Morgenlese XXII

Na, könnt ihr inzwischen wieder gut schlafen? Den ersten trumpindizierten Kater ĂŒberwunden? Ich schĂ€tze, da werden noch viele folgen.

Nun ist viel von der Filterblase die Rede, die angeblich den Sieg Trumps mitverursacht habe und sie ist ja auch, soviel gene ich zu, ein Teilaspekt meines ErklĂ€rungsansatzes ĂŒber die Wahl, scheint mir derzeit aber tatsĂ€chlich ĂŒberbewertet zu werden. Dies sieht man auch bei Carta so, dort enttarnt man gleich den Mythos Filterblase:

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass politische Entwicklungen wie der Brexit allein den Filteralgorithmen zugeschrieben werden können. Zwar bedienen sich Presse und Blogs gerne der Filter Bubble als mystischem Begriff einer subtilen Machtstruktur im Internet, jedoch entbehren die Annahmen ĂŒber negative Konsequenzen der Filter Bubble jedweder Empirie. Forschungsergebnisse hinsichtlich des Einflusses von Filteralgorithmen auf den Nachrichtenkonsum deuten eher darauf hin, dass sie das ideologische Spektrum erweitern, als es einzugrenzen

Politikwissenschaft und Soziologie for the win. Eher den persönlichen Erfahrungsschatz bemĂŒht Andreas Wilkens bei heise.de, er verbrachte eine Nacht in der Filterblase, nur nicht in der gleichen ĂŒber die zur Zeit allerorten fabuliert wird:

Mag ja sein. Ob aber in der gedruckten oder virtuellen Presse oder in Fernsehdiskussionen: Die BefĂŒrworter der Filterblasen-Theorie wandten diese immer nur auf die anderen an, die imaginĂ€ren Trump-WĂ€hler. Die Trumper ließen sich ohne Wenn und Aber blenden, weitere Motive fĂŒr ihr Wahlkreuz blieben kaum erwĂ€hnt. Ja, auch ich war in Diskussionen immer gerne mit dem Einwurf zur Stelle, ohne Facebook wĂ€ren AfD und Pegida so nicht möglich. Und Trump erst recht nicht.

Ja, in der steckte ich auch, ich war nĂ€mlich auch sicher, Clinton wĂŒrde gewinnen.

Aber was tun?

Es muss aber ja auch weitergehen und, da sind wir uns glaube ich einig, aktiv zu werden, um eine Wiederholung zu vermeiden. Die Wahlerfolge von Marie LePen oder anderer europĂ€ische Neofaschisten, oder Erdrutsche wie der Brexit, haben uns ja bislang unbeeindruckt gelassen. Aber es gibt Dinge zu tun: Österreich schickt sich im Dezember an, einen Rechtspopulisten ins BundesprĂ€sidentenamt zu klagen bzw. wĂ€hlen, und 2017 ist dann Bundestagswahl in Deutschland.

Vielleicht ein neuer linker Populismus, wie ihn René Walter vorschlÀgt?

Meine VorschlĂ€ge dafĂŒr sind bekannt: Ein neuer linker Populismus, der anders als rechter Populismus weniger aus „dem Volk nach dem Maul reden“ besteht, sondern in der Vermittlung von komplexen ZusammenhĂ€ngen durch populĂ€re Medien, ein linkes Boulevard oder Popkultur (und den ich basierend auf einem Schreibfehler hier auf NC als „Popularismus“ bezeichnen wĂŒrde). Das gepaart mit einer RĂŒckbesinnung auf Ur-Linke Themen wie eben SolidaritĂ€t, Arbeiterrechte und soziale Gerechtigkeit könnte Rechten wie eben Trump den Boden unter den FĂŒĂŸen wegziehen, sofern es dafĂŒr nicht bereits zu spĂ€t ist.

Johnny vom Spreeblick kommt nach seinem undifferenzierten Trump-Rant mit hoffnungsvollem Ende zu einem wie ich finde ĂŒberraschenden Ergebnis:

Nicht zum ersten Mal denke ich daher seit einigen Wochen neben dem ganzen TrotzdemlĂ€cheln darĂŒber nach, in eine Partei einzutreten. Mir fĂ€llt das enorm schwer. Ich hasse Kompromisse, stundenlange Debatten, langweilige Meetings. Außerdem wird keine der bestehenden Parteien meine Haltung zum Leben auch nur achtzigprozentig widerspiegeln. Jede Partei hat mal Scheiß gebaut, in jeder Partei sind Leute, mit denen ich gar nicht so gerne am Tisch sitzen möchte.

