22. ARD und ZDF im Internet

Mir ist k√ľrzlich klar geworden, dass ich kein TV mehr schaue. Nicht mehr. Kein bisschen √úberhaupt nicht. Wir nutzen zu Hause kein lineares Fernsehen. Ich hatte ein Zattoo-Abo, das ist aber unbemerkt ausgelaufen. Ich habe viel Onlinetvrecorder genutzt, aber auch dort bin ich seit ewig nicht mehr aufgeschlagen. Wenn demn√§chst DVB-T2 eingef√ľhrt wird, besitzen wir kein Ger√§t mehr, mit dem man Fernsehen empfangen kann. 2016 war vollgestopft mit nachrichtlichen Schreckensereignissen und ich bin bei keinem auf die Idee gekommen, die Tagesschau anzusehen, oder den Brennpunkt1. Und ich bin bei solchen Dingen eher konservativ, wer meine Schallplattensammlung kennt, der wei√ü, wovon ich rede.

Man kann aber wohl festhalten: lineares TV wird noch lange Zeit eine Nischendaseinsberechtigung haben, aber grunds√§tzlich schafft es sich gerade selbst ab, auf lange Sicht. Vom Internet als Zukunft zu sprechen w√§re ein wenig, also so um rund 10 Jahre versp√§tet, es ist einfach Fakt: was eins im TV stattfand, das findet nun im Netz statt. Da ist es nur logisch, dass die √∂ffentlich-rechtlichen Sender, mit dem gleichen Auftrag wie immer2. Und da das Internet nicht lineares Fernsehen ist, ist es total schwachsinnig zu behaupten, bspw. eine Tagesschau-App d√ľrfe nur Videos zeigen und eine Homepage nur zu einem Drittel aus Text. Das ist ehrlich gesagt √§hnlich kurzsichtig, wie keine Rundfunkgeb√ľhren zahlen zu wollen3.

Wenn es auch nur ein Verleger geschafft h√§tte, eine erfolgreiche Videoplattform aufzubauen, anstatt das Feld Google aka. Youtube zu √ľberlassen, dann w√ľrde Herr D√∂pfner heute fordern, das eine Tagesschau-App allein aus Text bestehen solle. Was der Einfluss der Verleger mit den √∂ffentlich-rechtlichen Angeboten im Netz gemacht hat ist ein Trauerspiel. Und das alles nur, um die Konkurrenz aus dem Weg zu schaffen. Daf√ľr hat man sich sogar das Adjektiv presse√§hnlich ausgedacht, was nicht zum √∂ffentlich rechtlichen Auftrag geh√∂re. Und dann noch Richter gefunden, die diese Ansicht auch noch teilen. Wir leben in wirklich harten Zeiten.

Die √∂ffentlich-rechtlichen Sender sollen auch Apps und Webseiten machen. Statt es ihnen zu verbieten, sollte man es ihnen vorschreiben. Und statt Mediatheken vergesslich zu machen, sollen sie ewig zur Verf√ľgung stehen, permanent, kostenlos und zitierf√§hig. Was die Sender produzieren geh√∂rt den Geb√ľhrenzahlern, sie m√ľssen dazu Zugang erhalten. Und Nachrichten sollen sie auch machen d√ľrfen im Netz, denn Nachrichtenapps- und Webseiten sind die Zukunft des Journalismus, und freien, unbeeinflussten und unabh√§ngigen Journalismus sollen die √∂ffentlich-rechtlichen Sender garantieren. Sie werden dabei Themen behandeln, die andere nicht machen, weil sie kein Geld einbringen. Und sie werden Techniken nutzen, bspw. komplett zug√§nglich sein, die bei anderen immer zu kurz kommen und sie werden dort verl√§sslich sein, wo man anderen nicht trauen kann. Dem BDZV beispielsweise.

Bild: Jonatan Pie


  1. Den gibt es doch noch, oder?! 
  2. Neben einem Grundversorgungsauftrag und einem gesetzlich Programmauftrag ist eine der weiteren wesentlichen Aufgaben des √∂ffentlich-rechtlichen Rundfunks daher die Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Unabh√§ngigkeit. 
  3. Aber das machen ja nur Reichsb√ľrger. 

Veröffentlicht von

Nico

Nico Br√ľnjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zug√§ngliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

Ein Gedanke zu „22. ARD und ZDF im Internet“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Webmention

Um auf deiner eigenen Website auf diesen Artikel zu antworten, gib den URL deines Posts (der einen Link auf diesen Post enthalten sollte) hier ein. Deine Antwort wird dann hier (ggf. nach Moderation) angezeigt. Falls du deinen Post aktualisieren m√∂chtest oder ganz l√∂schen, √§ndere oder l√∂sche deinen Post und gib den URL hier wieder ein. Hier findest du mehr Informationen √ľber Webmention.