Zum Griechen

Thema:

Johannes schreibt eigentlich über „Grim104“ und deren Song „Zum Griechen“, der ihn abholt:

[…] als jemand, der tatsächlich als Teenager viele Abende bei einem Dorfgriechen verbringen musste, bringt das natürlich etwas bei mir zum Schwingen (fairerweise muss ich sagen, dass man bei unserem Griechen Fußball gucken konnte und man kam immerhin danach mit dem Auto noch woanders hin…zum Beispiel in einen zur Disko umgebauten Kuhstall, aber das ist eine andere Geschichte…)

… und holt mich dabei ab, denn natürlich musste man früher nicht nur auf dem Dorf, sondern auch im Mittelzentrum, zum Griechen und zwar dauernd. Ein kurzer Blick auf Google Maps verrät mir, dass auch noch Jahrzehnte später an der „Straße der Verdammten“ immer noch ein griechisches Restaurant zu finden ist, wo ich in jungen Jahren meinen ersten Uzo in mich hineinstürzte. Fleisch!, he cried, war damals™ das billigste, was man Essen gehen konnte, weswegen griechische, aber auch damals noch „jugoslawische“ Restaurants, hoch im Kurs standen. Wobei ich mich aber nicht an Klassenunterschiede erinnere, die Fleischtempel mit Namen von griechischen Götterboten oder Inseln waren bei allen beliebt, jedenfalls in der Kleinstadt. Hochpreisig konnte man ja seinerzeit auch nur traditionell deutsch Essen gehen, das war dann wohl zu langweilig.

Unsere Familie hatte gleich drei griechische Stammrestaurants, zwei davon an unterschiedlichen Abschnitten der gleichen Straße, was ja auch schon wieder so viel aussagt, regional und kulturell. In einem der Läaden hieß der Wirt Nicos, was immer zu einem unglaublichen Tanz führte, wenn ich das Restaurant betrat, mit meinem vom heiligen Nikolaus abgeleitetem Namen, der damals übrigens höchst selten war, vor allem mit “c”, war ich für ihn ein Quasi-Landsmann und wurde umarmt und luftgeküsst und mitunter wurden auch andere Gäste, die wegen dieses Rituals warten mussten, darüber aufgeklärt. Ich will sagen: griechisch Essen gehen war hip, sprach die niedere Fleischeslust im Wortsinne an und die man wurde behandelt wie ein König, was in der deutschen Gastronomie eher unüblich war.

Und trotzdem war es am Ende dann doch so stockkonservativ, dass ich das heute nur in äußersten Ausnahmefälle mache und nur, wenn ich weiß, dass der Grieche wirklich griechisches Essen zu bieten hat, was mit Gyros ja nun so gar nichts zu tun hat.

1 Kommentar

Mein Grieche war ein Jugoslawe. ;-)

Lag wohl an der Migrationsstruktur meiner sauerländischen Heimatstadt.

Der “Familiengrieche” in Duisburg war für die Feiern der Familie der besten Ex-Frau von allen immer eine Bank. Schade, dass es den Laden nicht mehr gibt.

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