Erstmal keine Pointe. Er schreibt gerade ausdrĂŒcklich nicht, welche Partei das sein könnte, klingt mir aber sehr nach dieser Kampagne.

Bild: Parker Byrd

Leonard Cohen *1934 †2016

Leonard Cohen ist tot.

2013 habe ich den großen kanadischen Poeten noch live gesehen, in Hamburg. Ein Konzert von dem ich tagelang regelrecht ergriffen war. Auch und vor allem wegen Cohens Alter und dieser unglaublichen WĂŒrde, die er ausstrahlte. Sein letztes Album You Want It Darker handelte schon vom Tod. TschĂŒĂŸ Leonard Cohen.

Artikelbild Gorupdebesanez unter CC Lizenz

Gerade noch Morgenlese XXI

Diese Ausgabe der Morgenlese steht unter dem Motto
 naja, man ahnt es schon.

Adrian Daub sieht mit der PrĂ€sidentschaftswahl »Das Ende der AufklĂ€rung« gekommen, und setzt sie damit in den Zusammenhang des Bildes, das die USA bis hierhin abgegeben haben, als Leuchtturm fĂŒr ModernitĂ€t von der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung bis zu Obamas Amtszeit und dessen Errungenschaften. Ersetzt wird dies durch
 nichts.

Diese Wahl ist kein Triumph der GegenaufklĂ€rung, des Klerikalen oder des Wertekonservativen. Trump huldigt keinen Werten, hat mit Religion nichts am Hut. Billiges Entertainment, taumelndes Wir-GefĂŒhl und eine geradezu mephistophelische Lust an der Zerstörung treibt seine AnhĂ€nger an. Alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. An Wahrheit hat Trump kein Interesse, die Wahl war fĂŒr ihn eine Mauschelei, bis er wider Erwarten gewann. Das fĂ€llt seinen Fans natĂŒrlich auch auf, aber auch sie scheinen in einer postfaktischen Welt zu leben, in der einzig das GefĂŒhl noch zĂ€hlt: die Wut, das Dazugehören, die Feindschaft.

Womit ein Gedanke sehr treffend beschrieben ist, den ich heute morgen auch schon streifte, die Lust an der Zerstörung, die herumliegende Lunte anzuzĂŒnden (und der Überraschung, wenn es knallt, siehe dazu Brexit).

Christian Bangel hingegen beschĂ€ftigt sich nicht mit dem Ergebnis selbst, sondern wie es nun weiter geht und fragt: Wer kann Trump jetzt noch stoppen?. Und leider zeichnet er ein dĂŒsteres Bild davon, wie die berĂŒhmten checks and balances versagen könnten, unter dem Druck des Undemokraten, dem Einfluss der Tea Party, der außenpolitischen Macht, die ein PrĂ€sident der USA nun einmal hat.

Trump kann einen Krieg beginnen, erst nach 60 Tagen muss der Kongress ĂŒber diesen Einsatz befinden. Eine Atombombe lĂ€sst sich in weniger als einer Stunde abfeuern. Und selbst die 60-Tage-Regelung ist umstritten. Den US-Einsatz im Kosovokrieg befahl Bill Clinton ohne formale parlamentarische Billigung.

Jetzt sollte man vielleicht wirklich beginnen, VorrĂ€te fĂŒr schlechte Zeiten einzukaufen.

Vorher vielleicht nochmal die ganze Gewinner-Rede von Donald Trump nachlesen.

Thank you. Thank you very much, everybody. Sorry to keep you waiting. Complicated business. Complicated. Thank you very much.

Die Verschwörungstheoretiker unter uns können ja auch mal auf die Wikipedia-Seite der 9. November schauen, scheinbar traditionell ein Tag fĂŒr UmbrĂŒche jeglicher Art. Die Wahl Donald Trumps steht allerdings noch nicht drauf.

Medienblase, Echokammer und der Glaube an das Gute

Seitdem ich das Ergebnis der US-Wahlen kenne, frage ich mich, was da im Vorfeld falsch gelaufen ist. Ich war, möglichweise völlig auf dem Holzdampfer, der Ansicht, dass die Welt und die Mehrheiten in den USA sich einig waren in der Ablehnung von Trump. Eben das, was mir die Medien immer wieder vermittelt haben: Trump der Sexist, Trump der Rassist, Trump der Homophobe, den kann man einfach nicht wÀhlen!

