Das, was Jens Spahn uns in der letzten Woche vorgeführt hat, wird zu 100% als „den Spahn machen“ zum geflügelten Wort eskaliert werden, da bin ich mir sicher. Ich weiß allerdings nicht so genau, was man denn eigentlich damit bezeichnen wollte. Vielleicht eine modernisierte Version des alten und in der letzten Woche so oft zitierten „Wasser predigen — Wein saufen“?
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, aber irgendwie fehlt mir derselbe hier ernsthaft. Was hat Jens Spahn da veranstaltet? Also der Jens Spahn, der ganz auf Parteilinie, immer gegen die Leihmutterschaft war, also gegen jede Art von Leihmutterschaft, nicht nur gegen die bezahlte, der nicht einfach so mitgestimmt hat, sondern laut dagegen argumentiert hat, noch Anfang des Jahres, der stellt sich im Juli hin und sagt: ich und mein Mann, wir sind jetzt Papa. Habemus papam, ach nee! Man möcht ihm gratulieren zum Baby und dazu, der wirklich dämlichste Politiker aller Zeiten zu sein, wenn er wirklich geglaubt hat, damit durchzukommen? Und wie kommt sowas zustande? Eine ungewollte Leihmutterschaft in den USA? Tja nun… Abtreibung wäre ja nun auch nicht gegangen, das wäre die Union genauso ausgeflippt.
Und was für einen Bärendienst dieser Mann, den anderen Männerehen mit Kinderwunsch angetan hat. Unfassbar! Er, als offen schwuler Politiker, hätte in seiner Partei für die Leihmutterschaft eintreten und wichtig etwas bewegen können. Dafür kämpfen, für seinen Kinderwunsch. Frau Brosius-Gersdorf zum Beispiel, deren Karriere Jens Spahn mit auf dem Gewissen hat, ist dafür. Er hätte dafür sorgen können, dass sie am Verfassungsgericht landet. Aber nein, Jens Spahn zieht durch, vielleicht merkt es ja keiner. Mit den anderen Sachen ist er ja auch durchgekommen. Es war halt gut für die Karriere, gegen das zu sein, was er sich insgeheim am meisten wünschte. Das hat doch eindeutig pathologische Züge…
Was mich zu den anderen Skandalen des Jens Spahn führt, die man jetzt ja vielleicht auch nochmal bewerten sollte: den Villenkauf 2020, das Spendendinner, die unsägliche Maskenaffäre, die Connection zu René Benko und vielleicht am schlimmsten zu Peter Thiel? Hat diese Reihe von Vorfällen zum jetzigen Höhepunk thin geführt, weil Spahn dachte, er könne sich alles erlauben? Oder war Jens Spahn schon immer alles einfach scheissegal…
Wie auch immer, so ein gut vernetzter Mann, der wird weich fallen, da werden wir uns wahrscheinlich noch wundern. Jetzt wo er eh gerade in den USA ist, kann ja mal bei seinem Kumpel Peter vorbeischauen, dem ist ja bekanntlich auch alles egal, Hauptsache Macht. Und vielleicht kommt Jens Spahn ja auch zurück, früher als wir erwarten und dann wissen wir mit einem Male, was das eigentlich heisst, den Spahn zu machen. Hier habt ihr es zuerst gelesen.