Wäsche waschen

Hier kann ich es ja ganz kolumnesk einfach zugeben: Ich hasse Wäsche waschen. Also dieses klassische Waschen von Klamotten wie Hemden, Hosen, Bettwäsche, Unterwäsche… ihhhh… ja, auch Unterwäsche.

Es gibt für mich wohl keine schlimmere und verachtenswertere Tätigkeit, als Wäsche zu sortieren und in der Waschmaschine zu platzieren, abgesehen vielleicht vom wieder herausnehmen derselben und dem allerschlimmsten, dem Wäsche erst zusammen und dann in den Schrank legen. Wenn ich jemanden die gehirnzerstörende Grausamkeit repetitiver Aufgaben in meinem Arbeitsumfeld erklären möchte, ist Wäsche waschen mein Beispiel und ich kann an Reaktion und Gesichtsausdruck meines Gegenübers sofort erkennen, ob es selbst wäscht.

Denn selbst waschen muss nicht jeder. Ich fuhr mal ein paar Jahre in einer Fahrgemeinschaft mit, dessen Fahrer zusammen mit uns immer in Plastik eingeschlagene Hemden durch die Gegend fuhr, weil er „praktisch alles in die Reinigung“ gäbe. Ich habe mich früher immer gefragt, ob eine Reinigung auch stinkende Socken und Unterhosen übernimmt, und diese dann diskret in den Hemdtaschen unterbringt, bevor die Hemden in der Plastikfolie landen. Mutmaßlich übernahm den Teil der Wäsche aber noch die Mutter meines Paradebeispiel-Boomers aus der Fahrgemeinschaft.

Stichwort Boomer, ich selbst musste als Kind, Jugendlicher und bis ich viel zu spät das wärmende Nest verließ, niemals Wäsche waschen. Im Gegenteil, ich brauchte getragene Klamotten quasi nur unauffällig auf dem Boden meines Jugendzimmers zu verteilen wie die Handtücher in einem Hotelbadezimmer. Um sie dann spätestens am nächsten Tag gewaschen und gefaltet in meinem Schrank wiederzufinden. Um den Prozess dahinter machte ich mir wenig Gedanken, es kam aber hin und wieder zum Streit. Einerseits, weil ich mich beschwerte, wenn ich das Chumbawamba-Shirt doch noch anziehen wollte abends und es dank des unsichtbaren Prozesses aber schon in der Wäsche gelandet war. Ich war so ein nettes Kind. Im Gegenzug wurde sich natürlich über meine Faulheit im Allgemeinen und das unaufgeräumte Zimmer im Besonderen oft lauthals beschwert. Eines Tages bot ich an, ich könne doch selbst meine Wäsche waschen, das wurde nach kurzem Überlegen aber verwehrt, weil ich ja die Waschmaschine kaputt machen könne. Das erklärt also einerseits meine Abneigung gegen das Waschen, andererseits aber auch viel von dem, was in unserer Gesellschaft heute unter dem Stichwort „Boomer“ kritisch diskutiert wird.

An der Technik kann es auch nicht liegen. Ich hasse das Waschen, aber ich liebe unseren 15 Jahre alten Waschtrockner von Miele, ein Gerät, dass nach heutigen Maßstäben wahrscheinlich ins Computerspielemuseum gehört, das nach meiner Vorhersage aber noch mindestens weitere 15 Jahre einwandfrei funktionieren wird. Und sollte doch einmal etwas sein, kommt jemand und repariert die Maschine. Durch seine Langlebigkeit macht das Gerät hoffentlich wett, dass es wahrscheinlich, kann sein, möglicherweise für einen Waschtrockengang Energie im Gegenwert des jährlichen Stromverbrauchs von Uganda verbraucht. Aber der Waschgang ist tatsächlich, das einfachste was man sich vorstellen kann: Klappe auf, Wäsche rein, Klappe zu, zwei bis drei Stunden später die getrocknete Wäsche wieder entnehmen. Fertsch.

Waschen ist doch so einfach! Jedenfalls, solange der Mensch unverwüstliche, weiße Rippunterwäsche wäscht. Alles andere muss nach einem schier undurchschaubaren System sortiert werden. Nach Farben, nach Temperaturverträglichkeiten, nach Geschwindigkeit des Schleudergangs, oder ob es überhaupt in den Trockner darf. Ich wende dafür zugegebenermaßen eine Art fuzzy logic an, bei der sich die allermeiste Wäsche auf sehr weniger Typen sehr einfacher Waschprogramme verdichtet. Was bildlich gesprochen an den Rändern liegt, bspw. Dinge, die zwar bei 40° gewaschen, aber laut Waschanleitung nicht getrocknet werden dürfen, kommen trotzdem in den Trockner. Das überleben sie dann entweder und alles ist gut, oder ich brauche sie nie wieder zu waschen, was auch gut ist.

Nein, was mich wirklich auf die Palme bringt, ist diese immerwährende Wiederholung. Im Bad liegt ein Haufen Wäsche, weil ich natürlich viel zu selten wasche. Und dieser Haufen wächst so lange, bis ich das Bad nicht mehr problemlos betreten kann, weil von der Innenseite der Tür eine Art Golem aus dreckiger Wäsche sich gegen dieselbe drückt. Und dann platzt mir der Kragen (sic!) und ich wasche. Ich wasche und wasche und wasche und lege zusammen und hänge auf und bügle… nein, haha, Bügeln kommt nicht infrage. Und gleichzeitig aber fällt neue Wäsche an. 35 Jahre lang Haken für den Duschvorhang. Sozusagen.

Rinse and repeat… dann doch lieber Waschsalon.


Artikelbild von Thomas Dumortier auf Unsplash.