Salt City Orchestra – The Book

Eine Geschichte von Unbedingt-Haben-Wollen. Als ich seinerzeit in der Plattenbranche anfing, als Stellvertreter des Kalifen sozusagen, hatte der Kalif beschlossen diese Scheibe nur sich und seinen Freunden zugänglich zu machen. Harte Zeiten waren das. Als ich dann selber Kalif war die Abteilung übernahm, fand ich einige Exemplare der Paper 001 im stillen Kämmerlein… ach schöne Zeiten waren das.

Salt City Orchestra begleiten mich seitdem durchs Leben und gehör(t)en in beinahe jedes House-Set, auch wenn ich dem Kalifen damit irgendwie etwas die Erkennungsmelodie geklaut habe. was mir an dem Track so gefällt ist die totale Deepness, gefolgt von einer Phase des Ausbremsens, wo man auf der Tanzfläche beinahe verrückt werden kann, bis es dann fast anthemmäßig ins „I write the book“-Sample geht. Sehr abwechslungsreich, kann man nicht lange laufen lassen, aber heizt tanzfaules Publikum auf jeden Fall an.

Wurde leider 2007 repressed.

Virtual Reality Conference

Die »2nd Virtual Reality Conference For Journalism & Documentary« schlägt die Brücke zwischen virtueller Realität und Journalismus. Zusammenkommen sollen VR Enthusiasten, Journalisten, Hersteller interaktiver Dokumentationen, early technology adopter und andere Erzähler von non-fiction Inhalten, um sich einen Tag über die Zukunft des storytelling in der virtuellen Realität auszutauschen.

Es werden aktuelle VR Projekte vorgestellt und Erfahrungen zur Entwicklung von VR Projekten und dem Storyaufbau innerhalb solcher Projekte geteilt. Am Abend gibt es einige Hands-On-Sessions, bei denen es laufende Implementationen zu sehen gibt.

Die VR Conference findet am 23. September 2016, von 10.00 bis 17.00 Uhr im silent green Kulturquartier in Berlin statt.

Morgenlese III

Fay Wray

Die wenigsten können heutzutage noch etwas mit dem Namen Fay Wray anfangen, denn die am 15.09.1907 geborene Schauspielerin hatte ihre große Zeit zwischen 1930 und 1960. Sie trat zunächst u.a. neben Gary Cooper  in Stummfilmen und frühen Tonfilmen auf, machte dann aber als sogenannte scream queen in nur mangelhaft kultigen Horrorstreifen der RKO Studios Karriere. Vielleicht kennt man noch „King Kong und die weiße Frau“, zumindest vom Hörensagen, Fay Wray ist die weiße Frau.

Als Kind der Achtziger habe ich solcherlei Filme tatsächlich noch im normalen TV-Programm auf meinem kleinen SW-Fernseher gesehen, im Nachtprogramm der Öffies. Den Namen Fay Wray kannte man allerdings vorrangig aus dem Eröffnungssong der Rocky Horror Picture Show, in dem auch etliche ihrer Filmtitel zitiert werden.

Heute würde Fay Wray 109 Jahre alt, leider ist sie 2004 gestorben, kurz vor einem Comebackauftritt in Peter Jacksons King Kong Remake. Gut, dass ihr das erspart blieb.

Das ist Netzpolitik

Am 07.10.2016 heisst es zum nunmehr dritten Mal »Das ist Netzpolitik«, die Konferenz von netzpolitik.org.

Als Speaker wurde das who-is-who der Netzpolitikszene verpflichtet, ich bin besonders gespannt auf: @neleheise, @jerezim und natürlich Julia Reda.

Und im Anschluss gibt’s dann auch noch eine Party zum 12. Geburtstag von netzpolitik.org, alles in der Kulturbrauerei in Berlin. Tickets gibt’s hier.

Bild: CC BY-NC-SA 3.0/netzpolitik.org

Nachmittagslese II

Im sogenannten Nachklapp der AdBlockPlus wird jetzt Werbevermarkter Geschichte…

But it turns out that Google and AppNexus never agreed to any sort of partnership with Adblock Plus.

