Alte Blogger*innen

Thema:

Marco Damm fragt sehr freundlich:

[I]ch habe das Gefühl, dass es wenig Blogger gibt, die Mitte Zwanzig sind. Woran liegt das? Ist Bloggen in meinem Alter nicht mehr so angesagt und haben die meisten Personen in meinem Alter (26) nur noch TikTok etc. im Blick?

Martin Thielecke antwortet, was ich auch reflexhaft zurück spiegeln würde, nämlich, dass Marco leider etwas Recht hat:

Das Durchschnittsalter im Uberblogr-Ring oder in der Blogosphäre, wie wir früher gesagt haben, ist doch nur so alt, weil gefühlte 99% aller Blogs seit dem großen Blog-Hype existieren. Dieser startete, als Marco gerade erst geboren war, und ging ungefähr 2010/2011 zu Ende, als Twitter und Facebook, die schon seit ein paar Jahren existierten, bei der breiten Masse angekommen waren.

Jetzt können wir annehmen, dass es sich zu einem gewissen Grad um eine gefühlte Wahrheit handelt, aber genauso fühle ich das auch und wahrscheinlich ist es genau das, was sich am UberBlogr Blogring so gut anfühlt für mich. Ja, ich bin ein alter Sack (aber noch nicht 60 und mir geht es eigentlich noch ganz gut, ich will spazieren gehen!), weil ich schon damals in der guten alten Zeit der Blogosphäre, ein Wort das sich allein schon nach Jurassic Park anhört , auch schon nicht ganz jung war. Aber was hilft das jetzt Marco? Herzlich wenig.

Jetzt bin ich mir gar nicht so sicher, ob die Leute auf TikTok schon in den ausgehenden Zwanzigern sind, oder sogar noch jünger. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo bei Instagram. Aber hier schließt sich der Kreis zu einer Diskussion, die ich auch viel gelesen habe in letzter Zeit, die jungen Leute sind alle in irgendwelchen geschlossenen Systemen. Wie Martin sagt, das große Bloggen hörte auf, als wir anfingen zu Twitter und Facebook abzuwandern. Und Menschen die heute das Gefühl haben, sie müssten etwas ins Internet posten, machen das eben bei TikTok. Dort gibt es Reaktionen, Rückmeldung, Likes. Allerdings doch auch nur, wenn ein Post viral geht, ansonsten ähnelt es doch sehr dem Rufen ins Weltall, wie sich Bloggen manchmal anfühlt. So groß ist der Unterschied also gar nicht.

Aber einen Unterschied gibt es: finden können wir die jungen Leute dort nicht, oder nur sehr sehr schwierig. Und auch das ist bei Blogs inzwischen nicht so anders. Wer nicht im UberBlogr-Ring ist, bei Rivva auftaucht oder schon immer in meiner Blogroll, also in meinem Feedreader war, die oder der ist erst mal unsichtbar für mich. Mag sein, dass da auch ganz viele Twens darunter sind. Ich fürchte aber, davon erfahren wir eher selten und eher zufällig, meistens gar nicht. Wenn sie nicht irgendwo verlinkt werden. Denn das ist unser Algorithmus: ich lese in einem Blog von dir, folge dem Link, lese etwas mehr, setze dich auf meine Blogroll und komme regelmäßig wieder, kommentiere vielleicht mal, verlinke dich, wenn ich interessant finde, was du schreibst. Und so weiter.

Zugegeben, jetzt bin ich vom Thema etwas abgewichen. Das ist wahrscheinlich das Alter, knick knack. Am Anfang wusste ich noch, dass ich etwas fragen wollte. Was war es noch… ach so ja: warum ist es denn überhaupt wichtig, wie alt ein*e Blogger*in ist?

8 Kommentare

Bin auch ein alter Sack. Fühle mich wohl mit/bei/unter anderen alten Säcken. Habe mal halbherzig versucht andere um mich herum, die jünger sind, für’s Bloggen zu motivieren (warum eigentlich?), ohne Erfolg.

Habe inzwischen selbst grosse Schwierigkeiten zu erklären, warum ich blogge, noch weniger, warum man bloggen sollte. Also mach ich das erst gar nicht. Und habe deswegen auch keine Argumente, warum 20-Jährige bloggen sollten.

“warum ist es denn überhaupt wichtig, wie alt eine Bloggerin ist?”

Ist wahrscheinlich nur so halb gesund, dass ich meist in der Blogger-Blase lese. Und spätestens seit ich auf meinen RSS-basierten Daily Reader umgestiegen bin und alle Massenmedien-Feeds rausgeschmissen habe, ist mein Horizont klein.

Würde gern mehr von Twens und ihren Ansichten mitbekommen. Bin aber zu unbeweglich knack knack, um mir ihre Ansichten und Meinungen woanders als via RSS zu holen (alte Kanäle für alte Säcke). Also ist mein Wunsch wohl (noch) nicht gross genug.

Hm. So.

Der Club der alten Säcke, höhöhö. Ich hab mich gerade gefragt, ob Twen eigentlich noch ein geläufiges Wort ist oder auch nur etwas, voran mensch uns alte Säcke erkennt, wie „geil“ oder eben „alter Sack“.

Bin ich hier richtig für den Rant? hüstel
Also, ich finde weiterhin, dass die Wordpress-Leute es einfach verpasst haben, in irgendeiner Form die Einstiegshürden zu senken. Stattdessen wurde man zu einem vollständigen CMS, auf dessen Pflege selbst halbwegs technisch affine Leute wie ich keine Lust haben, ein paar Social-Plugins drangepappt. Sachen wie Micro.blog blieben halt ein Nischending, weil da niemand war und damit keine Netzwerkeffekte entstehen konnten. Die Netzwerkeffekte waren das entscheidende, bis man alle dort hatte und auf algorithmisierte Sichtbarkeit umsteigen konnte. Und jetzt gibt es halt für Longform-Sachen Substack, das aber diese Woche auch einen Bewegtbild-Feed eingeführt hat, weil sie ja monetarisieren müssen und AZ16 im Nacken sitzt.
Aber ich schweife ebenfalls ab. tl;dr: Wordpress war das Problem. Über den Schwenk zur post-alphabetisierten Digitalgesellschaft auf Videobasis könnte man auch noch etwas schreiben, aber das würde wohl zu weit führen und auch nicht ganz erklären, warum so wenige Menschen U40 bloggen.

Hereinspaziert! Da kann ich nun gar nicht mitreden, mein self made 11ty Geschraube ist ja in sich ein walled-garden quasi. Wordpress hat mich einfach immer unterfordert. Das hilft jetzt nicht weiter, aber so muss das ja auch sein.

Dein letzter Satz ist Antwort genug auf die Frage nach den jungen Blogger*n.

Die Unterforderung der Wordpress-Blogger ist die Herausforderung derer, die den Jahrzehnte alten Mist migrieren müssen grins

@Bla: Weiß nicht wovon du sprichst. ;)

@Hippo: Weiß nicht, wovon du sprichst. LOL.

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