Uploadfilter, die EU-Zensurmaschine

Immer wenn ich gedacht habe, aus Richtung der deutschen Politik kann in Sachen Internet nichts Schlimmeres mehr ausgedacht werden (bekannt auch als Netzwerkdurchsetzungsgesetz), dann kommt die europäische Kommission und setzt noch einen drauf. Ehrlicherweise muss man sagen, dass sie diesmal sogar in Vorleistung getreten ist, jedenfalls der Berg kreißte gewaltig und gebar …Uploadfilter.

Die vermeintliche Wunderwaffe

Als Einstieg empfehle ich mal die aktuelle Folge Logbuch: Netzpolitik mit Julia Reda und dort speziell das Kapitel über Uploadfilter anzuhören. Oder lest Julias Artikel zum Thema. Die bestechende Idee der EU-Kommission ist nämlich, das Netz nun endlich von allen illegalen Inhalten und Hassrede zu reinigen, durch die flächendeckende Installation von Filtern, die schon beim Upload des Inhalts löschen, noch bevor etwas online gerät. Denn, so stellte Digital-Kommissarin Marija Gabriel fest: das Löschen illegaler Inhalte dauert einfach zu lange, da muss nun der Gesetzgeber ran.

Wie solche Filter funktionieren kann man eigentlich ganz nicht so schön bei YouTube sehen, wo der eigene Filter „Content ID“ auch schonmal im Schnurren einer Katze ein geschütztes Musikstück erkennen will, Urheberrechtsverletzungen in weißem Rauschen entdeckt, oder Vorlesungsvideos löscht, weil darin, völlig legal wohlgemerkt, Musik zu hören ist, die in anderen Zusammenhängen urheberrechtlich durchaus geschützt wäre. Kurz: funktioniert hinten und vorne nicht. Schon nicht nur für die Identifikation von Musikstücken, von Texten, Bildern und anderen Medien mal ganz abgesehen, die die EU-Kommission mit ihren Filtern gerne kontrolliert sehen will.

Die vier Hauptprobleme

  • die Filter funktionieren nicht, da sie weder ausgereift sind, noch den Kontext erkennen können, Gefahr des Overblocking (alles von Fanfiction. is zum reaction gif)
  • die (Weiter-) Entwicklung derartige Software kann nicht von kleinen Unternehmen durchgeführt werden, Google und Facebook haben hier auch bereits einen technologischen Vorsprung, Monopolisierung,
  • ist etwas einmal gefiltert, wird es keinen sinnvollen Weg der Wiederherstellung geben, für den Fall, dass die Filterung nicht rechtmäßig war,
  • der Entwurf der Kommission sieht zwar Pflicht zur Filterung durch alle Mitgliedsstaaten vor, was allerdings gefiltert wird, bleibt den einzelnen Staaten überlassen; einmal eingeführt lässt es sich so extrem schwierig zurückdrehen, bspw. im Fall einer entsprechenden Gerichtsentscheidung.

Die Idee ist also geeignet, der Meinungs- und der Kunstfreiheit endgültig den Todesstoß zu verabreichen und deren Kontrolle (sic!) in den Händen von bspw. Facebook und Google zu monopolisieren. Nebenbei auf Open Source stehen die Uploadfilter auch überhaupt nicht!

Was kann man tun

Richtig, „tuwat!“ ist ja das Motto…
…man kann Abgeordnete des EU-Parlaments anrufen und sie zu den Uploadfiltern befragen (oder zumindest deren Sachbearbeiter), wie das (gebührenfrei) geht steht bei changecopyright.org. Alle MEP haben eine öffentliche Telefonnummer, die man leicht finden kann.

Save the meme!

The web is missing

Zum Anfang des Jahres gibt es ja auch mal etwas gutes zu vermelden: Oliver Reichenstein bloggt wieder. Und gleichzeitig ist das etwas erschreckend für mich, weil mir war gar nicht so richtig klar, dass er das eine Zeit lang nicht getan hätte. Sei es drum, die Stimmung ist eh gerade nicht so gut drüben in Japan.

Ich habe heute keine Web Trend Map 2018 für Euch.

Don’t get too excited. We don’t have it. We tried. We really tried. Many times. The most important ingredient for a Web Trend Map is missing: The Web.”

Die Litanei ist so richtig wie sie grausam ist, das Netz ist keines mehr. Ich habe an allen Ecken und Kanten das Gefühl, dass wir verloren haben. Verhökert haben wir das Netz, für ein paar Glasperlen an Zuckerbergs wilde Horde und Amazon (von dem ich so selbst so verdammt abhängig bin).