How did he pull off such a stunning victory? How did almost no one — not the pundits, not the pollsters, not us in the media — see it coming? [New York Times]

Aber nicht nur ich lag falsch, sondern nahezu alle Medien in den USA und in Deutschland sowieso. Die Demoskopen lagen ebenfalls falsch, gar nicht mal weil sie die Ergebnisse der Swingstates falsch vorhergesehen hÀtten, oder weil man alle vier Jahre stattfindende Wahlen einfach nicht vorhersagen kann.

Ich habe durchaus Kollegen, die dieses Ergebnis vorhergesagt haben, aber als einer, der im Grunde an das Gute im Menschen glaubt, aber auch gerne mal zĂŒndelt, habe ich das fĂŒr Spaß an der Katastrophe gehalten. Mit solchen Vorhersagen halte ich mich seit 1989 zurĂŒck, weil zu viel von meinem damaligen Spaßhorrorszenario eingetreten ist.
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Morgenlese XX

Schon die zwanzigste Morgenlese, kaum bloggt man wieder regelmĂ€ĂŸig, vergehen die Artikel wie im Fluge. So, oder so Ă€hnlich. Ich war am Sonntag auf dem ersten Weihnachtsmarkt in diesem Jahr, das hat aber nun nichts mit dem Inhalt zu tun, ich wollte es nur mal erwĂ€hnen.

Am 5. November gab es etwas ganz anderes zu feiern, nÀmlich das es nun schon 30 Jahre her ist, dass die erste .de-Domain vergeben wurde. Man hatte ja nichts damals, da war DNS schon eine tolle Sache. Und hatte doch Gegner:

Die ordentlichen Informatiker anderer deutscher UniversitĂ€ten hielten das „Gebastel“ fĂŒr nicht satisfaktionsfĂ€hig und standardisierten lieber den umfangreichen OSI-Verzeichnisdienst X.500 in zahlreichen Gremiensitzungen. Es sollte im Verbundsystem der International X.25 Infrastructure (IXI) eingesetzt werden, wurde aber nie fertig gestellt.

In den USA wird wohl am Dienstag gewĂ€hlt, wie ich aus gut informierten Kreisen erfahre habe, wenn nichts mehr dazwischen kommt, vielleicht fĂ€llt uns ja rechtzeitig der Himmel auf den Kopf. Das ist ungefĂ€hr so wahrscheinlich, wie das auf Seiten wie der Achse des Guten etwas ernstzunehmendes oder gut recherchiertes erscheint. Trotzdem hat sich Stefan Niggemeier die MĂŒhe gemacht und etwas fact checking fĂŒr sie betrieben: Rechte erfinden Linke fĂŒr Trump. Niggemeier zeigt ein weiteres Mal, mit welchen billigen Mitteln Desinformation betrieben wird. Ich erwarte selbst von einer Vera Lengsfeld mehr. Will sagen: ja, wenn’s wenigstens ordentlich hingelogen wĂ€re! Aber nein, das ist alles so lĂ€cherlich.

Ich habe weder die Absicht noch die KapazitĂ€ten, Seiten wie die „Achse des Guten“ zu factchecken. Aber der Gedanke, dass sie besonders Leute anzieht, die den etablierten Medien nicht mehr trauen, ist nicht nur angesichts Vera Lengsfelds Rechercheleistung ein bisschen lustig.

Passend zu meinem aktuellen Arbeitsort (ich sitze gerade in der Bahn) noch die letzte Geschichte. Die Bahnstrecke zwischen Berlin und MĂŒnchen ist fertig, 8 Millionen Euro hat ein Kilometer der Strecke gekostet. Und fĂŒr viele ist es zweifelhaft, ob sie den Segen bringt, den sie bei Planung 1991 als „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ noch versprach. Vielmehr


[
] werden etwa die thĂŒringischen StĂ€dte Weimar und Jena vom Fernverkehr abgeknapst. Keine schrumpfenden KĂ€ffer, sondern wichtige Zentren des Ostens, in denen Bevölkerung und Wirtschaft wachsen. Sie gehören demnĂ€chst zu jenen mittelgroßen StĂ€dten, in denen fast nur BummelzĂŒge halten. So wie Chemnitz (250.000 Einwohner), Krefeld (220.000 Einwohner) oder Zwickau (100.000). Auf lange Sicht will die Bahn zwar alle grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte an den Fernverkehr anbinden, aber das könnte bis 2030 dauern.

Das klingt eher nach Projekt deutsche Teilung, aber nun ist es erst mal zu spÀt, der Zug ist abgefahren.

Bild: Parker Byrd

Morgenlese XIX

Heute geht es mal ums Aussteigen.

