
Wir wollten intelligentere Pferde
Ich bin Ben noch eine Antwort schuldig, der sich hier mal wieder und laut eigener Aussage, aus dem Fenster lehnt, beziehungsweise das Klagelied der Hufschmiede singt. Ben postuliert:
Alles, was mit Agenten gemacht werden kann, wird von Agenten gemacht werden.
… und widmet sich dann der Frage, was denn noch übrig bleibt für die Menschheit, wenn alles durch Agenten ersetzt ist.
- Physischer Shit, den Chines:innen in nicht besser, oder Ungar:innen in Deutschland nicht billiger können.
- Exzellenz … Agenten können nur Mittelmässigkeit. Das ist für wirklich viele Berufe und Branchen verheerend, aber für einige wenige nicht. Die Frage ist nur: Für welche?
- Hinter dem Vorhang. Um mit Agenten Jobs zu ersetzen, muss man wissen, was man da tut. Und damit meine ich nicht, einen Agenten fragen, was man tun soll.
Ich halte nicht viel davon, darüber zu philosophieren, was am Ende einer gedachten KI-Revolution noch übrig bleibt für die Menschheit. Das geht mir einerseits zu sehr dem großen KI-Werbeversprechen auf den Leim.
“AI” is always playing with this notion of the great leap towards something magical. It’s never just about some form of automation or ways to massage data and build workflows. If you say “AI” you are pointing at humankind’s desire to create god or “new life”.
Andererseits mündet dies, aller philosophischer Höhe zum Trotze, in ein: wie rette ich meine Haut, oder wie es Chris_ es auf den Punkt bringt:
Die Frage bleibt dann nur: Ersetzt mich ein Agent, bevor ich in Rente gehen kann?
Und das sollte nicht die Frage sein, denn was wir „bei der Digitalisierung [schon] falsch gemacht haben“, ist die fehlende Solidarität. Solidarität ist die leider verlernte Superkraft, die wir Menschen eigentlich jetzt bräuchten. Nicht um gegen die Agenten zu kämpfen und jeder unser kleines agentenfreies Terrain abzustecken, sondern um uns als Gemein- und Gesellschaft zu retten. Aber nicht vor der AGI, sondern vielmehr vor dem völlig enthemmten, zerstörerischen und mörderischen Techkapitalismus, der hinter all diesen Entwicklungen steht und sich anschickt, den Teil am Geld verdienen zu elimieren, der wirklich all die Jahre nur Schwierigkeiten gemacht hat: den Menschen.
Ich habe schon einmal hier gefragt:
Das Ding ist dies: wenn wir es mal als gegeben ansehen, dass [der Verlust aller Arbeit] früher oder später passiert, wäre es nicht sinnvoll jetzt Maßnahmen zu ergreifen? Jetzt dafür zu sorgen, dass ein derartiger Fortschritt uns allen zu Gute kommt, statt nur den üblichen Verdächtigen Miiliardären? Eine Welt in der wir nicht mehr arbeiten (aber viel konsumieren), müsste die nicht anders organisiert sein, als das Drama, dass wir heute aus Arbeitslosigkeit und „Lifestyle-Teilzeit“ machen?
Und das meine ich immer noch: zu der existenziellen Bedrohung, dass wir unsere Welt zerstören, ein Problem, das durch den Energieheißhunger von LLMs noch verschärft wird, oder wie einige glaube möchten, durch letztere gelöst werden könnte, kommt eine neue Bedrohung, nämlich dass wir unsere Gesellschaft endgültig den Landjunkern und Schlotbaronen sorry, Überreichen und Technokapitalisten in den Rachen werfen. Darauf gibt es bis heute kaum Diskussion, schon gar nicht in politischen Kreisen.
Offenlegung: mein Urgroßvater war Droschkenkutscher und KPD-Funktionär in Bremen.
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Stephan
Konstantin