Ist bloggt mehr die Lösung? Und verlinken? Wir werden sehen.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann

Ich hatte ja mir als einen dieser komischen Vorsätze für das neue Jahr vorgenommen, in diesem Jahr das Werk von Heinrich Böll ein wenig zu studieren. Als erstes habe ich „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (nochmal) gelesen.

Katharina B., zum zweiten Mal gelesen

Hat eigentlich jemand „Die verlorene Ehre der Katharina Blumnicht im Deutschunterricht gelesen? Tatsächlich ich zum Beispiel. Ich hatte zwar zunächst in Erinnerung, es in der Schule gelesen zu haben, mir fiel dann aber kichernd ein, dass ich es tatsächlich in einem „Lesekreis“ in unserem Jugendzentrum gewissermaßen freiwillig gelesen und besprochen hatte. Ach ja, die Achtziger… wir waren so verdammt alternativ. Der Lesekreis hat nur zwei Bücher in meinem Beisein bearbeitet, neben der Blum war das noch „Theorie und Praxis der antiautoritäten Erziehung, am Beispiel Summerhill“. Sie verstehen was ich meine. Vielleicht kann man schon verstehen, warum ich immer so vergrellt auf die inzwischen konservativen Jamaika-Grünen bin und Heinrich Böll, immerhin Namensgeber der grünen Bildungs-Stiftung wäre es auch.

„Sympathisant“ des Terrors?

„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ war sicherlich in weiten Teilen der damaligen (Bonner) Republik—wir nannten das BRD, auch wir im Westen—sehr umstritten. 1972 veröffentlichte DER SPIEGEL Heinrich Bölls Artikel „Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?“, in dem sich Böll sehr kritisch aber sachlich mit den Taten der RAF auseinandersetzte, den Sensationsjournalimus der Springer-Presse dazu aber scharf kritisierte.

Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit der ›Bild‹-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.

Böll und vor allem seine Familie wurden in der Folge bis in die Mitte der Siebziger Jahre mehrmals Opfer von Hetz- und Verleumdungskampagnen, bei denen die Springer-Presse und die Polizei eifrig zusammenarbeiteten. Unter diesem Eindruck schrieb Böll 1974 seine Erzählung, in der die sonst unbescholtene und über jeden Verdacht erhabene Haushälterin von der ZEITUNG und Justiz diffamiert und bloß gestellt wird und in der Folge ihre Ehre durch den Mord am Journalisten Tötges wieder herzustellen versucht.

Schnöde Rache?

Dass die Geschichte nichts als Rache wäre wurde Böll oft unterstellt, ich halte das, auch mit dem Abstand (erst 10, dann mehr als 40 Jahre später) zu jener Zeit und dem was noch folgte.

»›Rache‹ ist bei ›Katharina B.‹ nach meiner bescheidenen und möglicherweise falschen Schätzung nur zu 5-6% im Spiel, und diese Rache beruht wiederum nicht auf ›Kränkungen‹ meiner Person, sondern auf Einbeziehung meiner Familie bzw. deren Benutzung als Vehikel gegen mich. (Böll in einem Brief an Rudolf Augstein)

Bölls Werk dreht sich viel mehr um die Sprache, wie sie als Waffe eingesetzt werden kann und (heute noch) wird. Wie wichtig es ist, der Sprache habhaft zu werden und sie zu lenken. Der Berichterstatter, quasi Böll selbst, der seinen verschlungenen und sehr genauen Bericht als das Spiel eines Kindes bezeichnet, das im Regen spielt und zwischen Pfützen und Bächen ein System aus Stauungen und Kanälen und Drainagen baut, ist dabei jederzeit Herr der Sprache und lenkt den Fluss an nicht endender Kommunikation, in diesem Fall, in die richtige Richtung. Doch dies geschah und geschieht bis heute viel zu selten, so dass die meisten „Stories“ die in diese Welt gesetzt werden, unaufgeklärt und die Wahrheit dahinter unaufgedeckt bleibt.

Bis heute

Am Wirken der Springer-Presse hat sich da bis heute nichts geändert. Nach wie vor wird in großen Lettern gelogen und betrogen, enttarnen kann man die Lüge nur, wenn man das Drumherum analysieren, sich vom Ganzen ein Bild machen kann. Wie das funktioniert hier mal in einem schönen Beispiel aus dem BILDblog: „Bild“-Medien lassen Flüchtlinge durch Deutsch-Tests fallen. Immer noch das gleiche Prinzip des völlig erlogenen/irreführenden Aufmachers, die wahren Kern der Geschichte erkennt man allenfalls, mit viel Anstrengung hinter der Bezahlschranke…

Anmerkung zur Ausgabe: Eine schlechte Entscheidung war übrigens, die Kindle-Version zu lesen, die in Umsetzung und Rechtschreibung des Textes höchst zweifelhaft daher kommt. Wirklich schlimm und störend…

Artikelbild von JuniperPhoton auf Unsplash.

