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8 Gedanken zu “Keine Angst

  1. # Jonas B. Becker18. Juli 2026

    Der Text des Songs geht über Aufrufe zu Demonstrationen oder politischem Protest deutlich hinaus. Er enthält eine Mischung aus praktischen Tipps (die wohl nur teilweise legal sind) und gezielten, wenn auch rhetorisch verdeckten Aufrufen zu Gewaltbereitschaft und Gewaltanwendung. Besonders die vierte Strophe lässt wenig Zweifel daran, dass physische Konfrontation und Gewalt nicht nur in Kauf genommen, sondern aktiv vorbereitet werden sollen. Die bewusst vage gehaltenen Formulierungen dienen erkennbar dem Zweck, juristisch in der Grauzone zu bleiben, während die Botschaft an die Zielgruppe unmissverständlich ist.

    Durchaus verständlich, dass so etwas nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufgeführt werden soll. Oder, um im Muster der bisherigen Kommentare zu bleiben: 👎

    1. # Nico (Autor) — 18. Juli 2026

      Da bin ich durchaus anderer Meinung, aber das dürfte ja klar sein.

      Zum einen glaube ich, das alles, was dort gesungen wird, tatsächlich „von der Kunstfreiheit gedeckt ist“ und der berühmten freien Meinungsäußerung, die ja allen immer so wichtig ist. Zum anderen wird hier die Realität dargestellt: wer sich entschließt, den Kampf gegen Rechts aufzunehmen, der ist genau mit dieser Gewalt konfrontiert, von den Rechten und den Behörden. Das sind Erfahrungswerte, die weit in die 80er zurückgehen und sie anzusprechen halte ich für einen realistischen Hinweis, statt für einen Aufruf zu Gewalt. Wer sich für die zweite der beiden Optionen entscheidet, die es laut Danger Dan gibt, dem wird Gewalt und Repression begegnen. Weil sich auf der anderen Seite schon jede Menge Leute für die Gewalt entschieden haben.

      Bleibt die Frage, ob es wirklich nur zwei Optionen gibt: warten oder jetzt handeln. Das ist diskutabel, es gäbe ja noch andere Wege, bspw. könnte die Regierung, den Bundestag oder Bundesrat endlich ein Verbotsverfahren gegen die AfD beantragen. Aber das passiert ja nicht! Insofern könnte es wirklich an der Zeit sein, Entscheidungen zu fällen. Und das halte ich für die Aufgabe eines öffentlichen-rechtlichen Rundfunks, solche Diskussionen abzubilden und zu fördern, statt im vorauseilenden Gehorsam sowas zu unterdrücken.

  2. # frogger18. Juli 2026

    Dieser Song ist pure Heuchelei und zielt auf moralische Überlegenheit. Kein demokratisches, ökonomisches oder gesellschaftliches Problem wird mit dem Song adressiert. Probleme werden individualisiert, kleine Gruppen sollen sich dem Faschismus entgegenstellen und Leute denunzieren: Hey, wir sind nicht mehr in den 90er Jahren wo das noch gezogen hat, heute zucken die Nachbarn, die Chefs, die Kolleginnen und Kollegen im Zweifel mit den Schultern. Falls es noch keiner mitbekommen hat: Die F***ing afd steht bei 30% und manchen Ländern steht sie vor der absoluten Mehrheit. Wenn liberale Demokraten nicht endlich verstehen das die ökonomischen und damit kapitalistischen Verwerfungen das Problem sind, und weiter sog. Mitte-Parteien unterstützen die im Zweifel AFD Politik nachahmen, wird sich gar nichts ändern, schon gar nicht mit Aufklebern und Kneipenparties in der eigenen Bubble!

    1. # Nico (Autor) — 20. Juli 2026

      Da muss ich dir gleichzeitig zustimmen und widersprechen. Ja, der Song adressiert all diese Dinge nicht. Aber muss er das? Ich finde es ist immer sehr leicht Vorwürfe zu generieren und damit die Arbeit oder Argumente anderer Leute nieder zu machen. Der Song positioniert sich auch in keiner Weise zu Palästina oder zur Flüchtlingsfrage, geht nicht auf die Frage ein, ob wir die Mauer wieder aufbauen sollten oder ob eine Revolution oder Evolution nötig ist.

      Dabei unterstütze ich deine Analyse zu 99%, das sind die Probleme, die wir haben. Aber es ist auch ein Problem, dass wir zum Beispiel keine Partei haben, die diese Probleme adressiert, zumindest nicht, ohne sich dabei gegenseitig selbst zu zerfleischen, genau in solchen Fragestellungen, dass man Position A nicht vertreten kann ohne zu den Position B – Z Stellung zu nehmen.

      Vielleicht mag ich den Song aus einer 80er/90er-Nostalgie heraus (mehr will ich dazu nicht sagen), Kneipenparties und Aufkleber… mal davon abgesehen, dass ich das schon wahrnehmen, ob in meinem Kiez rechte oder linke Spuckies die Oberhand haben… muss man vielleicht auch eher als ersten Ansatz verstehen…

  3. # joha19. Juli 2026

    Ich weiß gar nicht, warum immer auf die Kunstfreiheit verwiesen wird. Das Lied ist ja nicht zensiert worden, zieht jetzt sogar einen Streisand-Effekt nach sich. Dass das ZDF keinen Song ausstrahlen muss, in dem Gewaltverbrechen (konkret: die Taten der Hammerbande) verherrlicht werden, ist finde ich logisch. Es kann übrigens beides wahr sein: Dass es gute Gründe für eine Ablehnung gibt, das ZDF aber Sorge hat, als zu links wahrgenommen zu werden. Für DD und IL ja Win-Win: Wäre es ausgestrahlt worden, hätte das ZDF einen Shitstorm von rechts bekommen, jetzt halt von links.
    Mal abgesehen davon stimme ich frogger über mir insofern zu, als dass der Song eine sehr naive Sichtweise des AfD-Aufstiegs bietet. Auch das ist einer der Gründe, weshalb die Progressiven in diesem Land die Partei politisch nicht einhegen können.

    1. # Nico (Autor) — 20. Juli 2026

      Ich weiß gar nicht, warum immer auf die Kunstfreiheit verwiesen wird.

      Das liegt IMHO u.a. daran, dass DD schon diesen anderen Song geschrieben hat.

      Das Lied ist ja nicht zensiert worden, zieht jetzt sogar einen Streisand-Effekt nach sich.

      Ja, das Lied ist nicht vom Staat verboten worden, also nicht zensiert im Wortsinne, aber der Eingriff der Intendanz in die redaktionellen Belange, ist ein autoritärer Akt, wie bspw. auch die Gewerkschaft ver.di kritisierte. Ich würde hier mal von zensurähnlich sprechen.

      Dass das ZDF keinen Song ausstrahlen muss, in dem Gewaltverbrechen (konkret: die Taten der Hammerbande) verherrlicht werden, ist finde ich logisch.

      Ich bin fast versucht zu sagen, wenn sie jedem rechten Dogwhistling eine Bühne bieten, müsste sie doch auch mal ein linkes durchlassen. Aber das wäre zu schelmisch, gell. Ich will mich aber auch gar nicht hinter den Text von DD stellen. Denn ich kritisiere genau das, was du schreibst:

      Wäre es ausgestrahlt worden, hätte das ZDF einen Shitstorm von rechts bekommen, jetzt halt von links.

      Und da sagen die Intendant*innen und/oder Chefredakteur*innen dieses Landes: dann doch lieber Shitstorm von links, das ist zukunftssicherer.

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