Bullitt (1968)
Über „Bullitt“ und „Steve McQueen in Bullitt“ wurde soviel geschrieben, dass ich geneigt bin, hier zu notieren, dass ich ihn (erneut) gesehen habe, um damit schon wieder zu schließen.
Aber ich habe den Film nicht einmal kurz gesehen, ich habe ihn im Laufe des Wochenendes drei Mal gesehen. Und ich weiß nicht, ob ich schon genug davon habe.
Tarantino hebt in „Cinema Speculation“ hervor, dass sich zwar jeder an den Film, an McQueen und die ikonische Autoverfolgungsjagd erinnert, aber niemand an den Plot des Streifens. Dieser geht glaube ich zusammengefasst so: Detective Frank Bullitt (Steve McQueen) soll in San Francisco den Kronzeugen Johnny Ross für Senator Chalmers (Robert Vaughn) unter Polizeischutz stellen. Noch in der ersten Nacht stürmen Killer das Hotelzimmer. Ein Polizist wird schwer verletzt, Ross wird angeschosses und erliegt später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Unter politischem Druck ermittelt Bullitt weiter und erkennt, dass um Ross’ Identität/Flucht ein Täuschungsmanöver läuft. Im Finale am Flughafen eskaliert die Jagd in einem Schusswechsel und Chalmers bleibt ohne den erhofften Triumph zurück. Nur, falls das mal abgefragt wird.
Der Plot ist es also nicht unbedingt, für den Bullitt bekannt ist. Dann schon eher die Autojagd, die aber vor allem dadurch so besonders ist, dass die Art wie sie aufgenommen ist: on location, mit Fahrern (oft, aber nicht immer Steve McQueen selbst) im Auto gefilmt, von außen aufgenommen durch am Auto befestigte oder in anderen Wagen fahrenden Kameras, zu der Zeit noch sehr neu war. So beeinflusste „Bullitt“ viele nachfolgende Filme und im Grunde jede Autoverfolgungsjagd in Filmen danach. Und sie ist auch schon toll, aber eben alles andere als perfekt. Tatsächlich ist sie voller Anschluss-Fehler. Und trotzdem so unglaublich spannend: ohne Musik übrigens.
Was mich, vor allem nach mehrmaligen Schauen, am meisten fasziniert, sind die kleinen Dinge in diesem Film. Steve McQueen spielt einen absolut coolen Cop, der durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, aber in jeder Situation hellwach beobachtend, noch den kleinsten Hinweis erkennt. Zum Beispiel, als er zusammen mit seinem Kollegen das Hotelzimmer inspiziert, in dem der Zeuge versteckt gehalten wird. Es ist augenscheinlich ungeeignet und Bullitt hinterfragt noch im selben Moment die Motive des Senators und warum gerade er für den Job ausgewählt wurde. Der Mann spielt in seinem Kopf dreidimensionales Weltraumschach, ohne nur mit der Wimper zu zucken. Vielleicht kommt mir als Zuschauer das aber auch nur so vor, denn „Bullitt“ (der Film) tut noch etwas anderes bemerkenswertes: er erklärt seinen Zuschauer*innen nichts. Gar nichts. Es gibt keine Gespräche darüber, warum etwas geschieht oder irgendwelche Anweisungen, was als nächstes zu tun ist, keine Telefonate in denen ein Cop dem anderen stellvertretend für uns die Welt erklärt. Null. In dem Moment wo etwas geschieht, passiert es einfach und man darf sich hinterher darum bemühen, es zu verstehen. So cool.
Tarantino nennt das pure cinema und „Bullitt“ einen der Filme mit der besten Regie, die je gemacht wurden. Dem muss ich ohne weiterem zustimmen und ich finde, es ist auch Steve McQueens bester Film (ich bin nicht so der LeMans Fan). Kann man sich immer wieder anschauen. Und dann weiß man irgendwann auch den Plot. Extrapunkte kriegt „Bullitt“ bei mir, weil eine meiner Lieblings-Cop-Serien ziemlich deutlich auf den Schultern dieses Films steht und San Francisco auf ähnlich Art einfängt…
2 Kommentare
Hulot
Nico