Kryptowährungs-Junkieanfänger

Angeregt durch dieses Buch für Kryptowährungsjunkieanfänger, und erster nur halb sinnvoller Versuche, habe ich mich zwischen den Jahren ein wenig mehr mit Bitcoin, Altcoins, ICOs und derlei Zeug auseinandergesetzt. Wenn man ein paar Euro aus 2017 übrig behalten hat und sich der Lottogewinn auch wieder nicht eingestellt hat, kann man das mal ausprobieren, man muss allerdings immer mit dem Schlimmsten rechnen. Und zwar in jeder Hinsicht.

Man wollte Banken loswerden…

Wer derzeit in das Thema Krytowährungen einsteigt und sich Bitcoin oder Ether oder ähnliches zulegen will, wird im deutschsprachigen Web sehr schnell auf den Tipp stoßen, das Zeug bei Coinbase zu kaufen. Die Website ist gut gemacht, funktioniert immer, der Berifizierungsprozess ist vergleichsweise unkompliziert. Seit August allerdings heißt der erste Satz des User Agreement:

The websites and the services offered by Coinbase are NOT addressed to persons who have their registered office or place of residence in Germany.

Hust. Trotzdem wird fleißig empfohlen die Seite zu nutzen. Ebenso gab es um den mißglückten Launch von Bitcoin Cash (einer Abspaltung des Original-Bitcoin) Verdächtigungen um Insidergeschäfte unter den Angestellten von Coinbase. Learning Nummer eins also: welcome, das ist das Umfeld in dem man sich bewegt, wenn auszieht mit Kryptowährungen Handel zu treiben! Am schlimmsten aber ist ja eigentlich: Coinbase ist so etwas wie eine Bank. Und benimmt sich auch so. Horrende und höchst volatile Gebühren für Käufe und Verkäufe sind die Regel, Verzögerungen im Geschäftsablauf je nach Marktlage leider auch. Banken, die wollte man doch loswerden mit Bitcoin…

Sicherheit… nö

Ein anderes Beispiel gefällig? Wenn man seinen Ether nun von Coinbase abziehen möchte, bspw. weil man Angst hat, dass die das sauer erhandelte Vermögen wegen Verstoßes gg. das obige Agreement womöglich einfrieren, kann man es zu einer eigenen Standalone-Wallet schicken und dort verwahren. In Foren und Telegram—Gruppen kann jederzeit diskutiert werden, wie vertrauenswürdig die eine oder andere App gerade ist, mit ungewissem Ausgang. Ich habe mich für eine entschieden, bei der ich nach dem Herunterladen im Appstore zunächst eine englische AGB abnicken musste, dann beim nächsten Start dasselbe (who knows) noch einmal in chinesisch. Auch nur so ein mittelguter Start. Vong wegen die Sicherheitsgefühl.

Vom Sicherheitsgefühl sollte man sich als erstes Verabschieden. Also nicht nur was das Investieren angeht, so weit ist man zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht, sondern auch, was den Umgang mit Daten, den persönlichen angeht. Da muss man sich fleißig mit Ausweiskopien bei chinesischen Webseiten akkreditieren, oder Geld an Banken im Baltikum überweisen. Oder auch sein zweites Ich, das Smartphone ungeklärten Risiken aussetzen: wenn man die „Beta“-iOS-App des auch sehr viel genutzten Portals Binance herunterladen möchte, stellt sich raus: die App kommt nicht aus dem Appstore und man muss dem Anbieter „vertrauen“, damit sie auf dem iPhone installiert werden kann. Kann man machen, aber…

Das eigentlich Handeln hat dann mit Sicherheit nur noch wenig zu tun. Aber das konnte man ja vorher wissen.

