
Taxi Driver (1976)
Ehrlich gesagt, vor diesem Film auf der Liste hatte ich etwas Respekt. Ich habe ihn vor Jahren schon gesehen und nicht in sonderlich guter Erinnerung behalten. Die Irritation ist auch jetzt nicht ganz verschwunden.
Taxi Driver erzählt die Geschichte von Travis Bickle, einem vereinsamten Vietnamveteranen, der nachts als Taxifahrer durch New York fährt. Während er die Stadt als moralisch verkommen wahrnimmt, steigert er sich immer mehr in seine eigenen Fantasien von Reinigung und Ordnung hinein. Er entwickelt eine obsessive Fixierung auf eine junge Prostituierte und beschließt, sie „zu retten“. Gleichzeitig plant er ein Attentat auf einen Politiker, das jedoch scheitert. Am Ende eskaliert seine Gewalt in einem blutigen Ausbruch, der ihn paradoxerweise in den Augen der Öffentlichkeit zum Helden macht.
Die herrschende Meinung sieht den Film als psychologisches Porträt eines zutiefst entfremdeten Menschen in einer anonymen, moralisch zerfallenen Großstadt. Zudem ist er eine Kritik an der amerikanischen Gesellschaft in den Siebzigern. Die Nachwirkungen des Vietnamkriegs, urbane Verwahrlosung und das Scheitern sozialer Integration spiegeln sich in Travis’ Psyche wider. Die Großstadt ist ein weiteres Mal New York (siehe auch hier, hier und hier). Scorsese stellt dabei zwei ganz unterschiedliche Städte gegenüber: New York bei Tag ist bieder, die Leute arbeiten, gehen mal einen Kaffee trinken und so weiter. Bie Nacht jedoch verwandelt sich die Stadt in das sprichwörtliche Sodom, durch das der kleine Taxifahrer mit erhobener Faust und auf den Abschaum schimpfend sein Taxi navigiert.
Als Zuschauer wird man mit fortschreitendem Film immer mehr in die Perspektive des Travis Bickle gedrängt, bis hin zur berühmten „Are you talkin to me?“ Szene, in der De Niros Spiegelbild die vierte Wand zu durchtreten scheint. Scorsese drängt einem Bickles abstruses Gedankengebäude förmlich auf, bis man sich beim Blutbad sich erschrocken abwendet. Der Film verursacht bei mir ein tiefes Unbehagen. Dieses Unbehagen scheint sich jedoch nicht bei allen einzustellen, vielmehr wird der Film in bestimmten Kreisen regelrecht als die erfolgreiche Geschichte des ersten „Incels“ verehrt und gefeiert. Was uns vor Augen führt, dass im Vergleich zu den Siebzigern, die Welt zwar reicher und die Straßen sauberer sind, leider aber nicht alles besser geworden ist.
Foto: Lerone Pieters auf Unsplash
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