Schneller sein und länger bleiben

Die Washington Post ist dabei ihre so called mobile experience auf eine progressive webapp umzustellen und wird dadurch lightning fast, wie sie selbst schreiben. Und ja, die Website wird dadurch tatsächlich sehr schnell.

Einer der ersten Nutzerkommentare dazu lautet jedoch:

I never recognized a problem with loading speed. What I do recognize is my vision going blurry after looking at it for about 10 minutes or more. That absolutely deters me from reading articles on it.

Vielleicht eine sehr subjektive Aussage, eine Mindermeinung, ist mir gar nicht so aufgefallen. Trotzdem sehr überraschend in dem Zusammenhang.

Und das deckt sich irgendwie mit meiner Erfahrung. Na klar, schnellere Webseiten klicken besser, wissen wir alle, die Absprungsraten nach zwei Sekunden sind astronomisch und so weiter und so fort. Die Websitenutzer entscheiden solche Dinge aber ausschließlich mit den Füßen, will sagen: durch wegbleiben. Das ist die eine Kohorte der Nutzer. Die schnell da, schnell wieder weg Nutzer. Man will ja nicht wie ein Werbefritze klingen, aber: die schnellen User haben (noch) keine Beziehung zur Website. Sie müssen erst konvergiert werden. Und hier ist Schnelligkeit nur ein Punkt, im Grunde erstmal nur jener, der die Auswahl möglichst groß macht.

Was dann aber folgt, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Irgendwo zwischen Geschwindigkeitsrausch und Werbeverschreckung muss Platz bleiben, den Nutzer vom schnellen Vorbeisurfer zu einem regelmäßigen Nutzer zu machen. Dafür ist natürlich vor allem der Inhalt einer Website verantwortlich, dass der Nutzer also das findet, was er sucht. Aber auch hier haben wir als Webentwickler es in der Hand, an den Reglern zu drehen: Lesbarkeit, Struktur, Informationsarchitektur, Funktionalität bei hoher Zugänglichkeit, es gibt so viele Dinge, die man ausser Geschwindigkeit und minimalistischem Design richtig machen kann und muss. Bitte nicht vergessen: there is more to web than speed.

Foto: Steven Wei

Morgenlese I

Die vier folgenden Links, das ist mir erst aufgefallen, als ich sie in nebeneinanderlegenden Tabs durchcycelte, verbindet, neben dem Höchstmaß an interessantem Lese- und Staunegenuss, ein offensichtlicher Trend in Sachen Webdesign. Vielleicht schaut ihr einfach selbst.

  • The 100% correct way to validate email addresses in der Diesmal-aber-wirklich-Edition, zeigt tatsächlich und wissenschaftlich fundiert, den einzigen richtigen Ansatz bei der Validierung von Email-Adressen.
  • In Dark Scrum (bibber) lesen wir einmal mehr über die Horrorvision einer verfehlten Scrumeinführung, aber auch wie man es besser machen kann. So schlimm, wie es dort beschrieben ist, ist es aber hoffentlich nirgendwo… ja, oder doch?
  • Zur Frage warum die Schlangen vor den Apple Stores immer kürzer werden handelt Why We’re No Longer Desperate for the New iPhone, kurz gesagt: es ist genauso, wie man sich das schon vorstellen kann, wir hängen länger an unseren Smartphones (und Laptops) und die halten auch irgendwie länger und die neuen sind nicht so unglaublich viel besser…
  • Am Schluss der Designtipp: Jason Kottkes kottke.org begleitet meine Blogginghistorie seit Anfang an, ist aber gerade mit einem neuen Design an den Start gegangen. Bunt.

Social Media Crackhead

Heute habe ich gelernt: Facebook ist legales Crack. Naja. Crack hätte ich mir irgendwie spannender vorgestellt. Aber, dass muss man sagen: es hat mich schon immer sehr beschäftigt dieses Facebook und ich war dabei mal draussen und mal drinnen. Im Moment bin ich gerade drinnen und es nervt mich gewaltig. Ich will nicht wieder die Geschichte vom Frosch im heissen Wasser hervorholen, tue es aber natürlich trotzdem.

Foto von Veeterzy.

Back to the roots

Das Couchblog ist zurück, oder Opa erzählt vom Kriech.

Ich komme in das—auch unter Berücksichtigung meiner gerade erst vor eineinhalb Monaten beendeten postaduleszenten Phase—Alter, wo man(n) beginnt sich seiner Wurzeln zu erinnern. Statt nun Rob Gordon gemäß meine verflossenen Top-Five-Freundinnen nochmal abzuklappern, hat es mich vor ein paar Wochen in das zum Egosurfing Internetarchiv) verschlagen. Irgendwie wurde mir klar, wieviel Daten ich in den Jahren da schon hineingekippt habe, und es bestimmt lustig wäre, diese zu heben. Das war jetzt erstmal gar nicht so leicht getan, bis ich wayback-machine-downloader gefunden habe. Und der förderte nun wieder eine Menge Daten an die Oberfläche, tatsächlich mehr, als ich gedacht hätte. Ich habe dann darauf so lange herumgerödelt bis ich einen Satz einigermaßen funktionierender WordPress-Import-Feeds zusammen hatte. Diese habe ich zusammen mit dem alten in der Gegend herum oxidierenden Codecandies und dem Blogteil von nicobruenjes.de in eine WordPressmultiinstanz zusammen gekippt, und here it is

Zusammengemerged bedeutet das:

  1. Couchblog ist wieder zurück und wird ab sofort auch hier bebloggt…
  2. meine alten Couchblog-Projekte sind ebenfalls wieder verfügbar, also das alte Original-Couchblog (2002 bis 2004, Movable Type) und Webpropaganda (2004 bis 2007, Textpattern)
  3. das komplette Codecandies-Archiv findet sich nun auch unter dieser Adresse (2007 bis 2013, WordPress)
  4. der Weblogteil von nicobruenjes.de ist nun hier unter couchblog.de/nico verfügbar.

Und das alles ist nur der Anfang. Warum ich das tue? Weil ich es kann. 🙂 Ich hätte allerdings gerne noch mehr getan (und ich habe auch noch ein paar Daten in petto), aber ganz in meine Bloganfangstage direkt nach 9/11 werde ich nicht zurückkommen, anders als Benjamin, den ich zu seiner Gradlinigkeit nur beglückwüschen kann.

Foto von Mr. Cup