Bitcoin ist sowas von 2017

Nach dem großen Boom ist der Bitcoin (BTC) zum Ende des Jahres, bevor er die 20.000$ Schallmauer durchbrechen konnte auf einen Wert um die 13.000$ zurück gefallen. Viele Leute haben zumindest einen Teil ihres BTC deswegen versilbert und in andere Coins umgewandelt, die es zu Eurocentpreisen zu kaufen gibt, und nun wartet jeder darauf, dass die ausgewählte Coin durch die Decke geht wie einst Bitcoin. Bis es soweit ist, kann man sich wieder in Foren und Gruppen gegenseitig mehr oder minder heiße Tipps zukommen lassen, welche denn nun die größten Chancen hat, alle auf einen Schlag reich zu machen. Nach heutigem Stand, natürlich schon längst wieder überholt, könnten das Verge oder (mal wieder) Ripple sein.

All diesen Altcoins gemeinsam ist, dass jemand mit der Verhökerung derselben versucht etwas zu finanzieren. Diesen jeweiligen Jemand kann man auf Webseiten mehr oder minder kennen lernen, auf denen dann auch das Etwas vorgestellt wird, oft eine lose Ansammlung von Buzzwords rund um Blockchain et al. Ripple bspw. möchte „The world’s only enterprise blockchain solution for global payments“ sein oder werden und versucht das schon seit 2012. Und „Verge ist eine sichere und anonyme Kryptowährung, entwickelt mit dem Fokus auf Privatsphäre.“ See?

Wenn man heute ein Startup gründet, kann tatsächlich die Finanzierung durch die Ausgabe eines eigenen Coin ein sinnvoller Weg sein. Die Erstausgabe eines solchen Coins nennt man „ICO“ (initial coin offering). Man verkauft also Glasperlen gegen Ether oder Bitcoin und bietet zu einem Stichtag den neuen Coin auf einer der Handelsplattformen an. Und alle hoffen, dass es dann dort durch die Decke geht. Das alles basiert auf den Versprechen und Whitepapers die man auf seiner Website präsentiert. Wenn man Coinjunkie X fragt, warum er sich für diesen oder jenen Coin entschieden hat, gibt es zwei möglich Antworten: ein Tipp von jemand anderes (hier Rekursion einsetzen) oder „die Website gefällt mir“. Man soll ja schon gehört haben, dass solche Dinge komplett gefaket wurden und die Unbekannten, die nach dem Einsammeln von reichlich Bitcoin aus dem Staub gemacht haben… aber hey, ohne Risiko kein Gewinn.

Goldrausch?

Bitcoin, Kryptowährungen, Altcoins, ICO, all das funktioniert zur Zeit irgendwie genauso wie der Goldrausch am Klondike: viele kommen zu spät, andere gehen Betrügern auf den Leim und einige wenige werden reich dabei. Da muss man einfach dabei sein, oder? Mein Fazit dazu: kann man mal machen, wenn einem alles oben Gesagte egal sein kann und man 50 bis 100 Euro übrig hat. Wenn nicht, oder wenn man mehr Geld einsetzen will, dann bitte nicht anhand dieses Artikels, da finden sich bestimmt bessere Ratgeber.

Foto von Carlos Muza.

2017: Blick zurück nach vorn

Musik, das Büro und ich

Wie ich schon hier erwähnte, mit neuer Musik braucht man bei mir nicht mehr zu rechnen. Und so besteht meine Hitliste (allein diesen uralten Begriff benutzt ja kein Mensch mehr) aus jenen Songs, die der Spotify-Zufallsgenerator aus ein bis drei mehrstündigen Playlists Büro, 100 Songs und Sommerfest Lounge herausfiltert, die ich praktisch in Dauerschleife höre. Ganz mathematisch genau (und für einen unechten Zufallsgenerator völlig logisch) stehen eben jene Songs oben, die auf zwei oder drei dieser Listen vertreten sind. Wenn man es weit fässt, müssen dies ja tatsächlich die sein, die mir am besten gefallen. Kurzum: toll diese KI. Hier die Top20 aus 2017:

  1. The Other People Place – Eye Contact
  2. J-Walk – Tearaway
  3. Wolfgang Voigt – Frieden
  4. Etienne de Crecy – Les patron est devenu fou
  5. Olive – You‘re not alone
  6. Wax Tailor – Que sera
  7. Kid Loco – Love me sweet
  8. Michael Mayer – Hush Hush Baby
  9. Groove Armada – At the River
  10. J-Walk – French Letter
  11. Trancesetters – Drive
  12. Nightmares on Wax – Ethnic Majority
  13. Orbital – Doctor?
  14. Ursula 1000 – Gambit
  15. Terranova feat. Tomas Høffding – Question Mark
  16. Röyksopp – Poor Leno
  17. Mo‘ Horizons – A mi morena (Chocolate Restyle)
  18. DJ Koze feat. Dirk von Lowtzow – Das Wort
  19. Thievery Cooperation – Shaolin Sattelite
  20. Michael Mayer – Lovefood

Mein persönlicher Favorit (nicht nur zur Weihnachtszeit als Soundtrack Heinrich Bölls Weihnachtsgeschichte) ist Nummer 3. Nummer 4 ist jetzt 15 Jahre dabei, bitte nicht wieder wählen (alle die diese Anspielung auf die ZDF Hitparade verstanden haben, bitte sofort eine Lebensversicherung abschließen).

