Chernobyl

Ich habe eine Reihe katastrophaler Ereignisse der Weltgeschichte im Kopf, die ohne Zweifel einen mehr oder minder starken Einfluss auf mein Leben hatten. 9-11 natürlich, Fukushima, das Attentat auf Uttøya und noch einige andere. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl wird wohl das erste Ereignis auf dieser Liste sein und ich muss zugeben, ich hatte es beinahe schon verdrängt.

Photo by Hugh Mitton on Unsplash

Dabei weiß ich noch, dass wir Jodtabletten bekommen sollten, dann doch wieder nicht. Spielen im Freien war irgendwie gefährlich, ebenso Nüsse aus dem Balkan, Pilze aus der Türkei. Salat wurde vernichtet, Spinat untergepflügt. Meine Eltern hatten Angst und es herrschte vor allem eins: große Verunsicherung. Denn weder konnte man irgendetwas glauben, was an Nachrichten von der UdSSR verlautbart wurde, noch das Gequatsche von Grenzwerten im Fernsehen von Beamten und Politikern für bare Münze nehmen. Ich weiß sogar noch, dass ich demonstrieren war… nur wogegen oder wofür eigentlich?

Die Fernsehserie „Chernobyl“ hat bei mir einiges wieder ins Gedächtnis gerufen, wobei Deutschland dabei allenfalls als Randnotiz vorkommt. Die Serie widmet sich eher der Darstellung der Ereignisse in und um den Block IV des KKW Tschernobyl und der Klärung der technischen Frage, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Dabei stehen die Vertuschungsversuche der Werksleitung, die Unfähigkeit des bürokratischen Apparats oder die Borniertheit des KGB im Vordergrund. Alles Faktoren, die zur Katastrophe geführt und ihr Ausmaß gewaltig gesteigert haben.

Die Frage, die mir nach der Serie bleibt ist, wäre das auch bei uns so möglich? Würde ein AKW-Betreiber der Realtität des Super-GAU so lange wie möglich wiedersprechen und dann nur Scheibchenweise zugeben, wie viel Radioaktivität bereits in die Atmosphäre gepustet wurde? Würden Politiker um den heißen Brei herumlügen um den Ruf der Atomindustrie zu retten? Würden falsche Zahlen herausgegeben, um Grenzwerte nicht zu überschreiten und das Aus aß herunter zu spielen? Die Antwort lautet in meinen Augen leider: ja. Und das ist der wahre Grund, warum ich von der Atomkraft nichts halte, weil der Mensch einerseits Fehler macht, die dabei tödlich sein können und andererseits diese Fehler niemals zugeben wird, so dass es in zweifacher Hinsicht keine Sicherheit bei dieser Art der Energiegewinnung geben kann.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.