Dieses Gerede, sorry Geschreibe, über das Bloggen als ob niemand es liest, viele es lesen, einer es liest, es in Suchmaschinen verschwindet, ranked, LLMs als Lernmaterial dient oder ob man all das eben auch sein lassen könnte… demotiviert mich gerade ein wenig. Goethe allerdings triggert mich immer.
Scribo, ergo sum ist zwar nicht der berühmte Ausspruch des René Descartes, aber er hätte es meiner Meinung nach sein müssen. Ebenso, wie ich Heinrich von Kleist die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben nachträglich in die Feder diktieren möchte. Denn das ist‘s letztlich, was ich hier anstelle und was mich antreibt. Dabei halte ich Dinge, Momente, Gedanken fest, wenn nicht für eine wie auch immer geartete Nachwelt, dann für mich. Ein alter Blogeintrag, und schon bin ich in Combray, frei nach Proust: Es macht mir einen Heidenspaß in alten Einträgen hier zu lesen, oft auch werde ich dabei sehr nachdenklich und hin und wieder weine ich auch alten Zeiten hinterher. Das wird mit dem, was ich eben jetzt hier notiere in hoffentlich zehn weiteren Jahren wieder so sein. Das wusste schon Kierkegaard: „Das Leben wird vorwärts gelebt, aber rückwärts gelesen.“
Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht auch für Leser*innen schreibe oder diese ignorieren würde. Es gibt einen kleinen Kreis von mir hochgeschätzten Gestalten, die hier ein und aus gehen, die begreife ich schon als Publikum. Und auch, wer den Weg über Socialmedia, den Ring oder Rivva zu mir findet, ist immer herzlichst willkommen. Das Publikum und sei es noch so klein, prägt meinen Stil, den Handke zu geben und es zu beschimpfen läge mir fern. Höchstens im Rantventskalender. Aber neue Leser*innen aktiv suchen, im Sinne von SEO oder überhaupt nur den Eintrag in Suchmaschinen, das mache ich schon lange nicht mehr. Das war nicht immer so, sicher. Ich habe mich auch immer als Teil einer Blogosphäre gefühlt, aber nie an ihren Auswüchsen teilgenommen, wie Konferenzen, Lesungen, Treffen, Camps, whatsoever. Letztlich habe ich es da mit Marx gehalten, also Groucho Marx: „Ich möchte keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde.“
Camus hat es mal gesagt und Ben ihn zitiert: „Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“. Insofern halte ich Bloggen für eine Sisyphosarbeit, die sowohl mir, als auch ohne Leser Spaß macht. Oder nach frei nach Luther: Nun blogge ich hier und kann nicht anders.
Ich glaube ja, wenn ich so schreibe, als ob niemand das liest, bzw. nur für mich, was ja auch in einigen Artikeln stand, dann sollte ich die Artikel wirklich nie veröffentlichen, weil die sollte dann wirklich keiner lesen. Also jedenfalls nicht, solange ich Lebe.
Eigentlich wollte ich ja aufhören mit dem Bloggen, aber jetzt bin ich doch wieder am zweifeln, verdammt!