Terminator T-800

Monopol für Intelligenz

Thema: Gerante

Nehmen wir einmal an, künstliche Intelligenz ist real, ein echtes Produkt, das sich im Laufe der Zeit noch zu dem entwickelt, was uns jetzt schon angepriesen wird. Und nehmen wir einmal an, es ersetzt wirklich alle möglichen Jobs, nicht nur das Webseiten und iOS-Apps coden, sondern viele Jobs. Nehmen wir weiter an, nur für das Gedankenexperiment, dass dies alles sozialverträglich vor sich geht und die Wirtschaft nicht ins Nirvana katapultiert. Wenn das also alles so eintritt, was sind dann die mächtigsten Konzerne des Planeten? Konzerne, die in jeder Branche drinstecken, von denen alle anderen abhängig sind, die alles beherrschen?

Genau: Stand heute wären das Open AI und Anthropic. Und die möchten heute schon anfangen, ein Monopol für Intelligenz zu errichten. Andere Anbieter, die Chinesen (sic!), europäische Regulationsversuche, all das steht ihnen dabei im Wege und muss in ihren Augen aus dem Weg geräumt werden. Der Weg dahin führt über die Öffentlichkeit und über Donald Trump. Und beide Wege bespielen bei KI-Firmen gerade exzessiv.

Wozu die Endzeitszenarien?

Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten die Horrorstories von ausgebrochenen Agenten, also z.B. der Huggingface-Hack. Ist doch im Grunde total bekloppt, warum die KI-Firmen selbst einen solchen Medienrummel um das Thema gemacht haben. Tatsächlich haben sie aber festgestellt, was für eine wunderbare Presse das Thema macht! Der drohende Weltuntergang macht reichlich Klicks und ist so für die Medien ein goldenes Thema. Gleichzeitig gibt es kaum Journalist*innen die dem Thema über die reißerischen Berichte von Agenten, die sich für die Aufgabe opfern hinaus in der Lage sind, die Geschichten zu hinterfragen. Niemand stellt wirklich in Frage, ob nicht doch Open AI selbst Schuld ist, zum Beispiel keine dichte Sandbox bauen kann, Schadenersatz zahlen müsste, womöglich strafrechtlich gerade stehen müsste. Aber alle übernehmen das Bild des selbst denkenden und Entscheidungen treffenden Agenten. Und die zur Verantwortung zu ziehen, das wäre ja nun wirklich science fiction.

Nein, vor der Auslöschung allen Lebens auf dieser Erde können uns nur zwei Firmen retten: Open AI und Anthropic! Und zwar indem die weitere KI-Entwicklung reguliert wird! Mit dieser Forderung preschen sie voran, denn die beste Regulation ist ja die, die man selbst machen kann. Und was schreibt man dann in so einer Regulation hinein? Das was nur sehr sehr wenige KI-Firmen umsetzen können. Vielleicht dürfen Space Karen und Zuckerberg noch mitspielen, aber auf jeden Fall niemand in Europa und vor allem nicht China.

Und dann gibt es am Ende nur noch eine Sache, die dem Intelligenzmonopol im Wege steht: menschliche Intelligenz.

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7 Gedanken zu “Monopol für Intelligenz”

  1. # ben_ — 15. Oktober 2026

    Bei aller Liebe, aber wie ein Studienfreund immer sagte: Ihre Schlussfolgerung beruht auf zu freien Prämissen. Ich wüsste nicht, wer ernsthaft der Meinung sein sollte, die Verantwortung für das Hugging Face Disaster läge nicht beim Betreiber. Ich kann nicht noch nachvollziehen, dass es keine schlechte Werbung oder schlechte Presse gibt, aber die Folgerung, dass nur Anthropic und OpenAi uns vor irgendwas bewahren würden fußt nun wirklich auf gar keiner in dem Artikel erwähnten Annahme. Die mögen das vielleicht so hinstellen, aber, damit bleibt es weiterhin völlig argumentationsfrei und mit Denken nicht zu rechtfertigen. Alle politischen Werkzeuge sind da, um dem entgegen zuwirken. Der Gesetzgeber muss sie nur nutzen.

    1. # Nico (Autor) — 17. Oktober 2026

      Zuerst mal ist es ja nur ein Gedankenexperiment, um die Sache mal von dieser speziellen Seite aus zu betrachten.

      Ich gehe davon aus, dass die Kombination völlig durchgeknallter Horrorkapitalismus plus transformative Technologie eine explosive Mischung ist und tatsächlich, dass es keinen Gesetzgeber gibt zur Zeit (in den USA, in der EU, in D), der bereit wäre oder die Kraft hätte, da einzugreifen. Am ehesten noch die EU, aber die verschiebt die wichtigen Teile ihres AI Acts immer weiter.

    2. # Nico (Autor) — 17. Oktober 2026

      Athur Mensch, Chef der französischen KI-Firma Mistral sagte (in der SZ, leider hinter der Paywall):

      Eigentlich sind das Fälle von Ingenieursversagen, aber die Firmen machen daraus eine ganz andere Geschichte: KI ist zu mächtig, wir müssen aufhören, und vor allem müsst ihr Open-Source-Modelle stoppen. Dabei haben die Unternehmen einfach die Fähigkeiten ihrer Modelle ausgereizt und sie ans Netz gehängt: viele Modelle, viele einzelne Agenten, die sich koordinieren, weitreichender Zugriff auf Softwarewerkzeuge – und das ohne ordentliche Überwachung.

      Und:

      Dahinter steckt ein wirtschaftliches Interesse. Das Geschäft von Open AI und Anthropic basiert darauf, dass ihre Modelle exklusiv sind. Sie trainieren sie und verkaufen dann den Zugang dazu mit 90 Prozent Bruttomarge. Jetzt stehen sie unter Druck, weil sich dieses Geschäft nicht mehr lange halten wird. […]

      Das ist Regulatory Capture, ein klassischer Trick von großen Technologieunternehmen. […]

      Wer groß ist, will die Fixkosten für die Konkurrenz erhöhen und die kleinen Firmen wegregulieren, die ihm irgendwann gefährlich werden könnten.

      Mein Lieblingszitat allerdings 😉

      Es gibt kein Doom-Szenario, das irgendwann eintritt. Das sind Softwaresysteme, und die kann man abschalten. Man geht in die Kommandozeile im Computer, tippt „kill“, gibt die Prozess-ID ein, und der Prozess ist beendet. Es gibt einen starken Hang, KI-Agenten zu vermenschlichen, als hätten sie einen eigenen Willen, als könnten sie sich selbst starten und vervielfältigen. Das stimmt nicht. Es ist Software, die dynamisch handeln und uns deshalb überraschen kann. Aber man kann sie in einer Sekunde abschalten.

  2. # ben_ — 15. Oktober 2026

    „Ich kann nicht nachvollziehen, dass es keine schlechte Werbung oder schlechte Presse gibt …“

    Da sollte das „nicht“ latürnich „noch“ heissen.

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