Picard – Staffel Zwei

Ich habe erst zwei Folgen der zweiten Staffel „Picard“ gesehen, aber es deutet sich schon an, dass mir die Serie nicht wirklich so gut gefällt, wie ich einst Vorschuss-Lorbeeren verteilt habe. Freitag ist die dritte Folge erschienen, und ich habe sie noch nicht gesehen. Das sagt mehr aus, als dass ich auf wöchentliche Folgen zerstückelte Serien hasse wie die Pest.

Ab hier könnten Spoiler auftreten.

Es hätte eine gute Idee sein können, „Q“ zu reaktivieren, aber schon seine viel zu frühe Enttarnung und sein bisher mehr als kurzes Auftreten zeigen, dass er nur ein Vehikel für die seltsame Handlung von Staffel 2 ist, kein Protagonist. Das war natürlich in den alten Folgen TNG selten anders, also warum nur sollte man, fast 30 Jahre nach seinem letzten Auftritt, auch nur irgendetwas an dem Konzept ändern?

Das plötzliche Auftauchen der Borg-Königin ist also nur eine Einbildung, Entschuldigung alternative Realität. Das scheinen alle Personen gewusst zu haben, denn vom Admiral bis zum Selbstzerstörungsmechanismus des Computers reagieren alle Personen auf den plötzlichen Angriff, als würden sie gerade einen Kaffee bestellen um auf dem Weg zur Arbeit endlich wach zu werden. Alle schießen in alle Richtungen, alle fallen durcheinander und in der Mitte steht Picard, einem dementen alten Mann gleichend, der auf der Kreuzung zweier Hauptverkehrsstraßen aufgewacht ist und sich noch fragt, wie er da hingekommen sein mag.

So begibt sich also Picards Entourage hernach in einer alternativen Realität—die ehrlich gesagt ein aufbauend auf unserer Geschichte des 21. Jahrhunderts ein wesentlich logischeres 24. Jahrhundert abgibt, als die sonst vorherrschende Vision von Einheit und Frieden unter den Menschen, die seit Kirk propagiert wird—also daran, eine Zeitreise zu unternehmen, um die Realität zu reparieren. What could possibly go wrong?

Naja, so einiges. Nehmen wir beispielsweise die Hinrichtung der Borg-Königin. Picard soll die Menge hinhalten und Zeit verschaffen, damit die anderen währenddessen Systeme knacken, Computer neu programmieren und jede Menge Wachen überwinden können. Eine mehr als typische TNG-Szene, die aber dort mit wesentlich mehr Spannung über die Bühne gegangen wäre als bei Picard. Denn Picard tut… nichts. Absolut nichts. Und das immer und immer wieder. Das alte Mann steht einfach nur da, den Phaser auf die Königin gerichtet und wartend, dass er endlich fort gebeamt wird.

Ich will es so ausdrücken: gegen eine modernisierte Version von The Next Generation hätte ich wenig einzuwenden, das hätte ich sogar erwartet. Stattdessen hat man nun aber nicht die Crew der Enterprise zum Protagonisten und Titelhelden gemacht, sondern allein Picard und der hat, bildlich gesprochen, aufgrund des schlecht bespielbaren Platzes leider ernsthafte Schwierigkeiten, mit seinem Rollstuhl auf dem Spielfeld voran zu kommen. Er ist das Kaugummi, dass die Szenen in die Länge zieht, während alle anderen, aber auch wirklich alle anderen, die Handlung nur durch ihre Borniertheit und dumme Sprüche versuchen voran zu bringen.

Das ist dann weder spannend. Und auch nicht lustig. Das ist einfach nur enttäuschend.