräch auf „Picard“ kam in den letzten Tagen, habe ich quasi nur genickt und mich schnellstmöglich aus der Unterhaltung entfernt. Selbstredend habe ich davon abgesehen, mir Trailer, Ausschnitte, Previews oder irgendeinen anderen Fetzen Bildmaterial vorher anzusehen, oder Artikel darüber zu lesen. Und ob dieses Verhaltens, habe ich zumindest ein wenig über mich gewundert.

Bis zu dem Moment, in dem Captain Picard und Data wieder auf der Bildfläche erschienen. Herrjeh nochmal, es ist bloss eine Fernsehserie, da kann man sich doch nicht auf einem Mal wie zu Hause fühlen, Kind-Vater-Gefühle entwickeln, warme Schauer, Schmetterlinge im Bauch und tiefste Liebe in einem empfinden, Nico, verdammt nochmal, du übertreibst!

Und doch… ich bin ein bisschen vor mir erschrocken, weil mir nicht mehr bewusst war, wie wichtig mir „The Next Generation“ einst war. Und wie alt ich geworden bin. Wie Picard eben. Man möchte mit ihm auf der Terasse seines Chateau sitzen, in die Abendsonne blinzeln und Data beim Malen beobachten, aber…

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