
Der Exorzist (1973)
Mit „Der Exorzist“ steigen wir auf unserer Liste in das Thema Horrorfilm ein. Regisseur William Friedkin hingegen ist uns schon ein alter Bekannter, da er vor dem Exorzisten mit „The French Connection“ oskarprämiertes New-Hollywood-Kino ablieferte. Connection war auch an den Kinokassen ein großer Erfolg, aber „Der Exorzist“ übertraf diesen Erfolg noch bei weitem.
Es ist wohl ein Symptom für unsere wirre Zeit, daß die Leute in ‚The Exorcist‘ gerannt sind, um sich Angst machen zu lassen, weil sie schreien wollten, verschreckt und angeekelt wieder herauskommen, aber irgendwie doch stolz darauf, daß sie es ausgehalten haben.
Erzählt wird die Geschichte der zwölfjährigen Regan MacNeil, die plötzlich ein immer verstörenderes Verhalten zeigt und psychisch stark auffällig ist. Ihre Mutter Chris lässt zahlreiche medizinische und psychologische Untersuchungen durchführen, doch keine kann Regans Zustand erklären. Als Regan zunehmend gewalttätig wird und scheinbar übernatürliche Kräfte zeigt, vermutet man schließlich eine dämonische Besessenheit. In ihrer Verzweiflung wendet sich Chris an zwei katholische Priester, die einen gefährlichen Exorzismus durchführen. Während des intensiven Rituals kämpfen sie nicht nur gegen den Dämon, sondern auch gegen ihre eigenen Ängste und Glaubenszweifel, was schließlich in einem dramatischen und opferreichen Finale endet.
Entgegen meiner eigenen Annahme, hatte ich „Der Exorzist“ tatsächlich noch nie gesehen. Ich kannte zwar einige Ausschnitte, aber nicht den ganzen Film, die einschlägigen Szenen wurden aber ja auch weitläufig zitiert. 1973, als der Film in die Kinos kam, waren Horrorfilme als Massenphänomen wohl noch neu, jedenfalls fielen die Leute reihenweise um oder verließen empört das Kino. Das Thema Katholizismus triggerte wahrscheinlich damals auch noch mehr Menschen. Wie auch immer, von den speziellen Szenen einmal abgesehen: was ist das für ein Sch… Film?
Da ist zunächst der schon scheintote Priester (Max von Sydow), der scheinbar nur noch von seinem Nitroglycerin-Pillen am Leben gehalten wird, aber durch den Irak kraxelt wie Indiana Jones. Wir finden nie heraus, warum eigentlich. Dann ist da der Jüngere (Jason Miller), aber nicht mehr junge Priester, der von seiner Kirche zwar eine hervorragende Ausbildung in Psychologie bekommt und an einer Universität als psychatrischer Berater arbeitet, dafür scheint er aber keinen Lohn zu bekommen und muss seine Mutter in einem verwahrlosten New Yorker Mietshaus am Hungertuch nagen und sterben lassen. Wir finden nie heraus, warum eigentlich. Und dann ist da die zwölfjährige Regan (Linda Blair), die urplötzlich erst hyperaktives Verhalten, dann tourette-artiges Kommunikationsgebaren und letztlich eine deutliche Besessenheit zeigt. Wir finden nie heraus, warum eigentlich. Alle drei treffen sich am Ende in Regans Zimmer zu einer Art kirchlichem Ritual, dem Exorzismus, die Priester beißen ins Gras, Regan wird wieder gesund, Problem gelöst, Ende. Wir finden nie heraus, warum eigentlich.
Alter! Jetzt will ich in Horrormovies nicht nach Sinn und Verstand suchen, sondern eher diskutieren, ob sich Zombies nun schnell oder langsam fortbewegen, aber es ist ja nicht nur die Story so eklatant schlecht zusammengeschrieben (vom Autor der Vorlage daselbst wohlgemerkt), dafür gab es auch noch den Oskar für „das beste Drehbuch“. Das lässt bei mir wirklich Fragezeichen zurück. Verdient hingegen scheint mir der Oskar für den besten Ton, denn das ist tatsächlich die Stärke des Films, trotz des dauernden Mike Oldfield Gedudels. Vielleicht ist es auch falsch, den Film aus der zeitlichen Entfernung so hart zu bewerten, aber er hat mir weder Angst eingejagt, noch fand ich ihn irgendwie lustig, was bei mir oft die Reaktion auf veraltete Horror- und Splatterszenen ist. Ganz eindeutig: nicht mein Film.
2 Kommentare
Christian Buggisch
Nico 😎