
Paper Moon (1973)
„Paper Moon“ passt so gar nicht in die Reihe der Slasher- und Kriminalfilme meines 70er Rewatch, macht uns aber mit einer weiteren Ikone des New Hollywood bekannt, Regisseur Peter Bogdanovich. Bogdanovich startete seine Karriere zunächst als Filmkritiker, bevor er selbst Regie führte. Großen Erfolg hatte 1971 mit „Die letzte Vorstellung“, 1972 mit „Is’ was Doc?“ und eben 1973 mit „Paper Moon“. Seine folgenden Filme, unter anderem „Daisy Miller“[1], floppten allesamt.
Der Kleinganove Moses Pray lässt sich nach einer Beerdigung eine früheren Liebschaft dazu überreden, Addie Loggins, die neunjährige Tochter der Verstorbenen in seinem Auto mitzunehmen, um sie bei deren Tante abzuliefern. Pray benutzt Addie jedoch zunächst, um von einem Mann, dessen Bruder für den Tod von Addies Mutter verantwortlich war, 200 Dollar zu erpressen. Addie fordert dieses Geld von Pray, der hat es aber schon teilweise für die Reperatur seines Wagens ausgegeben. Um seine Schulden zu begleichen, nimmt Pray Addie mit bei seinen hochstaplerischen Bibelverkäufen. Addie übernimmt mit messerscharfem Verstand, trotziger Entschlossenheit und einem untrüglichen Gespür für Geld zunehmend das Kommando bei diesen Betrügereien. Als ihre Masche durch neue Bekanntschaften, Eifersucht und die ständige Gefahr aufzufliegen ins Wanken gerät, wird immer deutlicher, dass die beiden nicht nur Geschäftspartner sind, sondern eine Art Ersatzfamilie bilden, die sich in einer harten Welt mit Witz und Sturheit behauptet.
„Paper Moon“ ist gänzlich in schwarz-weiß gedreht, was, zusammen mit dem zeitgenössischen Soundtrack, die Zeit in der der Film spielt treffend wiederspiegelt. Ein Road Movie im Ford Model T sozusagen. Gleichzeitig ist es natürlich auch eine Gaunerkomödie, die eben in einer Zeit spielt, da Gaunerei irgendwie zum normalen Überlebenshandwerkzeug gehörte und in dem kleinen Maße, in dem Moses und Addie sie zunächst betreiben, auch fast schon akzeptiert. Ein ganzes Land steht finanziell am Abgrund, da ist fast alles erlaubt. Die Beziehung zwischen Addie und Moses, ob er nun tatsächlich ihr Vater ist, bleibt ungeklärt, kippt ständig zwischen Zuneigung und kalkül hin und her und ist damit eine Projektion von Einsamkeit, soziale Härte und ökonomische Gewalt dieser Zeit.
Das Ende wirkt dabei bittersüß, Addie und Moses bleiben zusammen, aber ihre Beziehung entwickelt sich nicht weiter, sie fahren harten Zeiten entgegen. Es ist ein schöner Film, in dem vor allem die kleine Tatum O’Neil glänzt, die dafür zur jüngsten Oskar-Gewinnerin ever gemacht wurde, völlig zurecht[2].
Fußnoten
den Tarantino in „Cinema Speculation“ bespricht und der deswegen ebenfalls auf der Liste steht ↩︎
Und die für mich nur drei Jahre später eine wichtige Rolle in meinem eigenen Coming-of-Age spielen wird, als die weibliche Hauptrolle in „Die Bären sind los“. ↩︎
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