Elphinstone Winning Washington marathon (LOC)

Konsequent, aber inkonsequent

Elphinstone Winning Washington marathon (LOC)

Da ist zum Beispiel dieser Bundesbahn-Schaffner, dem ich relativ regelmäßig begegne. Er trägt immer eine etwas veraltete Uniform, die Version, wo die Schaffnermütze so ein wenig nach Mao-Poster aussieht.

Der Mann ist immer korrekt und immer freundlich. Und er ist konsequent. Mutmaßlich hat er nämlich mit seinem Arbeitgeber und seiner Arbeit selbst wohl auch, irgendwann abgeschlossen. Er hat sich komplett davon getrennt. Die Auswirkung sind lustig, weil sie so konsequent inkonsequent sind. Wenn der Mann also eine Durchsage macht, spricht er immer im Namen der Deutsche Bahn AG. Wo andere selbst die Leute im Zug begrüßen sagt er: Die Deutsche Bahn AG begrüßt sie im Zug von …, oder … hat eine Verspätung von fünf Minuten, die Deutsche Bahn AG bittet hierfür um Entschuldigung, …die Deutsche Bahn AG freut sich sie wieder in ihren Zügen begrüßen zu dürfen.

Andere signalisieren, dass sie Verantwortung übernehmen, indem sie die Ich-Form wählen. Oder sie verstecken sich auch hinter ihrem Arbeitgeber, dann ist von Wir die Rede. Unser Mao-Schaffner lehnt jede Verantwortung ab, mit einer Konsequenz, die beängstigend ist, erscheint jedoch jeden Morgen pünktlich zur Maloche. Und wird das auch noch die nächsten 30 Jahre machen. Sehr konsequent, aber inkonsequent.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

4 Gedanken zu „Konsequent, aber inkonsequent“

  1. Zufall. Genau solch eine Durchsage habe ich heute auf der Heimfahrt gehört. RE Würzburg ‒ Nürnberg. Dieser besagte Schaffner hat nicht zufällig einen österreichischen Akzent? Ich weiß nicht, wo so ein Schaffner überall herum kommt, aber ich bin bisher noch nicht mit ihm gefahren. Es wäre also möglich, dass er eher in nördlicheren Gefilden verkehrt.

  2. Hmmm… da bin ich mir nicht sicher, ob das nicht doch ein wenig weit weg ist. Möglicherweise ist das ja eine Berufskrankheit… 😉

  3. Habe mal ein nettes Gespräch mit einem Schaffner gehabt. Seine Hauptaussage: „Sie richtet sich gar nicht gegen mich, diese verbale, unterschwellige Gewalt der Passagiere. Die Leute wollen ihre Wut am Schaffner loswerden. An der Institution Schaffner und der Instutition dahiner. Die Leute kennen mich als Person ja gar nicht. Und wollen’s auch nicht. Das ist mein Schutz. Das ist mein Rückzugsort.“

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