Roman Polanskis „Chinatown“ von 1974 ist ein Klassiker des neo noir, nicht nur, weil er Merkmale des film noir enthält: der Detektiv, die femme fatale, alle Protagonist*innen sind nicht das, was sie zunächst scheint und alle kämpfen mit Dämonen der Vergangenheit. Noch dazu spielt er in den dreißiger Jahren der letzten Jahrhunderts und reproduziert das Genre auch visuell auf das Genaueste.
Die Atmoshäre des Films ist schonungslos und pessismistisch und so ist auch der Plot: Privatdetektiv J.J. „Jake“ Gittes (Jack Nicholson) wird im Los Angeles der 1930er-Jahre engagiert, um einen vermeintlichen Ehebruch aufzudecken, gerät dabei aber in eine weit größere Affäre um Wasserrechte und Korruption. Seine Ermittlungen führen ihn zu Evelyn Mulwray (Faye Dunaway), der Witwe eines ermordeten Stadtingenieurs, und zu ihrem mächtigen Vater Noah Cross. Je tiefer Gittes gräbt, desto mehr verstrickt er sich in ein Netz aus Lügen, Machtmissbrauch und dunklen Familiengeheimnissen.
Ein Film, der als ausgesprochenes Meisterwerk gilt und wohl auch ist. Da schließe ich mit auch durchaus an: die Athmo ist einmalig, von den Originalen nur eine Farbpalette entfernt. Das Drehbuch soll eines der besten sein, die je geschrieben wurden und tatsächlich hat es eine regelrechte Sogwirkung, immer tiefer geht es hinab in die Geschichte und gleichzeitig in den Abgrund menschlichen Handelns. Am Ende gewinnt nicht nur niemand, alle verlieren.
Was bleibt ist die Frage, warum heißt der Film eigentlich Chinatown? Er spielt dort jedenfalls die meiste Zeit nicht (erst ganz am Ende). Für Gittes steht „Chinatown“ als ehemaligen LAPD-Cop für einen Ort, an dem er früher gearbeitet hat und an dem er gelernt hat: Eingreifen-Wollen richtet oft mehr Schaden an als Nichtstun, weil man die wahren Machtverhältnisse und kulturellen Codes nicht durchschaut. Es ist ein Sinnbild für Undurchsichtigkeit, für Situationen, in denen gut gemeinte Aufklärung ins Leere läuft oder sogar Unheil bringt. Der berühmte letzte Satz „Forget it, Jake, it’s Chinatown“ bringt das auf den Punkt – eine Art resigniertes Achselzucken angesichts einer Welt, in der Gerechtigkeit gegen Macht und Korruption keine Chance hat.
