Ein Lehrstück der Globalisierung

Heute schon getankt?

Tut mir leid.

Das schlägt doch dem Ölfass den Boden aus, was da vom Benzinhöker an der Ecke von uns verlangt wird. Was hören wir, der Ölpreis schiesst durch die Decke, der Benzinpreis folgt ihm auf dem Fuße. Ja, „Katrina” ist Schuld: die Bohrplattformen im Golf von TexaMexico wurden stillgelegt, ebenso die Raffinerien an der dortigen Küste. „Ölknappheit!” brüllen die Spekulanten und schon geht es los. Da müssen wir zahlen. Alle. Und irgendwo im Garten eines Börsenmultis wird ein Swimming-Pool mit Goldmünzen gefüllt.

Das ist ja schon eine heftige Nummer: Sturm in Amerika und bei uns steigt der Benzinpreis. Der war aber natürlich auch vorher schon schmerzhaft hoch. Die Nachfrage – die ja bekanntlich den Preis bestimmt – ist hoch wie nie. Hauptverbraucher sind aber keinesfalls wir (mit unserer kränkelnden Industrie und ob der hohen Steuern eh‘ schon auf sparen eingestellten Autofahrern), sondern die USA und China. OK, von den USA kennen wir’s nicht anders, weiss man ja, dass die sich wenig um den Tankinhalt scheren und dort Autofahren statt besteuert zu werden, eher subventioniert wird, wie einst in der DDR das Graubrot. Überraschungssieger ist aber China. Deren Wirtschaft explodiert gerade, 9% Wachstum sind schon ein Hammer und auch die scheren sich weniger um die Umwelt, als den Weg nach vorn. Was mir den Witz meines Erdkundelehrers in den Sinn bringt: „Würden alle Chinesen ein Auto haben und es eines morgens alle gleichzeitig anlassen, dann wäre Stunden später die Sonne verdunkelt!”. Ja, so ähnlich. Öffnung der Wirtschaft, das war ja auch irgendwie das, was wir von den Chinesen wollten, nicht?! Gut gelaufen.

Der Schläge noch nicht genug: es ist mehr als eine Mutmaßung, dass die Erwärmung der Meere – der Golf von Mexico ist in den letzten Jahren 2° Fahrenheit wärmer geworden – die Stürme in der Region fördern bzw. ihre Stärke für uns negativ beeinflussen. Ein Hurricane bildet sich dort über dem Meer, wo sehr viel verdunstetes Wasser in die Athmosphäre aufsteigt, wo es also besonders heiss ist. Wärmeres Wasser = mehr Verdunstung = stärkerer Sturm. Einfache Rechnung. Nun fällt mir da das Abkommen ein, dass weltweit den Ausstoss von die Athmosphäre erwärmenden Gasen beschränken sollte ein. Dieses sog. Klimaschutzabkommen haben ja beinahe alle Staaten unterschrieben. Ausser, ja ausser die USA. Schon dreist.

Zusammengefasst: die Stürme an Amerikas Küsten, die so grausig sind, weil die Amis sich weigerten, die Umwelt zu schützen, behindern die weltweite Ölversorgung, die eh schon wegen des gigantischen Ölverbrauchs von (wieder) Amerika und China am Boden liegt, was den Ölpreis ins Unendliche steigen lässt, was wir solange bezahlen, wie wir können. Ergebnis: die Amis ertrinken, wir verarmen und die Chinesen… ja die Chinesen sind die lachende dritte Milliarde und sacken den Skat ein.

Ein Treppenwitz der Globalisierung sozusagen.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.