Apples neuen MacBook Pro schlagen in meiner kleinen Internetwelt immer noch Wellen, inzwischen haben sich jedermann und seine Mutter dazu berufen gefĂŒhlt, zu posten, warum er oder sie nun gerade kein MacBook Pro kauft, oder wie es nun mit Apple bergab geht. Ich habe mal zwei bemerkenswerte Beispiele herausgesucht.

Dirk Beckmann, u.a. Autor des Buches »Was wĂŒrde Apple tun« hat es offenbar die Lebenseinstellung komplett verhagelt, er kriecht gewissermaßen zu Kreuze, geht nach Canossa und verkĂŒndet: Ich habe mich geirrt – Apple liegt am Boden:

Apple liegt siechend am Boden, weil die einst innovativste Firma der Welt keine Innovation mehr hervorbringt. Sie melken das iPhone Jahr fĂŒr Jahr auf die gleiche Weise und selbst jetzt, wo schon die Aktie unter Druck ist, passiert nichts. Außer GerĂŒchten, die dann aber mehr als nicht erfĂŒllt werden. Nix los in Cupertino.

Was mich zu der Annahme verleitet, dass fĂŒr einige Menschen Steve Jobs tatsĂ€chlich so etwas war, wie Jesus fĂŒr das Christentum ist. Und nun wird der große Stein vor der Höhle 1 Infinite Loop, Cupertino langsam weggerollt und die EnttĂ€uschten mĂŒssen feststellen, dass es keine Auferstehung und keine Jobsche Himmelfahrt gibt.

Aus gĂ€nzlich anderen 5 GrĂŒnden will Freund Marc Tönsing dieses Jahr kein MacBook Pro kaufen:

  • Kein USB, kein HDMI
  • Kein MagSafe
  • Kein SD-Kartenslot
  • Kein Apple Logo
  • Kein Startup Sound

Keine Kekse. Ach nee. Hier beschwert sich derselbe Mensch, der sich zwei Playstation VR gekauft hat, um sicher zu gehen, dass eine ankommt, darĂŒber, dass er Adapter fĂŒr seine alten GerĂ€te kaufen muss, um sie an das neue MBP anzuschließen, das nur noch AnschlĂŒsse der neuesten Generation hat. Ein Problem, das sich fĂŒr 16,99 EURO lösen lĂ€sst. Der HDMI-Adapter hingegen kostet tatsĂ€chlich 79 EURO. Wen den 2000 EURO fĂŒr den Rechner nicht stören, der sollte sich doch ĂŒber 100 EURO fĂŒr Zubehör nicht beschweren. 😉 Zustimmen muss ich allerdings bei der Kritik am fehlenden MagSafe, das ist wirklich ein Verlust. NatĂŒrlich gibt es auch hier schon Ersatz.

Aber genug von Apple. Aussteigen kann man auch anderenorts, beispielsweise bei Google. Wenn ich aber so Mike Kuketz‘ TschĂŒss Datenkrake: Ein Leben ohne Google lese, scheint es mir zwar wesentlich leichter, sich innerlich von Google zu trennen, der praktische Akt ist aber ungleich schwieriger. Den ersten Schritt ziehe ich ja seit vielen Jahren, in dem ich Duck Duck Go nutze.

Und wer sich immer noch nicht von Javascript verabschiedet hat, hier ein Study Plan To Cure JavaScript Fatigue. Nur zur Sicherheit.

Bild: Parker Byrd

Wot?!

Wie Heise zu berichten weiß, hat der NDR bei Recherchen Einblick in »detaillierte Daten zum Surfverhalten von Millionen Deutschen« bekommen, die wohl aus der sehr beliebten Browsererweiterung »WOT (Web of Trust)« stammen.

Die Browsererweiterung, die eigentlich vor nicht vertrauenswĂŒrdigen Webseiten warnen soll, spioniert demnach selbst ihre Nutzer aus und verkauft die Daten, nicht oder nur unzureichend anonymisiert an Dritte.

Soviel zum Thema trust.

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Die neuen MacBook Pro

Apple stellt nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit neue MacBook Pro vor. Die Welt versinkt in einem Shitstorm ungeahnten Ausmaßes. Steve Jobs dreht sich in seinem Grab mit Höchstgeschwindigkeit. Das Leben geht weiter.

