Sehr geehrter Herr Bundeskanzler

Thema:

Eine Position zum Iran zu haben, ist keine einfache Sache. Seit einer gefühlten Ewigkeit herrschen dort die Mullahs in einer fürchterlichen Diktatur, immer wieder haben wir uns gewünscht, das Regime möge untergehen und die tausenden Opfer der Vergangenheit nicht umsonst gewesen sein. Iran ist ein Schurkenstaat im Sinne derjenigen, die dieses Wort in die Welt gesetzt haben. Wer will sich da schon hinter den Iran stellen? Sie sicher nicht.

Zugegeben, es macht im Moment keinen guten Eindruck, sich aufzuschwingen und gegen Donald Trumps USA und Netanjahus Israel Position zu beziehen. Obwohl auch dieser Krieg wieder völkerrechtswidrig ist. Er ist ein Sargnagel für das Völkerrecht, was sich schon darin zeigt, dass man, klagte man seine Völkerrechtswidrigkeit an, in der schlechten Gesellschaft Vladimir Putins wiederfände. Gegen dessen Ukraine-Krieg werden sie aber kaum noch etwas sagen können, solange sie den Iran-Krieg befürworten.

Sie könnten natürlich auch ein wenig egoistisch handeln, denn die Auswirkungen, wenn das Pulverfass mittlerer Osten nun endgültig hochgeht, die werden wir Europäer:innen doch weit mehr zu spüren bekommen, als die USA. Ihre Wählerstimmen wird es am Ende kosten, wenn der Ölpreis steigt und steigt und steigt, wo sie doch gerade allen eine grüne Ölheizung versprochen haben. Ihre Partei wird es zerreißen, wenn sich der nächste Flüchtlingsstrom auf den Weg nach Europa macht und sie dann sagen müssen „Wir schaffen das nicht!“, wenn sie den Schießbefehl an der Grenze abnicken, auch gegen Frauen und Kinder. Aber Egoist sind sie natürlich nicht.

Sie könnten sich stattdessen Gedanken machen über dieses feine Volk der, meinetwegen nennen wir sie wieder Perser:innen, vielleicht kennen sie ja sogar welche? Ich schon und ich sagen ihnen, wohl wissend, dass dies nur anekdotische Evidenz ist, das dies die freundlichsten und gastfreundlichsten Menschen sind, die die Welt kennt, direkt nach ihren Nachbarn, den Afghanen und wahrscheinlich allen Menschen, die Farsi sprechen. Diese Menschen müssen jetzt ausbaden, dass ihr Land ins Chaos gestürzt wird, von Leuten, die sich entweder einen Dreck darum kümmern oder intellektuell nicht fähig sind darüber nachzudenken, was morgen ist, was nach dem Krieg ist, wie das Land in zwei Jahren, in zehn Jahren aussieht. Und die nichts gelernt haben, aus Irak 2003. Aber daran denken sie nicht.

Sie denken daran, wie sie dastehen bei Donald Trump. Und wahrscheinlich denken sie, nun, da wir endlich zur Koalition der Willigen gehören, dass sie Einfluss und Macht dadurch gewinnen. Aber das Gegenteil ist der Fall: sie stehen da als der kleine Zwerg, der sie trotz ihrer Körpergröße nun mal sind. Ich mochte sie noch nie, aber inzwischen ekeln sie mich nur noch an.

Hochachtungslos,
Nico

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