Silent Running – Lautlos im Weltall

Christian Mücke formulierte vor vielen Jahren eine sehr treffende Kategorisierung von Science-Fiction-Filmen:

Es gibt vier Kategorien von Science-Fiction. Star Wars: das klassische Märchen getarnt als Sci-Fi. Star Trek: das erklärende Sci-Fi, mit möglichst viel Bezug zur Realität und technischem Fokus. Zuletzt noch alles Düstere, der Weltuntergang und das belehrende Sci-Fi: Vertreter sind Blade Runner, Terminator oder Matrix. Achja und dann gibt es noch Stanley Kubrick’s 2001 – A Space Odyssey, welches eine völlig eigene Kategorie ausfüllt.
— Christian Mücke: Stanley Kubrick’s 2001 – A Space Odyssey

Irgendwo zwischen dem belehrenden Sci-Fi und „2001“ ordne ich „Silent Running – Lautlos im Weltall“ ein. Die Nähe zu Kubrick ist schon aus technischer Sicht gegeben. Regisseur Douglas Trumbull war in 2001 für die Spezialeffekte verantwortlich. Die Szenen vom Durchflug durch die Saturnringe waren eigentlich für 2001 geplant gewesen, 1969 aber noch nicht umsetzbar gewesen. Drei Jahre später hatte Trumbull die Technik so weiterentwickelt, dass er sie für seinen eigenen Streifen nutzen konnte. Und der ganze Film hat durch das ähnliche technische Setup auch viel von 2001, jedenfalls immer dann, wenn Weltraum gezeigt wird.

In „Silent Running“ arbeitete Trumbull auch zum ersten Mal mit Richard Yuricich zusammen. Dieses Team war dann später an vielen einschlägigen Sci-Fi-Movies beteiligt: „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „Star Trek“ oder eben auch „Blade Runner“.

Was er aber nicht hat sind die Lyrik und die Poesie, in der „2001“ seine Szenen aneinander reiht, jegliche bildliche Allegorie ist „Silent Running“ eher fremd. Es ist eine Art Parabel zum Thema Umweltschutz (1972!), eine Umweltschutzdystopie gewissenmaßen. Inhaltlich entwickelt sich das Thema aber im Wesentlichen eher nicht und so bleibt es eine Studie über den Protagonisten, die im Grunde im Nirgendwo endet.

Spolier ahead.

Eine Flotte von Raumschiffen treibt seit Jahren durch den Weltraum, in ihren riesigen Glaskuppeln wurde die letzten Wälder der Erde konserviert, da auf der Erde die Natur gänzlich zerstört wurde. Freeman Lowell (Bruce Dern) ist einer der Astronauten auf der „Valley Forge“, und er widmet sich ausgiebig der Pflege des Waldes, während seine Kollegen, gelangweilt von den Jahren im All, mit Elektromobilen auf dem riesiegen Raumschiff Rennen gegeneinander ausfahren. Sie nehmen die Nachricht freudig auf, dass das Projekt von der Leitung auf der Erde für beendet erklärt wurde und die Kuppel mit Atombomben (!) gesprengt werden sollen, damit die Schiffe zur Erde zurückkehren können. Auf der Erde hat man gelernt ohne Natur auszukommen, mit der synthetischen Nahrung zu leben und kein Mensch interessiert sich mehr für den Wald. Für Lowell bricht eine Welt zusammen. Als es an die Vorbereitung der Sprengung geht, erschlägt er eine seiner Kollegen und die anderen schießt er mit einer der Kuppeln ins All, wo sie explodiert.

Im Namen der Rettung der Natur wird Lowell also zum Mörder. Er steuert das Raumschiff nun aus der rückkehrenden Flotte aus und fliegt durch die Saturnringe um sich vor den anderen Schiffen zu verstecken. Dann beginnt er eine Reise durch das äußere Sonnensystem, weg von der Sonne. Er ist allein an Bord des großen Raumschiffes, bis auf die drei Roboter, die er Huey, Dewey und Louie nennt (benannt nach Donald Ducks Neffen) die er für seine Zwecke anpasst und auch führ längere Gespräche zu Rate zieht. Er hadert mit seiner Tat, schämt sich hin und wieder, weiter als bis zu einem „ich konnte nicht anders“ führt der innere Konflikt aber nicht. Dann scheint es noch einmal spannend zu werden, weil plötzlich der Wald anfängt abzusterben, aber Lowell hat sich nur zu weit von der Sonne entfernt, das fehlende Sonnenlicht wird flugs mit ein paar Lampen (sic!) ersetzt. Und dann wird Lowell von der restlichen Flotte gefunden, die nach ihm gesucht hatten, „wie nach der Nadel im Heuhaufen“. Lowell sprengt die verbliebene Wald-Kuppel an und entlässt sie in die Galaxis und sprengt dann sich und das Schiff (und mglw. die Rettungsschiffe) in die Luft.

Spoiler Ende.

Zu all dem singt Joan Baez. Und das ermutigt mich irgendwie zu einer etwas wagen Interpretation, das ganze könnte ein ziemlich kritischer fast sarkastischer Blick auf die Hippie-Generation in den Vereinigten Staaten sein, wie sie sich fern der Gesellschaft stellt, dann aber am Ende so gar nichts erreicht. Am Ende ist „Silent Running“ nicht mehr, aber auch nicht weniger, als der missing link zwischen „2001“ und den nachfolgenden SciFi-Sagen, inhaltlich meiner Meinung nach schwach, aber schön anzusehen und ausgestattet mit nachgerade fantastischen Miniaturmodell-Tricks (von denen Teile später in „Kampfstern Galactica“ recycelt wurden). Deswegen ist der Film empfehlenswert.

Der Trailer allerdings nicht.

Artikelbild: failing_angel auf flickr unter Creative Commons Lizenz