Ach, das macht ja immer einen Riesenspaß, auf Apple einzudreschen. Daraus kann man ein echtes Hobby machen. Man muss nicht mal einen Apple-Rechner dazu besitzen, ich kenne eingefleischte Linux-Nutzer, die sich darĂŒber ereifern können, was Apple aktuell mit dem Mac Pro gerade nicht macht, ohne jemals einen gesehen zu haben. Besser geht es allerdings als Apple-Nutzer, wo man selbst Opfer wird der vielen kleinen Fehler, die einem so begegnen beim powerusing. Das ist natĂŒrlich immer Jammern auf sehr hohem Niveau, vor allem wenn man sich wie ich, noch an Zeiten erinnern kann, wo man Windows XP oder gar Ă€ltere Versionen nutzen musste, wir hatten ja nichts damals.

Aber so ist die Stimmung. Nicht erst seit Steve Jobs zum Masterkontrollprogramm gerufen wurde, schon davor zeigte sich, Apple hat eine große und immer grĂ¶ĂŸer werdende Schar sehr treuer Fans. Und Fan sein hat immer etwas mit Fanatismus zu tun. Und da liegt die Krux. Fanatikern kann man es nicht recht machen. Ich kenne das, bin ja selbst einer.

Möglicherweise hat Apple gerade bewiesen, dass sie keine Ahnung haben, wer ihre Laptops nutzen soll. Der ganze Shitstorm ĂŒber die nötigen Adapter, die fehlende Escape-Taste und den nicht ausbaubaren Speicher scheint das zu beweisen. Und ja, die Leute sind ungeduldig, denn seit vier Jahren ist das MacBook Pro nicht upgedatet worden. Und die Leute wollen, das was passiert.

Aber, man kann das auch anders sehen. Beispielsweise ist das vier Jahre alte MachBook Pro immer noch ein unglaublicher Rechner, den man heute noch genauso einsetzen kann, wie vor vier Jahren, SSD vorausgesetzt. Da gibt es eigentlich wenig zu meckern, außer vielleicht, das wir heute, anders als vor vier Jahren gigantische Entwicklungsumgebungen mit einer Phalanx virtuelle Maschinen lokal auf Entwicklungsrechnern laufen lassen und uns nun wĂŒschen, Apple wĂŒrde uns fĂŒr diesen Wahnsinn mehr Power spendieren. Es hat sich in diesen vier Jahren in Sachen Prozessorleistung gar nicht soviel getan. Und wen interessiert eigentlich noch die Gigahertz-Zahl?

Ja und Adapter schleppe ich ja auch heute zuhauf mit mir herum, ich habe dafĂŒr extra einen kleinen Mesh-Beutel im Rucksack. Das war im Grunde schon immer so, wenn man den Macrechner mit der PC-Welt da draußen koppeln wollte, oder mit alter Hardware. Bleibt der noch der Rant ĂŒber die Escape-Taste. Die ist ja nicht wirklich weg, sondern nur nicht mehr als Hardware vorhanden. Das kann eigentlich nur Vim-Nutzer interessieren und dann auch nur, wenn ihr Terminalprogramm diese dann nicht an der richtigen Stelle der Touch Bar zur VerfĂŒgung stellt, zusammen mit ein paar prima Shortcuts, die man sich eh nie merken konnte vielleicht?

Ach ja: die Touch Bar. Ohne sie je ausprobiert zu haben, ranten die Massen darĂŒber, als hĂ€tte man Steve Jobs ans Kreuz genagelt. Also ich will das ehrlich gesagt erstmal sehen und ausprobieren. Und etwas warten, was die von mir hochgeschĂ€tzten Entwickler meiner geliebten Standardprogramme damit anstellen. Der Blödsinn der die letzten Tage zusammengememet wurde wird es jedenfalls nicht sein. Und, hey, ich bin immer noch Schlafzimmer-DJ genug: natĂŒrlich hat mir die Demo auch gefallen. 😉

Apple macht aber auch wieder viel Quatsch. Ich empfinde beispielsweise die Preise der neuen MBPs als ziemliche Frechheit. Und den Schlingerkurs um den Kopfhöreranschluss verstehe wer will, ausser das bei Apple jemand glaubt, man habe unterschiedliche Kopfhörer fĂŒr iPhone und Laptop. Da muss man sich schon fragen, ob sich iPhone- und MBP-Team auf dem Apple-Campus aus dem Weg gehen? Und ja: Tim Cook ist ein Langweiler, stimmt.

Aaaaaaber: liebe Gemeinde! ErzĂ€hlt mir doch bitte jetzt nicht, ihr wolltet alle zu Windows (zurĂŒck) wechseln. Das soll wohl ein Witz sein!

Bild: Tim Gouw auf Unsplash.