Sie haben: kein Corona!

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Ich war die letzte Woche krank. Also nicht so, dass es mir nicht gut ging und ich ein zwei Tage zu Hause bleiben musste, sondern krank krank. Mit zunächst erhöhter Temperatur und Schwindel, so schlimm, dass ich aufhören musste zu arbeiten. Dann kamen Fieber und ein beinahe unerträgliches Schwächegefühl, dass einem jedes Aufstehen aus dem Bett verleidete. Wer bis hierhin nicht gedacht hat: Nico du hast Corona, der hat die letzten beiden Jahre unter einem Stein verbracht. Und ich dachte das natürlich auch.

Aber, ich habe es oft beschrieben: eigentlich kann ich mich gar nicht mit Sars-Cov-2 anstecken, weil ich seit zwei Jahren eremitisch lebe plus Maskenschutz. Darauf komme ich später nochmal zurück, in Wahrheit dachte ich aber: „OK, wenn ich jetzt Corona habe, dann haben wir mit der neuen Variante dem neuen Subtyp der Omikron-Variante aber ein echtes Problem, denn dann ist das wirklich wirklich ansteckend.“

Als ich wieder einigermaßen geradeaus laufen konnte habe ich also in der Praxis meines Hausarztes angerufen und meine Symptome beschrieben. Dort sagte mir die Sprechstundenhilfe direkt, ich müsse zu einem Corona-Test in die „Infektsprechstunde“ kommen. Fein, sehe ich ein, der Test ist unumgänglich und naheliegend. Die Anweisungen, wie ich mich zu verhalten habe, beim Aufsuchen dieser „Infektsprechstunde“ waren allerdings interessant: „draußen drei Mal klingeln, dann nach hinten durch den Garten auf die Terrasse durchgehen“.

Spannend. Zum Glück war gutes Wetter. Denn außer mir warteten dort schon eine Reihe anderer Leute, so gut es ging verteilt im Outdoor-Wartezimmer meines Arztes, an der Eingangstür, geschart um … die Mülltonnen! Mir war dieser Spießrutenlauf aus offensichtlich Kranken schon letzten Monat aufgefallen, als ich mal ein Rezept abgeholt habe, jetzt gehörte ich dazu. Netterweise trugen alle Maske (obwohl wir ja draußen waren), bis auf die hustenden Oma, die ihre gefaltete Maske wie ein Taschentuch vor den Mund hielt, als sie durch die Menge zur Klingel ging, um dann (wie wir alle vorher) durch ein geöffnetes Fenster mitgeteilt zu bekommen, dass sie noch warten müsste „an den Mülltonnen“. Unter den Wartenden wurde fröhlich diskutiert, was der Ort der eigenen Ansteckung gewesen sein mochte. Ein Pärchen war bei einer Party bei einem Freund, wo alle bis auf den Gastgeber wohl erkrankt sind. Interessant.

Auf der Terrasse dann durfte ich den Arzt sehen. Sprechen war leider eher nicht möglich, denn im Garten des Nachbarhauses wurde gerade Bäume mit einer Motorsäge bearbeitet. Ich kann Leute mit Maske sowieso schlecht verstehen, vor allem unter solchen Bedingungen, als ich mich in Richtung Arzt beugte, um ihn besser zu verstehen, sprang das Männchen, das neben FFP2-Maske mit einem scheinbar aus mehreren Müllsäcken zusammengenähten Schutzkittel gekleidet war, einen halben Meter zurück und fiel fast über den transportablen Basketballkorb, der neben ein paar Gartenstühlen zur Ausstattung der Praxis auf der Terrasse gehörte. Beim Einführen des Riesen-Qtips in meinen Rachen und in die Nase, tänzelte mein Arzt mit ausgestrecktem Arm um mich herum, immer darauf bedacht einen Sicherheitsabstand einzuhalten. Falls meine Beschreibung der „Infektsprechstunde“ mit Wartenden, Mülleimer, aus dem Fenster angebrüllt werden und Basketballkorb bis hier hin noch nicht gereicht hat, ich fasse mal kurz zusammen: es war eine lächerliche Szene. In jeder Hinsicht. Mit einem lächerlichen sogenannten Hausarzt in der Mitte. Soweit ich verstand, sollte ich anrufen, wenn ich das Testergebnis nicht mit dem ausgehändigten QR-Code in der Corona-Warn-App erhalten könnte. Eine Krankschreibung gab’s auch, aber nur für den aktuellen und den nächsten Tag.

Am morgen des übernächsten Tages rief ich also in der Praxis an, denn obwohl ich mich erfolgreich durch die miese UI/UX der Corona-Warn-App schlängeln konnte: kein Testergebnis kam an. Motzt mich die Sprechstundenhilfe direkt an, warum ich nicht schon früher angerufen hätte. Mein Ergebnis jedenfalls sei „uneindeutig negativ“ und ich müsste noch mal zum Test vorbei kommen. Motze ich die Sprechstundenhilfe an, warum sie denn nicht angerufen hätten, sagt die mir, es würden täglich so viele Leute anrufen (sic!), da hätten sie genug damit zu tun. Also wieder zum Arzt in die geliebte „Infektsprechstunde“.

Da inzwischen Freitag war, war weniger los und im Garten nebenan waren sie diesmal auch nicht mit Baumfällarbeiten beschäftigt und mir ging es auch schon deutlich besser… Der Arzt umtänzelte aber nach wie vor jedes einzelne Virus, dass er aus meiner FFP2-Maske entweichen zu glauben sehen konnte. Er erklärte mir, wie durch die unglaubliche Verdünnung es manchmal grenzwertig Tests gäbe, die müsse man dann wiederholen. Warum ich das Ergebnis nicht bekommen hatte konnte er allerdings nicht erklären. Jedenfalls keine Sorgen machen, der zweite Test würde sicherlich negativ ausfallen. Und wenn es kein Corona ist? Ich meine, ich liege seit fünf Tagen im Bett, das mach ich ja nicht zum Spaß… das wäre dann wohl irgendein anderer Infekt, „das bekommt man dann hinterher eh nicht mehr raus“ (Übersetzung: mir doch egal, kommen sie bloß nicht nochmal an damit).

Noch am selben Tag schlug das Testergebnis, nach ca. 6 Stunden, in der CWA auf. Negativ. Hurra… jetzt arbeite ich wieder. Keine Ahnung, welchen Infekt ich da hatte und wie ich mir den holen konnte, trotz coronabedingter Eremitei plus Maskenschutz… Zwei Dinge sind sicher: ich hatte kein Corona und ich brauche einen neuen Hausarzt.

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