
Disruption voraus!
Zwei Texte sind mir heute in kurzer Reihenfolge empfohlen wurden, beide drehen sich um die exorbitanten Fortschritte, die LLMs/KI gerade machen und was das für meinen Job als Webentwickler im Besonderen und unser aller Jobs im Allgemeinen bedeutet.
Disposable Software #
In „The rise of industrial software“ (via) schreibt Chris Loy darüber, What happens to software when its production undergoes an industrial revolution?
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In the case of software, the industrialisation of production is giving rise to a new class of software artefact, which we might term disposable software: software created with no durable expectation of ownership, maintenance, or long-term understanding.
Die Idee ist so interessant, wie sie erschreckend ist. Wir sind ja bisher immer davon ausgegangen, das vibe gecodetes nicht der gleichen Qualität entspricht, wie das, was sich ein*e echte*r, menschliche*r Softwareentwickler*in aus dem Kopf gedrückt hat. Und vor allem, dass der Bedarf für derlei Qualitätssoftware gegeben ist und der Mensch so der KI noch lange überlegen sein wird. Aber das muss ja gar nicht so sein. Mit dem massenhaften Auftreten von Vibe-Gecodetem, sinkt dessen Preis natürlich immer weiter. Gleichzeitig steigert sich außerdem die Qualität, wenn auch nur in einem gewissen Maße. So wie hochprozessierte Lebensmittel zwar ungesund und scheiße sind, sind sie doch billig und immer verfügbar und so wird es auch auf Software zutreffen. Statt Qualitätsentwicklung für drei Jahre, einfach dreimal wegschmeissen und neu coden lassen. Qualitätssoftware, so wie wir sie heute machen, kann man dann höchstens noch im Softwarebioladen kaufen, wenn man mal etwas Besonderes will, oder den Planeten retten oder so.
Loy ist am Ende aber nicht komplett pessimistisch, er sieht auch weiterhin Entwicklerjobs, nur halt andere:
In an era of mass automation, we may find that the hardest problem is not production, but stewardship. Who maintains the software that no one owns?
Something big is happening #
Das sieht Matt Shumer (Mitgründer und CEO von OthersideAI) ganz anders.
For years, AI had been improving steadily. Then in 2025, new techniques for building these models unlocked a much faster pace of progress. This year, something clicked. Not like a light switch… more like the moment you realize the water has been rising around you and is now at your chest.
Laut Matt ist es inzwischen soweit, dass LLM quasi im Alleingang Softwareprojekte von der Architektur, dem Userflow bis zum Deployment selbst programmieren können. Und das es dann nicht mehr weit ist, bis eine KI der anderen sagt, was sie programmieren soll.
The experience that tech workers have had over the past year, of watching AI go from “helpful tool” to “does my job better than I do”, is the experience everyone else is about to have. Law, finance, medicine, accounting, consulting, writing, design, analysis, customer service. Not in 10 years. The people building these systems say one to five years. Some say less.
Ja, das ist ein hot take, aber er lässt einem in diesem Fall das Blut in den Adern gefrieren. Niemand ist mehr sicher.
AI isn’t replacing one specific skill. It’s a general substitute for cognitive work. It gets better at everything simultaneously. When factories automated, a displaced worker could retrain as an office worker. When the internet disrupted retail, workers moved into logistics or services. But AI doesn’t leave a convenient gap to move into. Whatever you retrain for, it’s improving at that too.
Und die Aussichten sind mehr als düster.
Build up savings if you can. Be cautious about taking on new debt that assumes your current income is guaranteed. Think about whether your fixed expenses give you flexibility or lock you in. Give yourself options if things move faster than you expect.
Ja, das ist alles sehr alarmistisch. Aber zumindest die von Shumer eingangs erwähnte steil wachsenden Fähigkeiten der LLM (zuletzt Claude Opus 4.6) kann ich jeden Tag beobachten. Immer öfter lasse ich ganze Tickets von der KI erledigen, angefangen bei Bugs (~ hier ist unsere Codebase, wir beobachten unter diesen und jenen Bedingungen jenes fehlerhafte Verhalten, woran kann das liegen, beseitige den Fehler, schreibe einen Test dazu) oder Refactorings (~ ich habe hier folgendes beobachtet, was können wir da optimieren, ändere den Code, mach mal atomare Commits daraus, danke pushe ich selbst). Und eine ganze Webapp bauen klappt eben auch schon, wenn auch noch nicht im ersten Anlauf fehlerfrei, aber nach ein bis zwei Korrekturzügen ist das sauber eingeparkt. Noch vor Wochen konnte man mit solchen Aufgaben in irgendwelchen Endlosschleifen verloren gehen. Das ist vorbei.
Und so abwegig finde ich den Gedanken nicht, dass sich das ab einem gewissen Punkt alles verselbstständig und eine trabende Disruption einsetzt.
Das Ding ist dies: wenn wir es mal als gegeben ansehen, dass das früher oder später passiert, wäre es nicht sinnvoll jetzt Maßnahmen zu ergreifen? Jetzt dafür zu sorgen, dass ein derartiger Fortschritt uns allen zu Gute kommt, statt nur den üblichen Verdächtigen Miiliardären? Eine Welt in der wir nicht mehr arbeiten (aber viel konsumieren), müsste die nicht anders organisiert sein, als das Drama, dass wir heute aus Arbeitslosigkeit und „Lifestyle-Teilzeit“ machen?
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Thomas
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