Lockerbie true crime

Thema: Gesehen

Das Wort „Lockerbie“ hat für Menschen meines Alters eine bestimmte Bedeutung. Der Name des schottischen Städtchens ist fest verbunden mit der Explosion und dem Absturz des PanAm Fluges 103. In der Nacht des 21. Dezembers 1988 stürzte die Boeing 747 auf das Dorf und hinterließ ein flammendes Inferno, 270 Menschen starben in dieser Nacht. Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass es sich um einen Terroranschlag handelte, erst viel später war klar, dass er von lybischen Geheimdienst ausgeführt worden war.

Die Netflix-Miniserie „Lockerbie — The Bombing of Pan Am 103“ (via) ist eine True-Crime-Aufarbeitung dieses Attentats. Die Serie wurde von BBC One produziert, das Casting ist gespickt mit Serien-Stars: Patrick J. Adams („Suits“), Connor Swindells („Sex Education“), Merrit Wever („The Walking Dead“), allerdings sind alle bis zu Unkenntlichkeit auf ausgehende 80er Jahre gestyled, was das betrifft ist die Serie höchst akurat. Aber es ist true crime, das heißt weder Dramaserie noch Dokumentation. Einige Protagonisten mit oder ohne Vorbilder echter Menschen, sind herausgegriffen und stehen stellvertretend für die damals Beteiligten. Das funktioniert für die Serie gut.

Was ich mich an dieser Serie und vielleicht an True Crime insgesamt stört, ist dieser Reenactment Vibe, den das mit sich bringt. Ich weiß gar nicht, ob es die Art der Schauspielerei ist oder weil alles so verdammt nach 80er aussieht, aber stellenweise scheint mir das von „Aktenzeichen XY“ nicht zu unterscheiden. Nur, dass es hier nicht um einen Bankraub in Wanne-Eickel geht, sondern um den heftigsten Terroranschlag, den zumindest Groß-Britannien je erlebt hat, gemessen an der Zahl der Opfer. Ich bin hin und hergerissen, denn einerseits rührt einen der allgegenwärtige Pathos zu tränen, andererseits fühle ich mich irgendwie schmutzig.


Artikelbild: CC BY 2.0

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