Software

In diesem Jahr haben viele praktische Desktop-Apps den Weg auf meinen Rechner gefunden, dank Setapp, das ich ja auch schon mehrmals wie faulen Fisch angeboten habe und mit dem mich meine Kollegen immer aufziehen, später/weiter unten nochmal mein Affiliate-Link dazu. Absolute Nummer 1 dabei ist auf alle Fälle Ulysses, das bei mir auf den Schlag alle Versionen des iA Writers ersetzt hat, auf allen Geräten. Ich bin eben der Typ Mensch, der sich in einen Markdown-Editor verlieben kann. Außerdem nutze ich viel Gifox (macht animated Gifs von Bildschirminhalten) und Timing (Zeiterfassung).

Im Bereich Coding mache ich gerade einige Gehversuche mit Visual Studio Code, bin aber vor allem mit der Einrichtung noch nicht so schnell voran gekommen wie seinerzeit bei Sublime Text, und irgendwie verläuft der Test schon wieder im Sande der Angewohnheit. Also zumindest heute ist Sublime Text noch mein Editor. Dafür hat sich an der Browserfront etwas getan, dort habe ich nämlich erfolgreich von Chrome zu Firefox (Developer Edition) gewechselt, kurz vor dem Umstieg auf die neue Engine noch. Damit bin ich zufrieden, wurde einfach mal Zeit den Google Trojaner etwas weniger zu nutzen.

Auf dem iPad (seit ewig iPad Air 2), dass ich immer noch exzessiv nutze vor allem im Zug, läuft neben dem schon erwähnte Ulysses regelmäßig Unread, von wegen RSS sei tot. Ich aggregiere zu lesende und gelesene Netzartikel aber hauptsächlich in Pocket, nebenbei nutze ich noch Refind, aber das bringt mir zur Zeit auch nicht viel mehr neue Artikel, als meine persönliche Medium-Homepage. Ich mixe gerippte Vinyls aus meiner Sammlung mit djay Pro, dessen neue Desktop-Version auch sofort den Weg auf meinen Mac gefunden hat, I love it. Auf dem iPad schaue ich aber auch viel offline Videos, sowohl mit Amazon Prime Video, als auch Netflix.

Video, vidi, ich sehe, ich sah…

Ich fand ja in diesem Jahr überhaupt nur eine Serie empfehlenswert, nämlich Master of None und ebenfalls nur einen Film, nämlich Paterson. Alles andere ist entweder mehr oder minder an mir vorbeigeflimmert, oder war nicht beeindruckend genug, dass es mich zu wahrer Begeisterung gerührt hätte. Dabei habe ich einiges gesehen, was ich nicht verheimlichen will (und einiges das ich hier verheimliche, aber…)

  1. Designated Survivor (sorry, von Kiefer Sutherland kriege ich inzwischen wirklich nur noch Brechreiz)
  2. Eine Reihe betrüblicher Ereignisse
  3. Black Mirror
  4. Santa Clarita Diet
  5. Star Trek Deep Space Nine
  6. Big Bang Theory Staffel 9 (Abbruch! Abbruch!)
  7. Better Call Saul
  8. The Seven Deadly Sins (ein kleines privates Anime-Revival)
  9. Fargo
  10. Master of None (s.o.)
  11. The Expanse
  12. Mars (fand ich sch… hab’s aber trotzdem durchgebingt)

Amazon hat leider keine Übersicht für mich, was ich dort gesehen habe, definitiv waren es aber The Walking Dead und gerade erst Mr. Robot, was ich tatsächlich sehr genossen habe, ohne darüber zu bloggen.

Und aktuell schaue ich gerade den Tatortreiniger zum zweiten Mal an. Das passt bei mir stimmungsmäßig immer gut in die Weihnachtszeit.

