Cartoon LLM generiert: ein Mann im schwarzen Anzug und Sonnenbrille (Agent) steht auf einem SUP und paddelt auf einem See mit Enten. Am Ufer stehen anderen Agentinnen und Agenten.

„Coding ist gelöst“

Thema: Gearbeitet und Gecodet

Ich durfte jüngst einen mehrstündigen Workshop von Microsoft zum Thema „Github Copilot“ geniessen[1]. Der Workshop war im Rahmen dessen, was angekündigt war völlig in Ordnung und eigentlich eine ganz gute Gelegenheit, die sich bei uns langsam aufbauende Praxis im Umgang mit der nächsten technischen Weltrevolution, mit der Praxis draußen bei den völlig Durchgedrehten zu vergleichen. Einen Satz konnte sich der Dozent am Ende des Workshops leider nicht sparen, auch wenn ich inzwischen ganz ähnlicher Ansicht bin: „Coding ist gelöst“.

Das sollte gar nicht heißen, dass wir jetzt morgen alle unseren Job verlieren, aber viele vielleicht doch übermorgen. Vielmehr ging es darum, dass sich gerade mal wieder alles komplett ändert. Zu meinem Beruf gehört mehr als Coden, blöderweise ist das eigentlich die Tätigkeit, die mir am meisten Spaß macht. Stattdessen soll ich mir nun ausdenken, wie ich die Agenten so coden lasse, dass am Ende das herauskommt, was wir gerne hätten. Und nur zur Not einzugreifen, wenn’s denn doch nicht so wird, wie die gleisend leuchtende Zukunft verspricht.

Ein Beispiel: im Workshop wurde an einen komplett vibegecodeten Shop, ein vibegecodeter Warenkorb samt Checkout dazugedängelt. Mit einem Screenshot von irgendeinem anderen Shop und ein paar Worte, die aus professioneller Sicht über ein „nu mach mal“ nicht hinausgingen, war das in kurzer Zeit von einem Agenten umgesetzt. Und es funktionierte, man konnte an Shopitems Mengen einstellen und dem Warenkorb hinzufügen, den Warenkorb ansehen, sah alles sehr ansprechend aus und gar nicht wie auf den Screenshot, sondern passte zum zuvor gecodeten. Allerdings, beim Checkout zeigte sich, der Agent hatte mehr getan, als gefordert. Es wurden nicht nur (völlig richtig), die Preise der Inhalte des Warenkorbs zusammengerechnet, sondern netterweise auch gleich ein erfundener Rabatt von 100$ abgezogen und ein Feld für Gutscheincodes dazu gebaut. Ist doch super!

Aber noch mal einen Schritt zurück: zu meinem Beruf gehört mehr als Coden, dass dann jetzt in Zukunft die Maschine für mich machen wird. Klar kann ich der Maschine beibringen, das so zu machen, als hätte ich das gemacht und dann auch besser, steter. Und davon abgesehen, dass das Teil war, der mir am meisten Erfüllung gegeben hat bis hierhin… ich kann mich sogar mit dieser Arbeit mit Agenten anfreunden, ist ein wenig so wie früher: man hatte das tolle CSS2 und musste sich aber tausend Tricks und Kniffe ausdenken oder erlernen, um mit der feindlichsten Entwicklungsumgebung von allen, den damals noch total bescheidenen und komplett heterogenen Webbrowsern umzugehen, während sich im Monatstakt die Regeln änderten.

Nur… wenn die Maschine nun coden kann, dauert’s ja nicht mehr lang, bis sie den Rest auch gelernt hat. Und dann denken sich andere die Architektur aus, Leute, die schon heute den Ansicht sind, dass ich da viel zu viel Wert drauf lege und Zeit hinein investiere. Und das Produkte ausdenken, das diese Leute machen, das wird dann auch wieder von einer Maschine ersetzt und so weiter. Das versöhnt mich nicht, weil ich hab ja nichts vom Leid anderer Leute. Ich glaube auch gar nicht, dass es so kommt, bis dahin hat sich das Produkt längst erledigt, das muss dann auch nicht mehr entwickelt werden. Es ist dieser Gedanke, der mich traurig macht.

Offenlegung: das (Asche auf mein Haupt) LLM generierte Artikelbild entstammt einer albern ausgelassenen Mittagsrunde zum Thema „Sub-Agenten“.


  1. Für die Glücklichen, denen das nichts sagt: der Github Copilot ist eine von Github entwickelte Umgebung, mit der sich beliebige LLMs während des Programmierens nutzen lassen.↩︎

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