Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn (2011)

Thema:

Dieser mithin etwas seltsame Film stand noch auf meiner Bucketlist. Steven Spielberg hat sich wohl nach Hergés Ableben 1983 die Filmrechte gesichert, das Projekt dann zwanzig Jahre schlummern lassen und dann zusammen mit Peter Jackson 2011 umgesetzt. Als den ersten von drei Teilen. Wer sich ein wenig mit den Comics von Tim und Struppi und Hergés Zeichenstil (ligne claire) auseinandergesetzt hat, kann sich vorstellen, dass diese Umsetzung zu viel Diskussionen geführt hat.

Der Film ist eine in Motion-Capture-Technik gedrehte Ansammlung von teilweise grandiosen, zum Teil auch überfordernden Action-Szenen, abgewechselt mit kurzen Verschnauf- und Dialogpausen. Das ist teilweise echt anstrengend, weil es quasi keine Zeit zum Nachdenken lässt. Die Frage ist, ob das eine gelungene Umsetzung von Tim und Struppi ist. Natürlich gibt es reichlich Actionszenen in einem Tim und Struppi Comic, dafür sind sie bekannt und geliebt, aber bei einer Filmadaption kommt es natürlich darauf an, den Raum zwischen den Einzelbildern zu füllen. Und das leistet der Film halt kaum. Stattdessen sind die Szenen ähnlich kurz angelegt wie die Frames im Comic. Der Comic ist durch sein Format einschränkend und Hergé hatte immer eine sehr spezielle Art, mit dieser Einschränkung umzugehen, das hat seinen Stil ausgemacht. Wird das allerdings eins zu eins in einen Film umgesetzt, wirkt das als würden die Szenen mit dem Maschinengewehr auf die Zuschauer*innen abgefeuert. Hinzu kommt noch, dass Jackson und Spielberg sich ausdrücklich auf die Actionszenen konzentrieren und diese filmisch ausmalen und weiterdenken. Also das Tempo ist atemberaubend, schneller als ich gucken kann jedenfalls. Nach zehn Minuten Film bin ich im Schweiß gebadet. Das zeigt sich auch darin, dass für den einen Film, gleich drei Alben verarbeitet wurden: „Die Krabbe mit den goldenen Scheren“, „Das Geheimnis der Einhorn“ und „Der Schatz Rackhams des Roten“. Tim ist ein James Bond auf Speed, aber wirkt irgendwie leer und hölzern, wenn es mal einen Dialog zu sprechen gilt.

Der zweite kritische Punkt ist natürlich die Umsetzung der Figuren. Hergés Zeichenstil ist da ja sehr reduziert: schmale Umrißlinien, weitgehender Verzicht auf Schattierung, Raster oder Schraffuren. Die runden Knubbelnasen-Gesichter in das dreidimensionale des Film zu übersetzen ist zugegeben eine mission impossible und hat völlig erwartbar auch nicht funktioniert. An Tim mag ich mich noch gewöhnen, Kapitän Haddock und die Schulzes sind schlichtweg mißlungen, wobei letztere von Simon Pegg und Nick Frost ganz hervorragend dargestellt wurden.

Zusammengefasst: der Film ist empfehlenswert für alle, die keinerlei Hintergrund in Hergé oder Tim und Struppi haben, denn dann ist er eine rasante Achterbahnfahrt vor gut gestalteter Kulisse. Puristen oder überhaupt allen Menschen, die wissen, was ligne claire bedeutet, rate ich allerdings ausdrücklich ab.

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