Essen

… ist, außer einer Stadt die ich in Kürze mal besuchen werde, vor allem ein großes Problem gewesen für mich in den letzten Jahren. Es gibt ja Leute, die essen aus Frust, oder wenn sie unter Stress stehen, oder wenn es ihnen gut geht. Ich habe hauptsächlich gegessen bei Frust, Streß und dann nochmal, wenn es mir besser ging. Und vor allem Süßigkeiten. Zucker in jeder Form, geknabbert, versost, in flüssig und natürlich noch überall versteckt in allem anderen was man so zu sich nimmt. Was zu einem Körpergewicht geführt hat, das auch gesundheitlich nicht mehr gut war.

Für 2017 hatten die beste Ehefrau aller Zeiten und ich also erstmal auf Zuckerreduzierung gesetzt, was aber zunächst recht schleppend in Gang kam. Zwar ging das Gewicht dadurch etwas runter, aber hey, wenn man dann anfängt sich ob der guten Ergebnisse Ausnahmen zu genehmigen, sie kennen das vielleicht. Dann aber passierte etwas.

Dann wurde bei der besten Ehefrau dieser Erde eben jene Krankheit diagnostiziert, die ich verdient gehabt hätte und von einem Tag auf den anderen waren Ausnahmen, Zucker und alles andere was dick macht keine Option mehr. Sie ist zu einer beinharten Askese verurteilt, was Essen angeht. Ich gehe diesen Weg mit, aus Angst selbst schon krank zu sein oder noch zu werden. Das Ergebnis sind unglaubliche Erfolge—gestern habe ich just zum ersten Mal eine Wert unter hundert erwogen—aber auch ein völlig neues Lebensgefühl. Niemand nennt ja heute seine Hungerkur noch Diät, alle wollen gleich eine Ernährungsumstellung machen, aber wenn man wirklich eine macht, dann ist das schon ein tolles Gefühl. Ich will nicht von mir auf andere schließen; mein spezielles Problem war, dass ich mich trotz des Übergewichts immer gut gefühlt habe, was völliger Schwachsinn ist, denn jetzt wo ich leichter bin, merke ich deutlich, was mir gefehlt hat und was mir immer so schwer gefallen ist. Ich will auch nicht zu viel frohlocken, denn a) ist der Weg noch weit und b) der Auslöser hätte wirklich nicht sein müssen.

Eins noch: Leute, mal ehrlich, esst weniger Zucker. Schaut mal auf die Packungen drauf, wo überall wieviel Zucker drin ist. Man glaubt es teilweise wirklich nicht.

Gut gelaufen

… bin ich und zwar fast täglich, was ein Stückweit zum Thema Essen eins drüber dazugehört. Mein Fitbit sagt, ich gehe im Schnitt 10.000 Schritte pro Tag, Weihnachten war ich etwas faul. Ich gehe oft in der Mittagspause spazieren, was den doppelten Effekt hat, dass man das Gehirn mal kurz durchpusten lässt und in Bewegung kommt. Ich stehe stundenweise an meinem Schreibtisch. Manchmal gehe ich morgens und abends zum oder vom Bahnhof nach Hause (15min), statt das Auto zu nehmen. Ich gehe regelmäßig mit meiner Liebsten im Wald/am Teich/im Ort (abends) spazieren. Ich bin 2017 wahrscheinlich mehr gegangen, als in den sechs Jahren davor. In Berlin bin ich auch ab und zu schon mit dem Lidl-Bike unterwegs: „zwischen Hauptbahnhof und Askanischer Platz kommt ihnen ein irrer Radfahrer entgegen…“

Ebenfalls gut gelaufen ist mein diesjähriger Rantventskalender, vor allem an dem einen Tag, als er im Bildblog verlinkt war, obwohl Leute… selbst dann merkt man doch immer wieder, wie klein Kleinbloggersdorf inzwischen geworden ist. Trotzdem, mir hat das Projekt viel Spaß gemacht, vor allem Entwurf und Herstellung des Kalenders im Vorfeld. Da fühlte man sich irgendwie in alte Agenturzeiten zurück erinnert (die ich freilich nie hatte), wo bis morgen der Adventskalender programmiert und bei 100 Kunden installiert sein sollte. Falls es mal jemand braucht, ist natürlich alles open source, hier zu finden auf gitlab. Ich habe aus alter Gewohnheit mit grunt gearbeitet und entsetzt festgestellt: das funktioniert ja noch! Was man so für Vorstellungen hat, wenn man mit der Karawane zu Tool X weitergezogen ist, hehe.

