Return to office

Im Grunde ist es zwar egal, ob nun gerade Elon Musk, oder ein CFO eines deutschen mittelständischen Unternehmens seine Mitarbeiter*innen ins Büro zurück zu nötigen sucht, wenn ersterer das macht diskutiert allerdings plötzlich jedermensch darüber. Nachdem jetzt endlich, möglicherweise, jetzt aber ganz bestimmt, eingetretenen Ende der Pandemie, sollen all jene, die bis zu zwei Jahre nahezu ausschließlich ihrer Arbeit von zu Hause aus nachgegangen sind, wieder im Büro antanzen. Allerorten fordert das Management: zurück an die Schreibtische!

Dabei scheinen alle Argumente im Wesentlichen in kurzer Zeit ausgetauscht zu sein. Für das Homeoffice sprechen die oft bessere Work-Life-Balance, höhere Produktivität dank weniger Störungen, mehr Lebenszeit, dank entfallender Arbeitswege und dadurch auch weniger Staus, weniger Pendelnde, entzerrter Verkehr. Arbeitgeber könnten im Gegenzug am Büroraum sparen, weniger Gebäudeunterhalt könnte langfristig anfallen, wenn wirklich nur noch die ins Büro kommen, die das wollen. Außerdem habe die pandemische Ausnahmesituation bewiesen, dass die Produktivität nicht leide, im Gegenteil.

Die Gegenargumente klingen in der Regel schroffer. Elon Musk beispielsweise behauptet, wer nicht 40 Wochenstunden im Büro verbringe, sei kein produktiver Mitarbeiter. Klingt erst mal nach dem altmodischen Chef, der seinen Untergebenen nicht traut. Gut gemeint könnte man ihm unterstellen, auch Musk spiele das gute alte Kreativitätsargument: Wer sich nicht live treffe, könne auch nicht gemeinsam kreativ werden, es gebe keine zufälligen Gespräche mehr und so weiter. Argumente, die auch gerne in deutschen Büros gebracht werden. Der eine oder andere Arbeitgeber entdeckt daneben noch seine soziale Ader: Homeoffice sei ungerecht für die Mitarbeiter*innen, für die es technisch nicht infrage kommt. Und Frauen würden dadurch noch zusätzlich belastet, weil sie besonders oft Homeoffice und Carearbeit kombinieren würden.

Was beide Seite verkennen und da mag die Pandemie hauptursächlich wirken, ist, dass es nicht um 100 % von 100 % geht. Mal angenommen, eine Arbeitgeberin würde von heute auf morgen allen Angestellten freistellen, ob sie ins Büro kommen oder von zu Hause arbeiten. Es würden ja gerade nicht wie in der Pandemie alle für immer komplett zu Hause bleiben. Im Gegenteil, viele Menschen gehen gerne ins Büro, eben um Kollegen zu treffen, kreativ zu sein und so weiter. Ich halte es für eine Unterstellung, dass alle Mitarbeiter*innen, so es denn ermöglicht würde, komplett zu Hause bleiben würden. Diese Fehlannahme kommt meines Erachtens aus derselben Ecke, wie der Glaube, zu Hause würden die Mitarbeiter*innen nicht genug arbeiten. Letzteres scheint mir durch die Pandemiezeit widerlegt zu sein. Was allerdings stimmt ist, dass es schwieriger ist, plötzlich und zufällig anfallende Zusatzarbeiten unter den Mitarbeiter*innen zu verteilen, was ich speziell im Entwicklungsbereich sogar für eine positive Auswirkung halte. An mir selbst kann ich beobachten, dass ich aber keineswegs jeden Tag zu Hause arbeiten wollte: erstens tut mir der Kontakt mit anderen Menschen gut und macht mir Spaß, zweitens gehört es zu Teilen meiner Arbeit durchaus dazu. Zu einem anderen Teil aber auch wieder nicht. Was nicht heisst, dass ich mich zum Coden in mein Kämmerlein einschließen möchte. Aber von mir regulierbare Kontakte zu anderen Coder*innen, per Video oder Huddle, bspw. zum Pairprogramming, funktionieren eben im Homeoffice genauso, wenn nicht sogar besser, da gleiches in der Bürosituation sich oft störend für andere auswirkt. Und noch einmal: In der Homeoffice-Situation kann ich Störungen besser regulieren, bis zeitweise sogar abschalten, was für den Codingprozess, die Kreativität (sic!), im Gegensatz zum Büro so unglaublich wichtig ist. Aber ich als Berater und Leiter, habe noch viel mehr andere Arbeitssituationen, die im Büro, face to face, mit anderen Menschen viel besser funktionieren. Und die will ich dann auch im Büro wahrnehmen.

Die blanke Feststellung also, eine Firma gehe die Kreativität verloren, wenn sie 100 % Homeoffice zuließe, halte ich für ähnlich undifferenziert, wie die Aussagen des bekloppten Multimilliardärs Musk. Vielmehr glaube ich, dass es von Job zu Job unterschiedlich sinnvoll ist, im Büro zu sein. Jemand, der nur entwickelt, also codet, wird vielleicht 70 % seiner Arbeitszeit zu Hause verbringen wollen, einige möglicherweise sogar 100 %. Dennoch wird jemand, dessen Arbeitsinhalt komplett aus der Abstimmung und Zusammenarbeit mit anderen Menschen besteht, vielleicht 90 oder gar 100 % im Büro verbringen wollen. Aber selbst diejenigen werden, wenn sie zu Hause gebraucht werden, sich mal einen Tag im Homeoffice gönnen wollen. Und ich glaube nicht, dass dabei auf lange Sicht Neid aufeinander entstünde. Zeit im Büro wäre in so einem Modell, in dem Arbeitnehmer*innen nach ihren Bedürfnissen entscheiden, niemals Strafe, sondern immer der Idealfall, also überhaupt kein Grund für Missgunst.

Was für so ein Modell aber natürlich nötig wäre, wären die entsprechenden Einrichtungen im Büro, sich mit Menschen live und online, sowohl zusammen als auch abgeschieden einzeln treffen zu können. Es müsste also ein Angebot an vielen kleineren Meetingareas und ruhigen Einzelvideoplätzen (um mit jenen zu kommunizieren, die gerade nicht im Büro sind) eingerichtet werden.