Rivva-ist-weg-Rant

Jetzt wo es endgültig dicht ist, kann ich es ja sagen: I didn’t get it. Ich habe zwar Rivva als Technik durchaus verstanden, aber nie, warum alle so dermaßen besessen davon sind oder waren, dort nun die meistbesprochenen Themen der Blogosphäre zu finden. Ich will Rivva da nichts anlasten, aber ist das nicht irgendwie das Bildzeitungslesen des kleinen Mannes. Die einen sonnen sich im Glück der Verlinkten, das Fußvolk läuft der durchs Dorf getriebenen Sau hinterher. Das fand ich als Konzept immer ein wenig igitt. Wohlgemerkt, das war nicht Rivvas Konzept, aber es war eins der Mittel dazu.

Klar, ich habe bei Rivva immer die interessantesten Themen gefunden, sagt da jemand zu mir, logisch, aber eben nicht gefunden, antworte ich, sondern nur gelesen. Gefunden haben sie andere. Erfunden mithin. Und ich fand dort nur selten etwas, was mich wirklich interessiert, also jenseits der mir eingebauten Sensationslust. Und oft war mir nach Studium des Feedreaders eh‘ schon klar, was sich da auf Rivva tummeln täte. Frank mache ich da gar keinen Vorwurf, denn der hat sich einen Algorhythmus nach dem anderen ausgedacht, seinen Bot die wirklich guten Dinge finden zu lassen. Vielleicht ist das endgültige Aus aber dann auch eben das Eingeständnis, dass das ein Bot eben nicht kann (zumindest unterhalb einer gewissen Summe an Investition). Am Ende kommt immer nur Futter für die Aufmerksamkeitsökonomen heraus.

Lustig find ich jedoch nun jene, die nun verzweifelt nach einem Ersatz suchen. »Den einen oder anderen Feed dem Feedreader wieder hinzufügen« habe ich als Tipp gelesen. Heureka, ich hatte gedacht RSS sei tot? Aber der Tipp ist ja logisch, denn im Grunde muss man die Blogs nun wieder selbst lesen, die eh‘ immer die Blogosphäre angeführt haben. Und seine Memes nun wieder selbst verfolgen. Das könnte nun ein wenig mehr Arbeit bedeuten.

Ja, das hört sich alles ein wenig sarkastisch an, aber als einer, der Rivva nie verstanden hat, habe ich es eben auch nie in meine Konsummuster integriert, vermisse so also nichts. Klar, ich war meistens nie oder erst spät dran, wenn ein Thema so richtig durchgerockt wurde… aber so what?

Ich gehe davon aus, das Frank Westphal auch ohne Rivva gut klar kommen wird, vielleicht sogar besser, macht es ihm nach. Schaut mal wieder in euren Feedreader. Findet mal etwas neues, bloggt darüber. Vielleicht liest das hier ja jemand. Obwohl es ja nicht bei Rivva landen wird. Muss ich es wieder twittern…

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

3 Gedanken zu „Rivva-ist-weg-Rant“

  1. Ich habe es gelesen, weil ich dich in Twitter habe und zur Sicherheit auch noch einmal per RSS. Denn hätte ich gerade jetzt nicht auf Twitter geschaut, wäre es an mir vorbeigescrollt. Und damit sei vermerkt: RSS ist noch lange nicht tot, auch wenn es offensichtlich leider hip ist, darüber zu reden.

  2. Dieser Text spiegelt exakt meinen Eindruck von Rivva wider. So nett die Technik ist/war, aber das Einmal-Pro-Monat-Draufgucken war stets die Suche nach der Antwort auf die Frage, „Och, mal wieder gucken, welche Sau denn heute ganz aufgeregt durch die Blogosphäre getrieben wird“. Geradezu Erschreckend war, wie häufig es Spiegel-Online-Artikel nach oben geschafft haben (zumindest meinem Eindruck nach).

    Und ich finde es höchst sympathisch, daß Frank Westphal ein eigentlich erfolgreiches Projekt nicht businessplanmäßig total ausschlachtet, sondern einstellt, weil es offenbar nicht seinen Ansprüchen entspricht.

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