Rückschläge und Dummheiten

Nein, nicht die Bundestagswahl, weil ich sag es gerne nochmal, die Weimarer Verhältnisse hatte ich erwartet, obwohl sie natürlich weitaus alberner ausgefallen sind, als man sich vorstellen konnte. Mit dem Einzug der AffenFuerDeutschland in den Bundestag hatte ich gerechnet, vielleicht nicht gerade, dass sie direkt zur Jagd auf die Regierung aufrufen würden, aber ich verstehe ja auch immer alles miss, war sicherlich nicht so gemeint.

Was mich wirklich wurmt ist Bitcoin.

Man kann ja wohl kaum einen Jahresrückblick schreiben, ohne Bitcoin zu erwähnen.

Bitcoin! Bitcoin! Bitcoin!

Hab ich komplett verschlafen, obwohl mir seit Jahren die nötigen Informationen zugänglich waren. Aber hey, wer mein Glück kennt, der weiss wie ich sowas angehe. Sch… auf Bitcoin, hallo Ethereum. Ich hatte relativ früh (im Vergleich zum aktuellen Hype) ein, zwei, drei Ether gekauft. Und dann ging es los: Kurs angucken, News über Kryptozeug lesen, wieder Kurs kontrollieren, mit Kollegen über ETH quatschen, wieder Kurs anschauen, Kurs anschauen, Kurs anschauen… nach drei Tagen kam ich mir vor wie der letzte Börsenjunkie und ich fand es echt eklig. Also die schönen Ether mit einem Gewinn von 200 Euronen wieder vertickert und sich noch gefreut. Ha ha… „Cryptocurrency Regel Nummer 1“: Nico verkauft => der Kurs geht rauf! Die Hochstände Anfang/Mitte Dezember hab ich also verpasst. Und jetzt alle, „Crytocurrency Regel Nummer 2“: Nico kauft => der Kurs geht runter. Ratet mal wer für die krassen Kursverluste um Weihnachten verantwortlich ist. Richtig. Erholt sich zum Glück gerade, but wait, da vorne ein ICO… hold my beer!

Vorsätze für 2018

Das ist neu, sowas mache ich ja eigentlich nicht, aber hey, bis hierhin liest eh keiner, kann ich also auch kräftig raushauen:

  • Gewicht: unter 100 ist nur von oben betrachtet ein Fortschritt und ehrlich gesagt immer noch adipös. Also mache ich mich 2018 auf den langen Weg durch das Übergewicht auf in Richtung Normalgewicht. Was ich 2017 geschafft habe, muss 2018 wiederholt werden.
  • Bewegen: wie schon erwähnt 2017 bin ich viel gegangen, 2018 will ich Laufen, so Forrest Gump mäßig, na mal sehen. Und Rad fahren.
  • Lesen: ich habe mir für 2018 Heinrich Böll als Schutzpatron ausgesucht und will soviel es geht von ihm lesen. Bisher kenne ich nur „Der Engel schwieg“ und aus der Schulzeit noch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, das sind aber nicht mehr als Anknüfungspunkte.
  • Entwickeln: ich will einen Alexa-Skill entwickeln und unser Haus ein wenig automatisieren (was schert mich mein Geschwätz…). Mit dem Licht habe ich schon angefangen… Ferner ganz diffus mehr Open Source produzieren und natürlich…
  • einen Rantventskalender 2018 bauen
  • Politik: Mitte des Jahres war ich so wütend, dass ich beinahe wieder in die SPD eingetreten bin, musste dann aber über die Höhe der Mitgliedsbeiträge so lachen… also Parteiarbeit wird es auch 2018 nicht werden, allerdings soll es bitte mehr Engagement geben. Aktuell bin ich stark von dieser Folge Essay & Diskurs mit Kübra Gümüşay beeindruckt und möchte mich dahingehend gegen den organisierten Hass mehr engagieren.

2017, das war es dann

Hiermit endet dann dieser sehr lange Artikel um das Blogjahr zu verabschieden. Es war nur mäßig in vielerlei Hinsicht, vor allem weil ich kaum gebloggt habe, nur 78 Einträge sind 2017 entstanden. Wo wenig Content ist, fehlt es auch an Lesern, in den Monaten Januar bis November war ungefähr gleich viel los wie im Dezember. Der gut lief, siehe oben.

Die erfolgreichsten Artikel des Jahres waren 600.000 Gefangene, die Startseite des Rantventskalenders, Ach Twitter! und Reaggae, Rum und Rechtsüberholer.

Auch hier gelobe ich Besserung. Wer mich anspornen will, soll sich endlich Setapp über diesen Link ziehen, oder eben was von meiner Liste schenken. Ich bin aber auch sehr mit den netten Worten und Tweets zufrieden, die hinsichtlich des Rantventskalenders eingegangen sind, danke schön.

