Der Astronaut – Project Hail Mary

Thema: Gesehen

Die Begegnung mit Außerirdischen stellen wir uns viel zu oft als tödliche, sogar massenvernichtende Version vor: unbarmherzige Killermaschinen („Alien“, „Life“) schleichen sich virengleich in unsere verletzliche Gesellschaft ein, oder riesige Armeen greifen die Erde aus dem All an („Independec Day“, „Kampf der Welten“), denen die Welt beinahe chancenlos gegenüber steht. Oft stellt Science-Fiction dabei Probleme in der aktuellen Zeit in die Zukunft übertragen dar. „Project Hail Mary“ versucht sich erfolgreich an einer anderen Art von Begegnung mit außerirdischem Leben, positiv, kooperativ, intelligent. Eher in der Tradition von „E.T.“ oder „Enemy Mine“ und ein bisschen auch „A.L.F.“. 

Ryland Grace (Ryan Gosling), ein Mittelschullehrer für Naturwissenschaften, wird losgeschickt auf eine Reise ohne Wiederkehr zum zwölf Lichtjahre entfernten Tau Ceti. Hier soll er das Rätsel einer mysteriösen Substanz lösen, die die Sonne zum Verdunkeln bringt und die Menschheit mit der Aussterben bedroht. Mit wissenschaftlichem Scharfsinn und unorthodoxen Ideen versucht Grace, die drohende Katastrophe abzuwenden. Eine unerwartete Begegnung im All sorgt dafür, dass er die Aufgabe nicht ganz allein bewältigen muss.

Das Buch von Andy Weir liegt noch ungelesen auf meinem Noch-Ungelesen-Stapel und mir wurde dringend ans Herz gelegt, dies vor dem Film zu lesen, aber wie das so ist, die anderen Mitseherinnen wollten nicht auf mich warten. Ich weiß also nicht, wie die Buchvorlage ist, habe aber „Der Marsianer“ gelesen und kann sagen: sicherlich anders als der Film. Wobei, ich würde den Film nicht als unwissenschaftlich bezeichnen wollen, es wird schon hier und da gefachsimpelt und dann immer entlang der Realität und kein erfundenes pseudowissenschaftliches Gelaber, wie wir es beispielsweise aus Star Trek kennen. 

Aus der Wikipedia habe ich gelernt, das „Hail Mary“ ein Spielzug beim American Football ist, ein verzweifelter letzter Versuch. Was dann mal ein richtig guter Name für Ryland Graces Mission ist. Was mir die Gelegenheit gibt, meinen üblichen Rant über die deutsche Betitelung loszuwerden. Warum heißt der Film „Der Astronaut“? Weil er auf „Der Marsianer“ verweisen soll, eine Andy Weir Serie signalisieren soll. Warum nicht „Der Mittelschullehrer“? Das Buch heißt aber „Project Hail Mary“, was, siehe oben, eine hervorragende Beschreibung des Inhalts ist, also muss man es in der Untertitel packen, aber man kann es ja nicht übersetzen und so bleibt es in englisch. Also konsequenterweise müsste der Film „Der Mittelschullehrer – Projekt Heilige Maria“ heißen. Herrjeh, wie schlecht. 

Sandra Hüller, die ich eigentlich verehre, wurde hochgelobt für ihren Auftritt und das ist schon cool auf den Plakaten zu lesen „Ryan Gosling und Sandra Hüller“. Schade finde ich halt nur, dass sie eine absolut farb- und regungslose (wohlgemerkt) ostdeutsche Superwissenschaftlerin spielt und das macht sie so gut, sie ist den ganzen Film farb- und regungslos. Und die von ihr selbst nachsynchronisierten Stellen der deutschen Fassung klingen farb-, regungs- und ein bisschen lustlos. 

Trotzdem fand ich den Film hervorragend, und ich kann ohne Spoiler nicht mehr darüber sagen, solide Abendunterhaltung. „Good Luck, Have Fun, Don‘t Die“ hat mit allerdings besser gefallen.

Weitere Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Falls du auf diesen Beitrag mit einem Artikel auf deiner eigenen Webseite geantwortet hast, kannst du hier die URL deines Beitrags eingeben. Dabei sollte es sich um die Permalink-URL handeln. Deine Antwort wird dann (möglicherweise nach der Moderation) auf dieser Seite angezeigt. Falls du deine Antwort aktualisieren oder entfernen möchtest, aktualisiere oder lösche deinen Beitrag auf deiner eigenen Webseite und gib die URL des Beitrags erneut ein. (Erfahre mehr über Webmentions.)