
Perpetuum mobile
Ich finde mal wieder einen Artikel gut in einer Quelle, die die wenigsten lesen wollen. Ich verlinke es mal trotzdem: „Deepfake-Pornos: Große Männer, große Augen – Klaus Ungerer über Deepfake-Pornos und mediale Reflexe“. Über Deepfake-Pornos schreibt Klaus Ungerer aber gar nicht viel, aber viel Wahres darüber, wie er die Presse in diesem Fall wahrnimmt:
Als die Schauspielerin Collien Fernandes 2024 in einer ZDF-Doku berichtete, jemand verbreite Porno-Deepfakes über sie – war das Interesse, nun ja, gemäßigt. Denn sie ist ja nur eine Frau. Und vielleicht nicht mehr ganz so angesagt. Journalisten aber starren auf Machtstrukturen. Auf Reichweiten. Auf »große« Männer. Die dürfen dann gern auch stürzen über »Verfehlungen«, »Fehltritte«, »Skandale«. Ein einzelner Berühmter, dem etwas nachgewiesen werden kann, toppt zigtausendfaches Leid. Schadenfreude und Scheinmoral laden zum Tanz.
Und ich kann das nachvollziehen, sehe das ähnlich. Mit einem Mal ist die Presse da und in ihrem Schlepptau kommen die Massen, die Herzen für Collien Fernandez in Instagram-Threads hinterlassen, Politiker*innen, die Gesetze fordern oder versprechen und am Ende auch Blogger*innen die sich empört zum Thema oder dessen Auswirkungen äußern. So wie ich jetzt gerade.
Das ewige Perpetuum mobile der Aufregungsspirale ist zu einer festen Einrichtung des Pressebetriebs unserer Gesellschaft geworden. Passend dazu gibt es Spezialist*innen die sowas recherchieren und andere, die versuchen solche Ereignisse möglichst gesteuert auszulösen. Wieder andere warten nur auf den günstigen Moment, haben Pläne, Gesetzesvorschläge, Anschlussthemen in der Schublade liegen um sie eines nicht so schönen Tages platzieren zu können und es gibt wieder andere, die spezialisiert sind, die Dinge abzuwiegeln und wieder einzufangen.
Es fällt schwer, dass zu kritisieren, vor allem dann, wenn es gerade den Richtigen trifft, Dinge bewegt werden, die schon lange eingeschlafen sind und der Fokus auf ein Thema gerichtet wird, dass viel zu lange in Vergessenheit geraten war. Aber es ist halt gleichzeitig auch der Grund, warum Themen immer wieder einschlafen und in Vergessenheit geraten. Auf lange Sicht und über den Einzelfall hinaus gesehen, funktioniert das so überhaupt nicht.
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