Business Insider: Google and AppNexus: We’re not involved with the surprise Adblock Plus plan to sell ads

Schon früh hatten wir den Verdacht geäussert, dass Adblock Plus als langfristiges Ziel die lukrative Vermarktung eigener Werbeanzeigen im Blick hat und hierzu radikal die exklusiven Rechte im Browser des Benutzers ausnutzen wird. Das Addon darf – ausgestattet mit den entsprechenden Befugnissen und weitestgehend unbemerkt von einem durchschnittlichen Anwender – im Prinzip „alles“.

Mobilegeeks: Adblock Plus verkauft nun Werbebanner – Hahahahahahaha

Bild: CC BY SA

Terrorgefahr in der Karpfenstadt?

Da kann ein kleines Städtchen wie die sogenannte Karpfenstadt Reinfeld schon mal in Aufruhr geraten, wenn am frühen Morgen eine großangelegte Razzia in ihrem Flüchtlingsheim läuft. Oder eben auch nicht. Reinfelds Bürgermeister zeigt sich in den Lübecker Nachrichten verstört:

„Natürlich sind wir verschreckt, dass so etwas in unserem Ort passiert“, sagte Heiko Gerstmann (SPD). Bisher sei nur Positives über die Asylbewerber zu berichten gewesen.

Bisher sei nur Positives zu berichten gewesen. Die Festgenommenen in Ahrensburg und Großhansdorf sollen ebenfalls als Vorzeigeflüchtlinge bekannt gewesen sein. Und nochmal eine Stimme aus der Karpfenstadt:

„Ich kann es kaum glauben“, sagt Albrecht Werner (69) von der Reinfelder „Initiative Asyl“. Er habe Jaser „eigentlich ganz gut“ gekannt. „Wir haben viel miteinander gesprochen, auch über Politik. Für eine Verbindung zum IS gab es nicht den kleinsten Hinweis.“

Schreiben die Lübecker Nachrichten. Natürlich nicht ohne sich zu entblöden, dies unter der Zitatüberschrift „Der Terror ist fast vor der Haustür“ zu tun. Womit man gleichzeitig Panik machen und sich vom eigenen Titel distanzieren kann.

Terrorangst in spätsommerlichen Kleinstadtidyllen

Ein paar Wochen nach den Gewalttaten in Bayern und Baden-Württemberg hat die Terrorangst in spätsommerlichen Kleinstadtidyllen hautnah auch den hohen Norden erreicht.

Lese ich bei ZEIT Hamburg, zumindest Quelle aber auch hier: die Lübecker Nachrichten aka lno[nline]. Wobei mir rätselhaft bleibt, wie man die Festnahmen und Einleitung von Ermittlungsverfahren mit „Gewalttaten in Bayern und Baden-Württemberg“ derart in Beziehung setzen kann. Panikmache mithin, was sich an anderer Stelle noch potenziert. Schreie im Morgengrauen – SH nach Razzien unter Schock! Für die Saarbrücker Zeitung ist gleich der Bundesinnenminister selbst auf Terroristenjagd gegangen: »De Maizière jagt die IS-Schläfer in der Provinz«. Und natürlich: Innenminister Herrmann kritisiert Flüchtlingspolitik. Die politischen Fledderer sind auch schon da.

Verschwörungstheoretiker, ich

Man kommt sich vor wie ein Verschwörungstheoretiker, wenn man an dieser Stelle anmerkt: es ist noch nichts größeres passiert. Es wurden Menschen festgenommen und Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie in 63 anderen Fällen:

Eingeleitete Ermittlungsverfahren bedeuten aber noch keine Verurteilung. Oder dass es Beweise gibt. Und so ist es auch hier: angeblich gingen monatelange Ermittlungen gegen die drei Syrer der Aktion voraus. Man hat aber praktisch nichts in der Hand, was man öffentlich sagen möchte. Die gleiche Schlepperorganisation wie die Paris-Attentäter, wer weiss das schon, haben vielleicht viele Syrer genutzt? Anschlagspläne gab es jedenfalls keine. Es ist ein verdammter Eiertanz zwischen Law-And-Order-Habitus und Panikverhinderung. Teile der Bevölkerung und so.

Und auf welche Hinweise stützt man sich? Wie das BMI selbst schreibt, ist nur an einem von sieben Hinweisen überhaupt etwas dran, dass Verfahren eingeleitet werden. Und statt die ich nehme mal an lückenlos Überwachten durch schnellen Zugriff festzunehmen, ist man lieber mit einer 200-Mann-Armee losgezogen und bspw. in Reinfeld erst mal alle Bewohner festgesetzt:

Alle zehn Bewohner, alles junge Männer aus Syrien und dem Irak, wurden in ihren Zimmern im Schlaf überrascht und offenbar mit Kabelbindern gefesselt.

