Umm sorry, but…

PapaScott:

Whether you were for the war or not, whether you think the occupation is good or ill, I think we can all agree that everyone is better off without the Hussein brothers.

Ich antworte ausnahmsweise mal in meiner Muttersprache, um nicht einer sprachlich bedingten Ironieresistenz anheim zu fallen. Ich kann mir nämlich gar nicht vorstellen, daß Papa Scott nun auch der “Wildwest-Mentalität” seines Heimatlandes zum Opfer gefallen ist. Vielmehr ahne ich ein wenig Ironie in seiner Aussage, verstehe sie aber vielleicht nicht richtig. Aus diesem Grunde muß ich konsequenterweise mal wieder den Spielverderber geben: Sorry, but I can’t agree!

Das die beiden nun tot sind (oder sein sollen), macht das unsere Welt wirklich besser? Wie kann man denn sowas glauben?! Die reine Abwesenheit von Personen, die für ihre Brutalität, Uneinsichtigkeit und staatsgestützte Kriminalität bekannt sind, die hilft uns doch eigentlich nicht sonderlich weiter. Sie werden zu schnell ersetzt durch andere Killer. Tot, erschossen im Kampf noch doch dazu, bringen uns die “Brothers Grim” (wie sie im angloamerikanischen Sprachraum genannt werden, äh? Gebrüder Grimm????) gar nichts! Ihre Verbrechen bleiben unbewiesen, Hörensagen, ungesühnt, Mittäter bleiben unentdeckt, Opfer bleiben unentschädigt. Der Durst nach Rache, die Mentalität der biblischen Zeit (Auge um Auge) und des “wilden Westens” (Zahn um Zahn) hat die Möglichkeit zerstört, die Verbrecher vor Gericht zu stellen, ihnen ihre Taten nachzuweisen und sie dafür zu verurteilen. Ob nun zum Tode zu verurteilen oder zu etwas anderem ist dann noch einen weitere Diskussion. Für die Geschichte werden Saddams Söhne nun eine Legende bleiben, das ganze ist eine unbewiesene Geschichte, die niemals die Untermauerung einer Verurteilung in einem gerechten juristischen Verfahren erfahren wird, für ihre Anhänger werden die beiden vielleicht sogar zu Märtyrern. Dadurch wird unsere Welt nicht besser, im Gegenteil.

Den Hardcoremoslems wird oft vorgeworfen, sie würden noch im Mittelalter leben und vielleicht hat man sich mit der Besetzung des Iraks tatsächlich zurück ins finsterste Mittelalter begeben. Es gab jedoch Zeiten, da man versuchte seine eigenen Werte zu bewahren und an die Menschen weiterzugeben, die Nürnberger Prozesse sind ein Beweis dafür. Mit solchen westkulturellen Eitelkeiten halten sich die Bush-Regierung und ihre Armee jedoch nicht auf. Auge um Auge, Zahn um Zahn(fehlt eigentlich nur noch, das die Köpfe der Saddam-Söhne auf Lanzen durch Bagdad getragen werden) ich fühle mich davon nicht besser, sondern angeekelt.

Man kann sagen, daß die Saddam-Söhne keinen fairen Prozeß verdient hätten. Darauf kommt es aber nicht an, denn es sind andere, die solche Prozesse “verdienen”: das irakische Volk, die Weltöffentlichkeit. Alles was wir jetzt haben, ist die befriedigte Rachelust einzelner Personen (wenn es auch viele sind).

Von der US-Armee, von Bush, von der Bush-Administration habe ich nichts anderes erwartet.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.