Also, gehabt euch wohl, kommt gut rein. Wir lesen uns drüben im neuen Jahr.

Greetinx, Nico

Stand der Entwicklung

Mit viel Freude und etwas Verwunderung habe ich diesen Rückblick auf die Webentwicklung 2017 gelesen. Eine gute Gelegenheit sich über die jüngeren Entwicklungen und die Zukunft ein wenig Gedanken zu machen. Ich kann schon mal sagen: Leute, das wird ja richtig scheiße.

2017 wird wohl als das Jahr in die Geschichte eingehen, in der Facebook auch die Webentwicklung übernommen hat. React und sein Ökosystem hat quasi alles assimiliert, was nicht bei drei auf dem Baum war. Das fasziniert mich ebenso wie jeden anderen interessierten Frontendler, schockiert mich aber auch im selben Maße. Denn obwohl React an vielen Stellen das richtige Tool am richtigen Ort sein kann, hat seine Popularität doch dafür gesorgt, dass es inzwischen für praktisch alles eingesetzt wird. Projektmanager und Produktentwickler beauftragen die Entwicklung von React-Apps ohne auch nur eine Ahnung vom use case zu haben. Alles wird umgebogen und zu Recht gelogen, damit aus einer simplem Website eine React-App wird und auf dem Weg gehen information architecture, findability, Webstandards und Zugänglichkeit sterben. Das muss natürlich nicht so sein, wird es aber all zu oft werden, dieser Art hype habe ich nun schon oft genug erlebt und leider auch mitgemacht.

Ich verstehe das gut. Wir Frontender wir wollen schließlich auch mal den Ton angeben. Wir sind ja auch irgendwo eingezwängt zwischen Managern, Stakeholdern und Backendern, die sich alle vorbehalten, dass man ihnen nicht ins Geschäft quatscht, während sie natürlich eine sehr fundierte Meinung zum Thema Frontend haben. Da ist React die Lösung, das unentdeckte Land, wo Milch und Honig fliessen, und der Neffe vom Scheffe keinen Zutritt hat (HTML kann er aber immer noch besser als ihr, also der Neffe). Wie Kollege Ron eben sagt: „das Nerdfeeling der frühen Tage kehrt zurück“.

Ich beschwere mich kaum, dass die ganze Hemdsärmeligkeit der Gründerjahre einer gewissen Professionalität gewichen ist, im Gegenteil! Ich hoffe ich habe genau dazu etwas beigetragen. Nur habe ich zeitweise das Gefühl, alle würden mit einem irren Tempo am Ziel vorbei in den Zuschauerraum laufen. Hey, ES6/7/next, call me names, Babel, webpack, parcel, node, npm, nein yarn, nein npm… das Ecosystem ist nicht gewachsen, es ist explodiert. Und statt Wachstumsschmerzen haben wir Phantomschmerzen von den abgesprengten Gliedmaßen, wie beispielsweise grunt, das ja eigentlich noch ganz gut funktioniert, wie ich hier am Adventskalender erprobt habe. Selten habe Leute so schnell auf frische unerprobte Software wechseln sehen, wie im letzten Jahr. Und wie oft habe ich dabei uncool gewirkt, mit meiner Forderung nach einer abgehangenen Buildchain. Alter, let’s break it! So sitze ich nun hin und wieder stundenweise daran, meinen Zoo aus npm-Skripten und node_modules zu debuggen, weil es ein Update in npm gab. Zugegeben, die Liveseite geht in dieser Zeit nicht kaputt… aber falls dort schon etwas kaputt ist, kann es gerade niemand reparieren.

The CSS battle rages as we figure out the best way to handle styles in component-based applications.

2018 steht die Klärung der Frage an, ob CSS denn nun wirklich in Javascript gehört, oder vielleicht umgekehrt?! Und das diese Frage überhaupt aufgeworfen wird, macht mir irgendwie Sorgen. Ich weiß, wenn man erstmal drin ist im Komponentenschmieden, dann hat man schnell die guten Vorsätze der letzten Jahre über Bord geworfen. Die alten Regeln von seperation of concerns will ich da gar nicht heraus holen. Ich hab halt eine Scheißangst, dass wir in fünf Jahren nur noch durchgedrehte Reactprogrammierer gibt, die mit minimaler Aufmerksamkeitsspanne daherkommen und nicht der leisesten Ahnung von Dingen wie a11y oder der Kaskade haben. Ihr Irren ihr!!!