Der Name der Rose, aber als Hörspiel

In der ARD-Audiothek bin ich auf die Hörspielfassung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ gestoßen. Ich war reichlich überrascht, mit welcher düsteren Atmosphäre einem diese Audioproduktion durch die Ohren zu Leibe rückt, mein erster Eindruck war direkt: um Längen besser als der Film! Und eben dieser, mit Sean Connery und Christian Slater, gehörte mit zu meinen Lieblingsfilmen für lange lange Zeit.

Bei genauerer Recherche fand ich erstaunt heraus, dass Film und Hörspiel im gleichen Jahr erschienen, 1986. Und während der Film sich stark vom Original entfernte, ist das Hörspiel sehr werktreu gehalten. Was an sich schon ein Faszinosum ist, denn Ecos postmoderner historischer Kriminalroman ist ein Labyrinth aus Geschichte, Anspielungen, Ab- und Umwegen. Aber es funktioniert hervorragend und mit völliger Leichtigkeit. Letzteres zeichnet für mich geniale Dinge aus: Hochkomplexes leicht erscheinen zu lassen.

Die Hörsituation tut natürlich das ihre dazu. Meine Generation ist—glaube ich zu wissen—sehr hörspielgeprägt, ich zumindest habe als Kind mehr Zeit mit Hörspielkassetten und -platten hantiert, als vor dem Fernseher zu sitzen. Insofern ist meine wieder einsetzende Freude am Hörspiel (versus Hörbuch) wohl altersbedingt. Vom Handy über Kopfhörer geht es mithin direkt ins Gehirn, was gerade bei diesem Stück mit seiner großartigen Produktion so viel mehr ist als nur der Text. Musik, Geräusche, Gesänge, ich stehe mitten auf dem Hof des Klosters und als Nebel aufkommt, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Einfach unglaublich. Ecos unglaubliches Buch in seiner besten Form.