Mag sein, dass all das Teile der Bevölkerung verunsichert. Mag sein, dass das genau das ist, was man haben will. Wer weiss das schon? Und dann muss man ja wirklich vor allem und jedem Angst haben:

Was ist wahr und was ist nicht wahr, was ist Wirklichkeit und was ist nicht Wirklichkeit? (Michael Sarach, Bürgermeister von Ahrensburg, SPD)

Bild: CC Lizenz

Schneller sein und länger bleiben

Die Washington Post ist dabei ihre so called mobile experience auf eine progressive webapp umzustellen und wird dadurch lightning fast, wie sie selbst schreiben. Und ja, die Website wird dadurch tatsächlich sehr schnell.

Einer der ersten Nutzerkommentare dazu lautet jedoch:

I never recognized a problem with loading speed. What I do recognize is my vision going blurry after looking at it for about 10 minutes or more. That absolutely deters me from reading articles on it.

Vielleicht eine sehr subjektive Aussage, eine Mindermeinung, ist mir gar nicht so aufgefallen. Trotzdem sehr überraschend in dem Zusammenhang.

Und das deckt sich irgendwie mit meiner Erfahrung. Na klar, schnellere Webseiten klicken besser, wissen wir alle, die Absprungsraten nach zwei Sekunden sind astronomisch und so weiter und so fort. Die Websitenutzer entscheiden solche Dinge aber ausschließlich mit den Füßen, will sagen: durch wegbleiben. Das ist die eine Kohorte der Nutzer. Die schnell da, schnell wieder weg Nutzer. Man will ja nicht wie ein Werbefritze klingen, aber: die schnellen User haben (noch) keine Beziehung zur Website. Sie müssen erst konvergiert werden. Und hier ist Schnelligkeit nur ein Punkt, im Grunde erstmal nur jener, der die Auswahl möglichst groß macht.

Was dann aber folgt, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Irgendwo zwischen Geschwindigkeitsrausch und Werbeverschreckung muss Platz bleiben, den Nutzer vom schnellen Vorbeisurfer zu einem regelmäßigen Nutzer zu machen. Dafür ist natürlich vor allem der Inhalt einer Website verantwortlich, dass der Nutzer also das findet, was er sucht. Aber auch hier haben wir als Webentwickler es in der Hand, an den Reglern zu drehen: Lesbarkeit, Struktur, Informationsarchitektur, Funktionalität bei hoher Zugänglichkeit, es gibt so viele Dinge, die man ausser Geschwindigkeit und minimalistischem Design richtig machen kann und muss. Bitte nicht vergessen: there is more to web than speed.

Foto: Steven Wei

Morgenlese I

Die vier folgenden Links, das ist mir erst aufgefallen, als ich sie in nebeneinanderlegenden Tabs durchcycelte, verbindet, neben dem Höchstmaß an interessantem Lese- und Staunegenuss, ein offensichtlicher Trend in Sachen Webdesign. Vielleicht schaut ihr einfach selbst.

  • The 100% correct way to validate email addresses in der Diesmal-aber-wirklich-Edition, zeigt tatsächlich und wissenschaftlich fundiert, den einzigen richtigen Ansatz bei der Validierung von Email-Adressen.
  • In Dark Scrum (bibber) lesen wir einmal mehr über die Horrorvision einer verfehlten Scrumeinführung, aber auch wie man es besser machen kann. So schlimm, wie es dort beschrieben ist, ist es aber hoffentlich nirgendwo… ja, oder doch?
  • Zur Frage warum die Schlangen vor den Apple Stores immer kürzer werden handelt Why We’re No Longer Desperate for the New iPhone, kurz gesagt: es ist genauso, wie man sich das schon vorstellen kann, wir hängen länger an unseren Smartphones (und Laptops) und die halten auch irgendwie länger und die neuen sind nicht so unglaublich viel besser…
  • Am Schluss der Designtipp: Jason Kottkes kottke.org begleitet meine Blogginghistorie seit Anfang an, ist aber gerade mit einem neuen Design an den Start gegangen. Bunt.