
Foxy Brown (1974)
Blaxploitation ist laut „Cinema Speculation“ eines der liebsten Genres des damals zehnjährigen Quentin Tarantino, eine Leidenschaft, die sich in vielen, wenn nicht allen seiner Filme spiegelt, allen voran natürlich „Jackie Brown“ und „Django Unchained“. Nun ist „Jackie Brown“ aber wiederum mein liebster Tarantino-Film, ohne dass ich über „Shaft“ hinaus je etwas mit Blaxploitation-Filmen je am Hut gehabt hätte. Rückblickend gehört es zu den Genres, die ihren Kultcharakter daraus ziehen, wie einfach sie gestrickt sind, wie billig sie produziert sind, aber eben auch wie simpel und direkt sie dadurch daherkommen. Da unterscheiden sie sich wenig von den billigen Action-Streifen, die ich hier in der Liste bisher gesehen habe. Hinzu kommt allerdings die Komponente „Black“. Die Filme sind gleichzeitig Spiegel und Verzerrung der gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit. Sie greifen reale Themen wie Rassismus, soziale Ungleichheit und Selbstermächtigung auf, formen daraus aber ein stilisiertes, oft überzeichnetes Bild, das sowohl empowernd als auch problematisch sein kann. Das macht die gleichermaßen interessant, aber auch fragwürdig. Man muss sich immer vor Augen halten, wie krass fortschrittlich Foxy Browns ganzes Auftreten als unabhängige schwarze Frau ist (und wie sehr das der damaligen Realität widersprach) und dass es such dich gleichzeitig um ein hochkommerzialisiertes Hollywood-Produkt handelt. Die Ambivalenz macht mir mitunter Schwierigkeiten.
Foxy Brown (Pam Grier) also ist eine komplett unabhängig lebende Frau, deren große Liebe ein ehemaliger FBI-Agent (Terry Carter) ist, der nach einer Operation ein neues Gesicht bekommen hat, um dem Undercover-Job entfliehen zu können. Foxies immer in Schwierigkeiten steckender Bruder (Antonio Fargas)[1] verrät ihn jedoch und er wird von Killern einer Drogen- und Prostitutionsrings erschossen. Foxy schwört Rache und schleicht sich als Callgirl in das kriminelle Netzwerk ein…
Ja, das ist alles ziemlicher Schund, pulp fiction quasi in seiner ursprünglichen Bedeutung. Am Anfang des Films könnte man wirklich noch denken, hier würde eine komplizierte Kriminalgeschichte aufgezogen, aber Foxies Rache, die den zweiten Teil einnimmt ist einfach nur effekthaschender Vengeance-Quatsch, noch dazu auf sehr niedrigen Niveau. Aber hey, ich kann den Hype auch schon verstehen, Pam Grier sieht fantastisch aus und es ist auch oft lustig bis beeindruckend, wie sorglos sie durch den Plot prügelt oder mit ihrer Minipistole herumballert.
Wir können aber einiges lernen, mindestens über das Genre. Zum Beispiel über das Mißtrauen der afroamerikanischen Bevölkerung gegenüber den Behörden, was ja bis heute völlig berechtigt ist. Dieser Misstrauen nimmt tatsächlich einen großen Teil des Plots ein: Richter und Polizisten sind allesamt korrupt und machen mit den Drogendealern gemeinsames Sache. Wenig Raum für Interpretation bietet die Szene, wie eine Gruppe „schwarzer Nachbarschaftshilfe“, die 100% nach Black Panther Party aussehen, Dealer angreift und dann „in die Wüste schickt“, also umbringt. Noch drei Jahre zuvor in „Dirty Harry“ war es eine ganz ähnlich aussehende Gang, die bei einen Banküberfall vom Hot-Dog mampfenden Clint Eastwood über den Haufen geschossen wurde. Die Zeiten ändern sich. Foxies Freund sagt danach, dass er Probleme mit Selbstjustiz habe und sie antwortet, IMHO der beste Spruch des Films, dass Selbstjustiz zum american way of life gehöre wie Hamburger.
Fußnoten
erinnert sich außer mir eigentlich noch jemand an Huggy Bear aus „Starsky & Hutch“? ↩︎
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