Felix schreibt über „Scheindringlichkeit“ und mir ist sofort der Scheinriese Herr Tur Tur aus Jim Knopf eingefallen. Herr Tur Tur ist ein sogenannter Scheinriese: je weiter man sich von ihm entfernt, desto größer scheint er. Nur wer sich ganz nah an ihn heranwagt, erkennt, dass er genauso groß ist wie jeder normale Mensch.
(Wikipedia) Geht es passender?
kann man dringlichkeit ignorieren? ich glaube schon, allein deshalb, weil sich die hälfte aller anliegen von alleine erledigt.
Wie gerne würde ich dem zustimmen. In meiner (Arbeits-) Welt stimmt das so leider nicht. In einer Umgebung, in der alles dringlich ist, bedarf es einigen Aufwands, seine Sache so dringlich wie möglich erscheinen zu lassen, jedenfalls dringlicher als die nächstbeste Dringlichkeit, die in Konkurrenz treten könnte. Wahrscheinlich ist ein Großteil des höchstdringlichen Dingenskrichens, das man so im Berufsleben tut, seinen Themen eine gewissen Dringlichkeit mitzugeben. Das führt zu einer unendlichen Reihe Scheinriesen: aus der Ferne sehen sie alle groß und überwältigend aus, Meetings, Townhalls, All-hands-on-deck, verlieren aber beim näher kommen immer mehr an Substanz und am Ende sagt jemand: „Dieses Meeting hätte eine E-Mail sein können“, oder eine Slack-Nachricht. Nur leider erledigen sie sich nicht von alleine. Ignoranz führt meiner Erfahrung nach, dazu, dass aus Scheinriesen Zombies werden. Wiedergänger, die solange im Kalender herumschlurfen, bis endlich alle die Dringlichkeit der Sache zur Kenntnis genommen haben. Ignoranz führt nur zu Folgemeetings, Redebedarf und eh man es sich versieht, hat man einen Jour Fixe am Hals.
Foto von Jaime Lopes gemeinfreiähnlich bei Unsplash.