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Das Social-Media-Drama

Ich habe mich quasi von Facebook entfernt. Und nun auch Du, mein Twitter.

In Scharen laufen Leute mit Rückrad zu Mastodon über, da gerade Twitters Maßnahmen gegen API-Nutzerinnen voll durchschlagen einerseits, vor allem aber, weil Twitter nicht gegen den Verschwörungsnazi Alex Jones vorgehen mag.

Natürlich habe ich einen Mastodon-Account, schon seit letztem Jahr, aber nicht ganz ohne Grund, war da bisher nicht viel los. Facebook, Twitter, whatever, das ermüdet mich alles immer mehr. Ist es das Alter, dass mich von so jugendlichen Trends wie Snapchat oder Instagram? Obwohl ich war ja schon auf Instagram, als ihr jungen Hüpfer noch… ach, lassen wir das. Vielleicht langweilt mich social media aber auch einfach, so wie lineares Fernsehen und all die anderen Dinge, die uns vom Leben abhalten.

Next level shit…

Der Vergleich mit dem Fernsehprogramm der alten Tage ist gar nicht so weit hergeholt, finde ich. „Fernsehen macht dumm“, haben meine Eltern immer gesagt, ich habe das aber nie geglaubt. Weil, als ich Kind war, es nur drei Kanäle gab, mein eigener Fernseher noch schwarz-weiß war und erst zur Adoleszenz das Kabelfernsehen kam und damit RTL und SAT1. Ab dieser Zeit kann man wirklich von Verdummung sprechen. Oder eher Abhaltung vom Lernen. Durch die dauernde Wiederholung, die statische Lebensausrichtung beispielsweise von TV-Serien. Ist ja lustig, dass ich alle Folgen von MacGyver (muss ich das verlinken?) gesehen habe, aber ein allwissender Bastelguru bin ich davon nicht geworden. Eher hat mich die alternative Realität von der echten abgehalten. Was in Maßen sogar sinnvoll sein kann. Beispielsweise hält mich Netflix heute von der nahezu unerträglichen Realität des Bahnpendelns tagaus tagein ab, leider aber auch davon, die Zeit beispielsweise zum Bloggen zu nutzen.

Ebenso wie einst die Fernsehserien, ist es heute social media, was uns abhält, möglicherweise vom Leben, ganz sicher aber von einem vernünftigen, reflektierten Medienkonsum. Scheiße auf einem neuen Level. Statt wenige Dinge am Tag zu lesen, verkürzen wir auf von anderen zusammengefasste kurze Tweets über Dinge, die man hätte selbst lesen können. Und dann schnell noch retweeten… so hab ich ja früher studiert: Copyshop statt Lesestunde. Hat nicht so gut geklappt. Heute steht dafür meine unendlich lange Leseliste bei Pocket. Ein ungelesenes Mahnmal schlechten Medienkonsums. Oder mein ausgetrocknetes Blog, dass früher mein Ort der Reflektion war. Wo ich bestimmt habe, wen ich wann lese und verlinke und bespreche, kein Algorithmus.

Wieviele Stunden…

…habe ich in Facebook versenkt, auf der Suche nach den alten Freunden vergangener Zeiten und dem Wunsch an ihrem Leben teilzunehmen. Und wie schwer war es, sich dem zu entziehen. Doch Facebook benutzt diese Stunden, um mich mit Werbung zuzuballern und lernt meine Bedürfnisse dabei immer genauer kennen, eine Art Teufelskreis des Marc Zuckerberg.

Twitter hat hingegen eine andere Taktik herausgebildet, denen vom amerikanischen Präsidenten über Verschwörungsnazis wie Alex Jones bis hin zu den Trollhorden der Armleuchter für Deutschland alle dienlich sind: dem Verbreiten schlechter Stimmung.

Und irgendwie reicht mir das jetzt einfach.

Foto: Jose Aragones

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