Zum Abschied…

… aus Oldenburg legt sich die Stadt nochmal richtig ins Zeug: heute beginnt das “Oldenburger Altstadtfest”. Ich weiß ja, daß ich eine Meckerziege bin, aber das sog. Stadtfest macht mir den Abschied leicht. Von Donnerstag bis Sonntag geht in der Innenstadt nichts, außer saufen, rempeln, prügeln.

Z.B. die Wallstraße bietet dann folgendes Bild: am Eingang gibt man sein Gehirn, seinen Anstand und seine Menschenwürde ab, stürtzt sich ins Getümmel und läßt sich von der wogenden Masse (inkl. Ellenbogenchecks ohne Ende, vollgekotzten Klamotten etc.) in ca. 6,5 h durch die Straße durchreichen. Wenn man am Ende angekommen ist, ist man auf jeden Fall sturzbetrunken, tot oder in Grübelei versunken, wie man denn seine Menschenwürde wiedererlangen könnte, die ist ja noch am anderen Ende.

Eigentlich ist das ja ganz o.k., sollen doch die Landeier aus dem ganzen Weser-Ems-Gebiet ihr Stadtfestvisum kriegen und die Altstadt in Schutt und Asche legen. Aber: wer hier öfter liest, der weiß, daß ich genau dort wohne: in der Oldenburger Altstadt. Und dann wird die Sache doch etwas lästig. Wenn man abends seine Wohnung nicht erreichen kann, weil es tatsächlich über eine Stunde dauert besagte Wallstraße zu durchqueren. Wenn man morgens über Schnapsleichen und Kotzepfützen seinen Weg zur Schule suchen muß. Wenn die ganze Stadt vier Tage lang (plus tagelanger Nachwirkungen) das Aroma einer Whiskeyflasche hat. Das stört dann doch irgendwie. Von der Lärmbelästigung bis morgends um sechse mal abgesehen (meine Wohnung liegt nach hinten raus, daß geht ja noch). Selbst mitfeiern hilft da nicht viel, ich kann einfach nicht vier Tage am Stück besoffen sein!

Und so habe ich jedes Jahr denselben Traum: ich gehe in eins der lauschigen Wohngebiete von Oldenburg, irgendeine Reihenhaussiedlung, sperre dort zwei bis drei Zufahrtstraßen für vier Tage, so das verkehrsmäßig gar nichts mehr geht, und veranstalte dort ein solches Fest. Mit Bands, Bierbuden, etc. pp. Tausende ziehen durch die Vorgärten, pinkeln und entleeren sich auf jede erdenkliche Weise in Lieschen Müllers Rabatten, zertrümmern geparkte Autos und so fort. Möchte wetten, daß das sowohl einen politischen Skandal, die Gründung diverser Bürgerinitiativen und mehrere Demonstrationen aufgeregter Elternräte nach sich ziehen würde.

Aber die Altstadtbewohner, die müssen damit leben. Ist ja auch nur einmal im Jahr 😉

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.